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Muse Françoise Gilot : Picassos größtes Rätsel

  • -Aktualisiert am

Die Malerin Françoise Gilot war zehn Jahre lang mit Pablo Picasso zusammen und ist die einzige Frau, die ihn je verlassen hat. Es gibt ein neues Buch über sie - ein schöner Anlass, sie in ihrem Pariser Atelier zu besuchen

          Man hatte mir vorher gesagt, ich solle möglichst nicht allzu viel über Picasso mit ihr sprechen - dass sie ihn verlassen hat, liegt schließlich mehr als 60 Jahre zurück, und sie hat anschließend ein erfülltes, produktives, kreatives und sehr eigenes Leben geführt. Ich verstehe das vollkommen und frage sie nach ihrer Kunst. Woran arbeitet sie derzeit, malt sie täglich usw. Ihre Antworten sind einsilbig bis missgelaunt. Erst als die Sprache auf ihren berühmten Ex kommt, taut sie auf und verwandelt sich in die jüngste 93-jährige, die die Welt je gesehen hat. Sie hat eine raue, bisweilen geradezu dreckige Lache, kann kokett gucken wie eine junge Pariserin und hat trotz vieler, vieler Jahre in den Vereinigten Staaten auf Englisch einen deutlichen französischen Akzent. Allez, fangen wir etwa bei Minute 30 an:

          Es gibt dieses Foto von Robert Capa, auf dem Picasso am Strand hinter Ihnen geht und einen Sonnenschirm über sie hält und Sie so strahlend und glücklich aussehen. Erinnern Sie sich an diesen Tag?

          Natürlich. Robert Capa war ein Freund von mir. Ich habe ihn zur Zeit der Befreiung von Paris kennengelernt. Pablo Picasso kannte ihn auch, etwa gleich lange. Das Foto ist 1948 in Südfrankreich entstanden, wo wir damals lebten. Capa hat uns zweimal dort besucht. Meistens arbeiteten wir damals bis spät in die Nacht, weil wir erst nach dem Mittagessen anfingen - die Vormittage verbrachten wir am Strand von Golfe-Juan. Das Foto ist einfach aus dem Moment heraus entstanden. Wir hatten nichts abgesprochen, wir hatten einfach Spaß.

          Dieser Artikel ist aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung
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          Der deutsche Journalist Malte Herwig hat mit Ihnen zusammen ein Buch über Sie gemacht: „Die Frau, die Nein sagt“. So nannte Picasso Sie angeblich mal.

          Manchmal habe ich Nein gesagt. Manchmal habe ich Ja gesagt. Das ist jetzt aber noch nicht so ein bemerkenswertes Vokabular.

          Sie waren aber die einzige Frau, die ihn je verlassen hat. Nach zehn Jahren an seiner Seite haben Sie Ihre zwei gemeinsamen Kinder genommen und sind gegangen. Das immerhin war ein relativ kräftiges Nein.

          Ich habe ihn verlassen, als ich fand, dass die Liebe und Kommunikation, die wir miteinander hatten, nicht mehr vorhanden war.

          Sie haben selbst ein Buch über Ihre Zeit mit Picasso geschrieben, „Leben mit Picasso“, (1964) - und schilderten ihn darin als ziemlich herrischen, egoistischen Despoten.

          Wir hatten eine sehr schöne, glückliche Zeit miteinander. Und als das nicht mehr der Fall war, sah ich keinen Grund mehr zu bleiben. Ich fand, wo eine solche Leidenschaft gewesen war, wäre es traurig, wenn es zwischen uns normal und alltäglich werden würde. Das wollte ich nicht. Außerdem gab es ja nicht nur ihn, sondern auch seine Arbeit. Ich konnte weiterhin eine Beziehung zu seiner Arbeit haben, aber ich wollte nicht mehr mit dem Menschen zu tun haben. Ich ging - nicht als Feind, sondern als jemand, der frei war, sich für sich selbst weiterzuentwickeln. Picasso gab mir weniger intellektuelle Unabhängigkeit als ich brauchte. Ich musste fort von ihm.

          Haben Sie ihn später vermisst?

          Schauen Sie, ich bin nicht blöd. Als ich gegangen bin, wusste ich, dass ich ihn nicht vermissen würde. Es war vorbei. So bin ich. Wenn ich jemanden liebe, liebe ich ihn - wenn es vorbei ist - pfff. Ich halte Gefühle nicht weiter am Leben. Nein.

          Es wirkt, als hätten Sie auch als ganz junge Frau schon eine starke innere Unabhängigkeit gehabt.

          Zum Glück. Entweder man ist ein freier Mensch oder als Sklave geboren. Ich habe studiert, ich war nicht nur intelligent, sondern auch gebildet, also hatte ich meine eigene Art zu denken. Ich musste nie jemand anderem folgen.

          Ihr Vater hat Sie erzogen wie einen Jungen.

          Ja. Während des ersten Weltkriegs waren in den Familien meiner Eltern viele Männer gestorben. Man zog mich auf wie einen Jungen, als sollte ich all die Toten ersetzen. Ich glaube noch nicht einmal, dass meine Eltern das bewusst gemacht haben, aber es war so.

          Sie sollten zum Beispiel von hohen Bäumen springen.

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