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Veröffentlicht: 18.02.2013, 16:28 Uhr

Medici in Mannheim Die schmerzhafte Seite der Buchführung

Geldverleih gegen Zins ist nicht das Gleiche wie Wucher: Mannheim zeigt das Florentiner Bankiers- und Fürstengeschlecht der Medici als hinfällige, von chronischen Krankheiten geplagte Menschen.

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Der Mann hatte praktisch alles, was chronische Schmerzen verursacht. Seine Wirbelsäule war verkrümmt, der Unterkiefer verwachsen, die Haut juckte permanent, die Arthrose in den Gelenken wurde immer schlimmer, Lähmungserscheinungen kamen hinzu. Dass Carlo de Medici, geboren 1596 als Sohn des toskanischen Großherzogs Ferdinando I., dennoch siebzig Jahre alt wurde, ist eben so erstaunlich wie dass er als Kardinal und Machtpolitiker seine Rolle recht effektiv gespielt hat: Er repräsentierte die Familie und sein Amt bei Banketten, bei der Jagd und als Mäzen, er gab sich munter und sorgte, wenn es darauf ankam, diplomatisch für Entscheidungen im Sinne der Medici, was zu seiner Zeit meist auch hieß: im Sinne von Florenz.

Tilman Spreckelsen Folgen:

In den Mannheimer Reiss-Engelhorn Museen ist soeben eine Ausstellung eröffnet worden, die den Medici gewidmet ist. Aber wie stellt man eine Familie aus, wie zieht man den Roten Faden von Giovanni die Bicci (1360 bis 1429), der den Reichtum der Medici in Florenz begründete, auf direkte politische Machtausübung aber verzichtete, bis zu der pfälzischen Kurfürstin Anna Maria Luisa (1667 bis 1743), die mit einer weisen Entscheidung über den Nachlass ihres 1737 gestorbenen Bruders Gian Gastone dafür sorgte, dass der Besitz ihrer Familie an die Stadt Florenz kam?

Totenschädel mit schartigem Kiefer

Die Mannheimer Ausstellung verdankt ihr Gesicht nicht zuletzt einem Forschungsprojekt, das im Zuge der notwendigen Restaurierung der mediceischen Grablege durchgeführt wurde. Die Särge von achtundzwanzig Mitgliedern der Familie wurden geöffnet, Knochen und andere Überreste untersucht und zum Teil identifiziert. Dies geschah nicht zum ersten Mal, was die Sache erschwerte, da frühere Forscher die Knochen, bevor sie wieder begraben wurden, fein säuberlich von dem zugehörigen organischen Material befreit hatten, das darum nun nicht mehr für Untersuchungen zur Verfügung steht. Immerhin dienen die damals genommenen Gipsabdrücke der Schädel nun in der Mannheimer Ausstellung dazu, die Physis der einzelnen Familienmitglieder zu veranschaulichen - als Kontrast zu den jeweils daneben ausgestellten großformatigen Porträts.

Die Fassade der Macht, der Totenschädel mit dem schartigen Kiefer als Memento Mori: Die Ausstellung belässt es nicht dabei, sondern widmet sich hingebungsvoll der jeweiligen Krankengeschichte. Dazu erscheint in einer Videoinstallation noch einmal das Porträt, dann zoomt die Kamera auf die betroffenen Körperteile, und ein darunter eingeblendetes Röntgenbild macht Verwachsungen und Verkrüppelungen anschaulich - oder, wie im Fall des Guilano de Medici, der 1478 im Dom von Florenz ermordet wurde, die Hiebe, die auf ihn einprasselten.

Der Untersuchung seiner lädierten Knochen widmet der Begleitband zur Ausstellung dann auch zwölf reichbebilderte Seiten, um schließlich festzustellen, „dass das Skelett dreizehn Verletzungen aufweist, die von einer Hiebwaffe verursacht wurden“, bei der es sich „um ein breites Kurzschwert oder einen Dolch mit 35 Millimeter breiter Klinge handelte“. Zur Verdeutlichung hängt ein solcher Landsknechtsdolch in der Nähe von Guilanos Porträt, so wie andernorts eine andere Tatwaffe, eine Stangenbüchse aus dem sechzehnten Jahrhundert ausgestellt ist.

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