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Marikus Lüpertz Bei einem Akademierektor ist diese Schrulle nicht tragbar

28.08.2008 ·  Markus Lüpertz, seit zwanzig Jahren Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie, sagt gerne Sätze wie: „In der Malerei gibt es keine Zeit. Man ist auch als Hundertjähriger jung, wenn man vital bleibt.“ Jetzt wurde ihm ebendiese Vitalität abgesprochen - von drei der vitalsten Künstlern der Gegenwart.

Von Julia Voss
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Markus Lüpertz, Maler, Bildhauer, siebenundsechzig Jahre alt und seit zwanzig Jahren Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie, sagt in Interviews gerne Sätze wie: „In der Malerei gibt es keine Zeit. Man ist auch als Hundertjähriger jung, wenn man vital bleibt.“ Ebendiese Vitalität wurde Lüpertz, dessen Stelle im nächsten Jahr frei wird, nun aber ganz entschieden in der Kunstzeitschrift „Monopol“ abgesprochen, in der sich drei Fotografen aus Düsseldorf zu Wort gemeldet haben.

Alle drei zählen tatsächlich zu den vitalsten Künstlern der Gegenwart, was sich auch daran zeigt, dass sie es nicht nur über sich selbst sagen. Die Becher-Schule, dieser einmalige fotografische Blick, den Hilla Becher zusammen mit ihrem im vergangenen Jahr gestorbenen Mann Bernd Becher eichte, brachte eine ganze Generation junger Künstler hervor - darunter auch Thomas Ruff und Andreas Gursky.

Solche Sätze sind kein gutes Zeichen

An der Kunstakademie mag man das aber nicht: Die Professuren sind dort von acht Bildhauern, sechs Malern und vier Architekten besetzt, nur eine einzige von einem Fotografen, dem Amerikaner Christopher Williams. Als würde die lästige Fotografie einfach wieder verschwinden, wenn man in Düsseldorf fest die Augen zukneift. Ruff bezeichnet die Haltung von Lüpertz als „ignorant“, Gursky nennt die Situation an der Akademie „ein Trauerspiel“, Hilla Becher gibt zu Protokoll, dass Lüpertz zu glauben scheine, „Fotografie sei ein einziger Brei“.

Zu Gegenwartskunst sagt Lüpertz im Übrigen lieber Sätze wie: „Nehmen wir Baselitz. Ich habe ihm mal gesagt: Georg, du bist der größte lebende Maler, den ich kenne. Aber das Genie bin ich.“ Die Frage, ob der Künstler nach Gott das höchste Wesen sei, hat er auch schon bejaht: „Dort, wo es so ganz hell wird, wo das Strahlen beginnt, da sind die Künstler.“ Wer die Kunstgeschichte kennt, wird wissen, dass solche Sätze kein gutes Zeichen sind. Mit Friedrich Nietzsche mag man als menschlich verzeihen, dass Lüpertz „von allen Seiten die Augen des Weltalls teleskopisch auf sein Handeln und Denken gerichtet zu sehen“ meint. Bei einem Akademierektor ist diese Schrulle aber nicht tragbar. Lüpertz geht im nächsten Sommer in Pension, als Nachfolger wird Siegfried Gohr genannt, der ehemalige Direktor des Museums Ludwig. Allerdings kursieren auch die Namen weiterer Kandidaten, die nicht der Deutschland AG angehören. Sie könnten in Düsseldorf womöglich das Ende der achtziger Jahre einläuten.

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Jahrgang 1974, Redakteurin im Feuilleton.

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