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Limburger Bischofssitz : Der Bau, von dem alle sprechen

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Ein Gang durch den neuen Limburger Bischofssitz zeigt eine spektakuläre Architektur. Die aufwendig gestaltete Synthese aus Alt und Neu muss jetzt die Hybris ihres selbstherrlichen Bauherrn büßen.

          Von manchen Fenstern im neuen Limburger Bischofssitz kann man sich kaum lösen, so herrlich ist die Aussicht. Wie in den schönsten Hintergrundlandschaften Leonardos ragt vorn eine ehrwürdige alte Mauer, staffeln sich direkt hinter ihr steile Schieferdächer nach unten und stürzt gleich darauf der Blick in eine sanft gewellte Kulturlandschaft, deren weiten Himmel eine bläuliche Bergkette säumt; Nähe und Unendlichkeit auf der Nadelspitze.

          Der Blick wiederum, der sich Franz-Peter Tebartz-van Elst bietet, wenn er an seinem Schreibtisch sitzt, könnte sinnvoller für einen Limburger Bischof kaum sein: Direkt vor seinen Fenstern in der sogenannten „Alten Vikarie“ türmt sich die Westfront des Doms auf. Das ist erst seit einigen Monaten so. Denn anders als bei Bischofssitzen üblich, befanden sich die Dienst- und Wohnräume des Limburger Bischofs am Stadtrand. Erst unter dem Vorgänger wurde ein Neubau direkt am Dom beschlossen.

          „Diözesanes Zentrum Sankt Nikolaus“ lautet seit kurzem sein Titel. Momentan aber nennt alle Welt ihn Palais oder Residenz, Protz- oder Prunkbau - Folge der schockierenden Baukostenexplosion von vier auf sage und schreibe mindestens 31 Millionen Euro. Beispiellos ist das nicht - vom Berliner Flughafen über Stuttgart 21 und Hamburgs Elbphilharmonie bis hin zu so manchem Mehrzweckbau kleiner Kommunen sind solche astronomische Kostenvermehrungen längst die Regel. Was Empörung auslöst, ist die Tatsache, dass der Bischof die Gelder des „bischöflichen Stuhls“ an Gremien vorbei verschwendete, die Summen verschleierte und große Teile davon zur luxuriösen Ausstattung seiner Privaträume verwandte. All das zu einer Zeit, da die katholische Kirche durch die Bescheidenheit und das soziale Engagement des neuen Papstes Franziskus Ansehen gewinnt.

          Der Zorn trifft nun auch die Architektur. Zu Unrecht, denn das Ensemble des Architekten Michael Frielinghaus ist von hoher Qualität. Sie zeigt sich schon in Details wie dem eben geschilderten Fensterblick. Nicht zufällig, sondern sorgfältig geplant, fasst der Blick nach draußen immer wieder die Einzigartigkeit des Standorts zusammen, macht aufmerksam auf den hinreißenden Kontrast zwischen dem himmelstürmenden Dom, dem Stadtfelsen, auf dem er ragt, und dem umgebenden grandiosen Panorama.

          Fast zwangsläufig wurde damit, so erzählt der Architekt beim Rundgang, das im Matthäus-Evangelium überlieferte Wort Jesu „Du bist Petrus der Fels und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen“ für ihn Leitbild des Entwurfs. Erst recht, als bei Ausgrabungen, die dem Neubau vorangingen, ein mittelalterlicher Turm aus der Erbauungszeit des ersten Doms zum Vorschein kam, der sich in den Stadtfelsen verkrallt. Ihn hat Frielinghaus konserviert und zum sprechenden Symbol gestaltet: Von Lichtschächten eindrucksvoll erhellt, bildet der Turmstumpf im Untergeschoss das Zentrum eines Saals mit gläserner Längswand. In seiner Mitte scheint der rohe Fels den sorgfältig geglätteten Boden zu durchbrechen, gleich darauf quasi besänftigt vom Mauerwerk des Turms. Etwa drei Meter hoch ragt der Turmstumpf auf, bietet Raum für konzentrierte Gespräche - und wirkt wie ein feierliches altbiblisches Mal. Doch auch ohne biblische Assoziationen ist dieses Artefakt ein tröstliches Zeichen geschichtlicher Kontinuität und generationenübergreifender Geborgenheit.

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