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Landesausstellung Bayern-Österreich : Mein liebster Feind und Bruder

Viele Hochzeiten, noch viel mehr Todesfälle: Eine gemeinsame Landesausstellung widmet sich an drei Orten dem wechselvollen Verhältnis der Nachbarländer Bayern und Österreich.

          Früher reichte Bayern bis kurz vor Wien, und später war es dann beinahe anders herum. Österreich war ein Imperium, Bayern maximal ein Königreich. Dennoch war das Einigende stets Näher als das Trennende, aber die Geschichte hat den beiden Ländern viele Trennungen verordnet. In der jüngeren Vergangenheit hat Österreich sich von einer Weltmacht zu einem kleinen Land in Kerneuropa herunterschrumpfen müssen, und Bayern ist ein Teil jenes Deutschland geworden, das von Preußen aus regiert wird. In ihrer Ablehnung des Norddeutschen einig, sind die Brudervölker wieder näher zusammengerückt. Den kleinen Grenzverkehr gab es ohnehin immer.

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Nun ist diese zwölfhundertjährige Geschichte in einer gemeinsamen Anstrengung an drei Orten aufgearbeitet worden - unter weitgehendem Verzicht auf das neunzehnte und zwanzigste Jahrhundert. Die erste Station liegt in Bayern, ausgerichtet wird sie vom Haus der Bayerischen Geschichte in Augsburg: Auf der spektakulären Burg zu Burghausen, die mit mehr als tausend Metern nun auch offiziell als „längste Burg der Welt“ beworben wird. Die beiden anderen Ausstellungsorte liegen unweit in Öberösterreich: Das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift Ranshofen nahe der Barockstadt Braunau am Inn, sowie das Schloss Mattighofen. Man ist im Innviertel, aber diese Bezeichnung gibt es erst seit 1779, als im Frieden von Teschen Bayern das Gebiet an Österreich verlor.

          Die Sprachgeschichte der „-ing“-Orte

          Der Burghauser Geschichtsbrunnen reicht tief bis ins achte Jahrhundert mit dem Agilolfinger Tassilo. Aus dem Benediktinerstift Kremsmünster kommt mit dem Tassilokelch ein wertvolles sakrales Gerät, das der Herzog 780 stiftete. Dass das Gefäß eineinhalb Liter fasst, mag man auch als Hinweis auf die Trinkgewohnheiten der Untertanen nehmen. Tassilo wird als Urvater der Bayern gezeigt, der am Beginn der Osterweiterung steht. Die Missionierung des Donauraums flussabwärts lässt sich tatsächlich durch Kreuzfunde in Gräbern schon zu dieser Zeit belegen. Zu sehen ist auch die Namens-Geburtsurkunde Österreichs: Die „ostarrichi“ werden erstmals 996 erwähnt, als Kaiser Otto III. die Gegend um Neuhofen an der Ybbs dem bayerischen Bistum Freising zusprach. Die Handelswege verliefen aber auch von Süd nach Nord, von Venedig herauf über die Goldenen Steige nach Böhmen heinein, das Getreide und Gänsefedern exportierte. Die Donau diente nicht nur zum Transport von Glauben und Waren, auf ihr wurden auch die zumeist slawischen Sklaven verschifft.

          Wie handfest die Adelsgeschlechter der Babenberger, Ebersberger und Sighardinger das Land regierten, wird deutlich, wenn man das Ableben des Markgrafen Ernst studiert, der am 9. Juni 1075 durch wuchtige Axt- und Schwerthiebe vom Leben zum Tod befördert wurde. Die Wunden sind auf Röntgenbildern des Schädels schrecklich klar zu erkennen. So erfährt man einiges über den Ausbildungsgang des Ritterstands, Baumeistertricks beim Burgenbau, den Streckenverlauf des Nibelungenlieds und das heimatliche Erfolgsbuch aus dem dreizehnten Jahrhundert, den „Meier Helmbrecht“. Das Epos von Wernher dem Gärtner wird hier alle zehn Jahre auf der Hauptburg gespielt. Die Sprachgeschichte der „-ing“-Orte und die subtilen Dialektvarianten verdeutlichen Unterschiede, die im größeren Zusammenhang aufgehoben werden durch die Entstehung einer außergewöhnlich reichen Sakrallandschaft. Schon um 1200 ist die Landkarte gesprenkelt mit Klöstern.

          Auf der politischen Bühne stehen sich Habsburger und Wittelsbacher gegenüber. Die beiden Geschlechter erheben das, was sich im Land ereignet, gleichsam auf die Ebene der Weltpolitik. Gelegentlich mit Tarnen und Täuschen. So wurde zweihundert Jahre nach seinem Entstehen das Privilegium minus - quasi die Geburtsurkunde des Herzogtums Österreich - vernichtet, weil Rudolf IV. von Habsburg die Goldbulle 1358/59 für eine Fälschung nutzte: Mit dem Privilegium maius verlieh er sich den bis dahin unbekannten Titel Erzherzog, weil man ihm die Kurfürstenwürde verweigert hatte.

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