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Lagerfeld-Ausstellung in Essen : Der Robocop des Mode-Pop

  • -Aktualisiert am

Seit über 50 Jahren schafft er Mode, Fotografien und Designobjekte. Das Museum Folkwang in Essen feiert Karl Lagerfeld mit der Ausstellung „Parallele Gegensätze“ - und lässt andere die Musik bestellen.

          Eine Schlange Anstehender mag sich an diesem Essener Wintertag nicht einstellen. Aber sie wird antizipiert mit einem Fries fotografischer Porträts. Es zieht sich an der Wand hinter dem schwarzen Absperrungsband entlang. Darauf immer wieder das gleiche Motiv: Karl Lagerfeld. Die Porträts sind ausschließlich aus den letzten Jahren, also nachdem sich der Couturier auf zierliches Gardemaß heruntergehungert hatte.

          In diesem disziplinären Arrangement (das sich auch als Schönreden der Magersucht extrem dünner Models äußerte) hat er sich seither eingefroren mit verhüllender Einschnürung des Körpers: Hände in Leder und Hals im hohen Kragen, der Kopf wie eingeploppt in einen Flaschenhals. Nur das Gesicht abzüglich Sonnenbrille bleibt unverhüllt in der ikonischen Marken-Rüstung: Robocop des Modepop. Lagerfeld ist Tableau vivant seiner selbst: Die eingenommene Rolle heißt „universalgelehrter Pop-Kunst-Dandy“, dabei nicht doof, pas du tout. Aber doch mit dem Beigeschmack der Musical-Zweitverwertung wie bei Udo Lindenberg. Altes Schlachtross im Schaugeschäft.

          Öffentliche Hand, privatwirtschaftliche Handschuhe

          Dass es bei dem Namen Lagerfeld - und den diversen mit ihm assoziierten Modemarken - nicht nur ums Präsentieren von Textilien und Fotos geht, war klar. Dass aber der seit 2013 amtierende Museumsdirektor Tobia Bezzola zur Eröffnung der Ausstellung verlauten ließ, man sei am Folkwang seit Anbeginn der Textilkunst verpflichtet, ist kokett. Aus mindestens zwei Gründen. Erstens geht es hier nur am Rande um eine Kunstgeschichtsschreibung der Mode, denn bei Lagerfeld zählt allenfalls noch die gerade zurückliegende Saison. In Essen sind ausschließlich einige Abendkleider der Haute Couture Herbst/Winter 2013/2014 zu sehen- nostalgisch zwanzigerjahrehaft, klar in der Linie, dafür mit betont kostbar verspielten Stoffkombinationen. Dazu gibt es die entsprechenden wie gekonnten Entwurfszeichnungen des Designers.

          Zweitens aber geht es hier um das Museum als Großraum-Boutique. Öffentliche Hand, privatwirtschaftliche Handschuhe. Und die sind zuweilen zu eng und zwicken die Zirkulation. Den Hintergrund bildet der allgemeine museale Wettbewerb um quantifizierbare Blockbuster-Signale, den Vordergrund eine Krisenphase des Folkwang: Das neu gebaute Haus mit neuem Chef ist chronisch unterfinanziert - und musste gerade erst eine für April geplante Schau mit pädophilieverdächtigen Polaroidbildern des späten Balthus absagen.

          Zeitgenössische Kunst in Laufsteg-Atmosphäre

          Immerhin geht es hier nicht um die Präsentation von Harley-Davidson-Maschinen wie 1998 im Guggenheim New York, also um Markenpflege als Midlife-Crisis-Selbstverwirklichung. Für so etwas ist Lagerfeld zu kurzweilig, manisch interessiert am Zeitgeist, zugleich an den Manierismen früherer Epochen. Dass das Museum offenbar weitgehend das Kuratieren an Lagerfelds Verleger Gerhard Steidl und Chanel-Kreativdirektor Eric Pfrunder abgegeben hat, ist dadurch nicht gerechtfertigt. Aber wenn man es für die Dauer des Ausstellungsbesuchs schafft, die weltweit von New York bis Hongkong unter nervigem Jubelgeläut stattfindende Vermählung von Kunstmuseen und Markenkonzernen auszublenden, kann man auch wieder Spaß haben am unverfrorenen Pomp.

          Zumal das Jubelgeläut durchgängig übertönt wird von Lautsprechern, aus denen zeitgenössische Hipster-Musik dringt. Hier soll erst gar nicht der Anflug des Gedankens aufkommen, es handele sich um ein stilles Exponaten-Kabinett; doch ist diese Laufsteg-Penetranz in ihrer Geste der zeitgenössischen Kunst näher, als es dezent-weihevolle Musealität wäre. Und auch das muss man erst einmal schaffen: eine Ausstellung mit der Nachbildung des eigenen Arbeitsplatzes zu beginnen - der hölzerne Tisch mit den Pastellstiften, dahinter die Regalwand voller gestapelter Bücher, vom Baseball-Bildband (tolle Schienbeinschützer!) bis zum Ettore-Sottsass-Katalog. Zur Eröffnung ließ sich Lagerfeld sogar in dieser Nachbildung ablichten, als wäre es eine „Attitüde“ der Lady Hamilton, nur eben nicht als Pose einer mythischen Figur der Antike, sondern seiner selbst.

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