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Kunststreit Damien Hirst kauft seine Bilder zurück

28.11.2003 ·  Damien Hirst, das enfant terrible der jungen britischen Künstler, und der Sammler Charles Saatchi haben sich verkracht: Hirst kauft nun zwölf seiner eigenen Bilder zurück, die zur Sammlung der Saatchi Gallery zählen.

Von Gina Thomas, London
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Bei dem glitzernden Fest zur Eröffnung der neuen Saatchi Gallery im alten Sitz der Londoner Stadtverwaltung an der Themse fielen zwei Prominente durch ihre Abwesenheit auf. Der eine war der Sammler Charles Saatchi, der bekanntermaßen nicht gerne unter Leute geht, weil, wie er einmal kokett bemerkte, sie dann merken würden, wie gewöhnlich er sei. Saatchi ließ sich durch seine Lebensgefährtin, die bildschöne Kochbuchautorin Nigella Lawson, vertreten, die er inzwischen zu seiner dritten Ehefrau gemacht hat.

Der andere, der auf einen Auftritt verzichtete, war Damien Hirst, das enfant terrible der jungen britischen Künstler, deren Werke Saatchi en gros gekauft hat. Dabei wurde Hirst zur Eröffnung mit einer Retrospektive geehrt, bestückt mit einer Auswahl der mehr als vierzig Werke in Saatchis Besitz, angefangen mit dem von Fliegen und Maden wimmelnden Haupt einer toten Kuh und dem in Formaldehyd eingelegten Haifisch bis hin zu "Hymn", der riesig aufgeblasenen Bronze-Kopie eines anatomischen Spielzeugs, das eine Million Pfund gekostet haben soll. Aber Hirst ließ sich nicht beeindrucken. Noch vor dem großen Abend hatte er das Projekt seines Mäzens als "sinnlos" und als "Zeitverschwendung" bezeichnet.

Hirst kauft eigene Werke zurück

Wie viele Künstler soll er den Umzug aus der alten Fabrik in St. John's Wood in die holzgetäfelten Büroräume des Barockpalastes aus der Zeit König Eduards VII. bedauert und bemängelt haben, daß seine Kunst dort nicht hinreichend zur Geltung komme. Es hieß, Hirst und Saatchi hätten sich verkracht. Die Nachricht, daß Hirst durch seinen Händler Jay Jopling jetzt zwölf seiner eigenen Werke aus der Saatchi-Sammlung zurückgekauft hat, wird als Bestätigung für das Zerwürfnis gesehen.

Mit zahlreichen alten und aus dem Zusammenhang gezerrten Zitaten wird dieser Schritt in der britischen Presse nun als Folge einer ernsten Auseinandersetzung dargestellt. Da soll der eine dem anderen vorgeworfen haben, ein "unsicherer und ängstlicher Mann zu sein" (Saatchi über Hirst), der andere von einem Machtmenschen gesprochen haben, der Kunst nur mit seiner Brieftasche erkenne (Hirst über Saatchi).

„Er ist kindisch, ich liebe ihn.“

Diese Brocken stammen aus einem Zeitungsgespräch vor drei Jahren, in dem sich Hirst auf charakteristisch ungezügelte Weise zu Saatchi geäußert hat. Da war von der Kaufsucht des Sammlers die Rede, von seinem Hochmut und von seinem Versuch, den Markt zu kontrollieren. Im selben Atemzug sprach Hirst von Saatchis Großzügigkeit und nannte ihn einen mörderischen Geschäftsmann. "Er ist kindisch", fuhr Hirst fort, "ich liebe ihn."

Das mag heute anders sein. Mehr als der Streit, ob Saatchi Hirst erfunden habe oder umgekehrt, dürfte der Rückkauf jedoch von jenem harten Geschäftssinn motiviert gewesen sein, den Hirst Saatchi nachsagt. Dabei ist der Künstler, wie nicht nur dieser Schritt zeigt, selber kein schlechter Unternehmer. Vor kurzem erzielte eine Installation von Hirst in New York 1,6 Millionen Dollar. Wenn Saatchi aus irgendeiner Laune beschließen sollte, sich von seinen Hirsts zu trennen, wie er das bei anderen Künstlern schon öfter getan hat, würde der Marktwert unweigerlich sinken. Dagegen will sich Hirst offenbar schützen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2003, Nr. 277 / Seite 40
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Jahrgang 1957, Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

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