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Kunstfälscher tot aufgefunden : Die Kunst des Studienrats

  • -Aktualisiert am

Der Berliner Kunstlehrer Detlef G. fälschte rund hundert Werke der französischen Künstlerin Lou Albert-Lasard. Jetzt wurde er tot in einem brandenburgischen Wald aufgefunden.

          Die Hinweise kamen aus dem Kunsthandel – ein wenig zu spät allerdings: Zwei Aquarelle von Lou Albert-Lasard hatte das Berliner Auktionshaus Villa Grisebach in seinen Juni-Auktionen angeboten, mit Schätzpreisen von zwei- bis dreitausend Euro. Käufer fanden sie für jeweils rund 25.000 Euro, eine kleine Sensation für das eher schmale Œuvre, das die 1885 in Lothringen geborene Künstlerin bei ihrem Tod hinterließ. Trotzdem tauchten in den vergangenen Jahren immer wieder bei Auktionen in Deutschland, Frankreich und der Schweiz Werke von ihr auf: bunte Aquarelle mit Berliner Stadt- und Straßenszenen aus den zwanziger Jahren, aber auch farbig überzeichnete Lithographien. Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs hatte die jüdische Bankierstochter in München Bildende Kunst studiert, dort im selben Jahr eine Affäre mit Rainer Maria Rilke begonnen. Später zählten zu ihrem Bekanntenkreis Stefan Zweig, Paul Klee und Oskar Kokoschka und nach dem Umzug 1928 nach Paris auch Henri Matisse und Alberto Giacometti. Aus dem berüchtigten Internierungslager Gurs wurde sie mit ihrer Tochter 1940 nach wenigen Monaten entlassen – dort entstanden Zeichnungen und Aquarelle, die ihre Mitgefangenen zeigen. Nach Reisen in die ganze Welt starb Lou Albert-Lasard 1969 in Paris.

          Als nach den Berliner Rekorden Villa Grisebach weitere ähnliche Werke angeboten wurden, wurde das Auktionshaus stutzig und wandte sich an Ursula Prinz, ehemalige Kustodin in der Berlinischen Galerie. Die promovierte Kunsthistorikerin hatte dort 1983 die erste Albert-Lasard-Retrospektive in Deutschland gezeigt. „Dafür habe ich seinerzeit eng mit Ingo de Croux-Albert, der Tochter der Künstlerin, zusammengearbeitet“, erinnert sie sich. „Aber solche Bilder, wie sie nun bei Villa Grisebach eingeliefert wurden, habe ich im Nachlass niemals gesehen.“ Trotzdem trugen auch diese beiden Blätter den Nachlassstempel. Villa Grisebach informierte nach der Warnung der Expertin das Kunstdezernat im Berliner Landeskriminalamt und – wie in der Branche üblich – auch andere Auktionshäuser.

          Wer waren seine Helfer?

          Nach einer Durchsuchung der Wohnung des pensionierten Studienrates Detlef G. in Berlin fand die Polizei dort neben weiteren Beweismitteln auch den Stempel, der die Signatur von Lou Albert-Lasard nachahmt. Auf den ehemaligen Kunstlehrer war man durch Recherchen bei Auktionshäusern und Galerien aufmerksam geworden. Neben seiner eigentlichen Tätigkeit hatte der Pädagoge schon seit langem immer wieder auch mit Kunst gehandelt und dafür den Kontakt zu Künstlerwitwen und -kindern gesucht. Auch Ingo de Croux-Albert half er zunächst beim Verkauf von Werken aus dem Nachlass ihrer zunächst kaum bekannten Mutter. Irgendwann aber verschlechterte sich das Verhältnis. Zwei Tage nach der Durchsuchung gestand der Mann, er habe seit etwa 2003 wohl rund 100 Gouachen und kolorierte Grafiken gefälscht und in Umlauf gebracht. Am vergangenen Wochenende wurde er tot in seinem Auto in einem Wald in Brandenburg gefunden.

          Beendet ist der Fall damit noch nicht, auch wenn Villa Grisebach den Kauf der beiden Aquarelle aus der Juni-Auktion inzwischen rückabgewickelt und auch das Münchner Auktionshaus Ketterer drei weitere Blätter dem LKA München übergeben hat, die im Dezember hätten versteigert werden sollen. Einlieferer waren jeweils andere Personen. Detlef G. muss also Helfer gehabt haben – die vielleicht auch im Juni in Berlin gegenseitig die Preise für Lou Albert-Lasard in bis dahin ungeahnte Höhen getrieben haben, um den Markt für diese Künstlerin interessanter zu machen.

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