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Kunstbiennale Venedig 2011 : Die Rückeroberung der Welt

Die Biennale in Venedig kündigt einen Bruch an: In ihrem Zentrum stehen drei Altmeistergemälde - und keine Kunst der Gegenwart. Kann die Schau ihr Versprechen halten?

          Wer den Zentralpavillon der Biennale betritt, staunt zunächst: Im ersten Raum empfängt den Besucher keine Gegenwartskunst, stattdessen wird er fünfhundert Jahre in die Geschichte zurückkatapultiert - ins Venedig der frühen Neuzeit. Würdevoll, großformatig und frisch restauriert hängen hier drei Gemälde des venezianischen Meisters Tintoretto, eine Geste, die im Kontext der Biennale, die ja 1895 als internationale Schau für Gegenwartskunst gegründet wurde, eine deutliche Ansage ist - oder vielmehr eine Absage: an die Hysterie ums Zeitgenössische.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Ein Boden soll wieder eingezogen werden, in eine Szene, die sich im Bodenlosen zu verlieren droht; um herauszufinden, was Kunst heute sein könnte, wird hier zurückgeblendet zur Frage, was Kunst einmal war.

          In Venedig stoßen in diesem Jahr zwei verschiedene Kunstwelten so deutlich zusammen wie selten zuvor. Draußen vor den Giardini parken die Luxusyachten der Sammler wie eine Machtdemonstration des Kunstmarkts. Am Quai blieben die Leute vor dem größten Boot, der 115 Meter langen, haushohen Yacht „Luna“ stehen und fragten den Sicherheitsdienst, wem das Schiff gehört. Antwort: dem russischen Milliardär Roman Abramowitsch, dessen Partnerin Daria Schukowa, Tochter des Oligarchen und Waffenhändlers Alexander Schukow, in Venedig ihr Filmkunstprojekt „Commercial break“ vorstellt. Der öffentliche Gehweg vor dem Boot ist aus Sicherheitsgründen weiträumig gesperrt.

          Die Yachten sind eine Machtdemonstration des Markts

          Zeitgleich zur Biennale eröffnen Privatsammler in gemieteten oder gekauften Palästen ihre eigenen Ausstellungen: Der ukrainische Milliardär Victor Pinchuk im Palazzo Papadopoli, der französische Luxusunternehmer und Gucci-Besitzer François Pinault in seinen beiden Ausstellungshäusern, dem Palazzo Grassi und der Punta della Dogana. Die Kunst, die Pinault dort zeigt, ist dabei ein Selbstporträt des Unternehmers, zusammengesetzt aus glitzernden, blinkenden, dick aufgetragenen Werken.

          Die Biennale-Direktorin Bice Curiger setzt mit Tintoretto also auf eine Kunst, die die größtmögliche Distanz zur internationalen Accessoire-Kunst draußen markiert. Aber was folgt daraus?

          Was im Hauptraum des Zentralpavillons gezeigt wird, ist traditionell eine thematische Eröffnung, ein thetisches Werk, das den Ton setzt. Daniel Birnbaum, in dessen Biennale vor zwei Jahren politische und formale Raumutopien eine große Rolle spielten, stellte im Hauptraum ein Fadenlabyrinth von Tomás Saraceno aus, das sich auf die Idealweltentwürfe von Buckminster Fuller bezog. Francesco Bonami, der die Biennale 2003 kuratierte, plazierte als Fanal am Eingang der Biennale Christoph Schlingensiefs Pfahlsitzer, die Texte deklamierten und die Kunstausstellung in eine Freilichtbühne verwandelten, die sich weiter hinten im Garten mit der „Utopia Station“ und der „Church of Fear“ fortsetzte. Auch die Pfahlsitzer kündigten ein durchlaufendes Thema an, die „Relational Art“ - eine Kunst, die keine Objekte, sondern Bühnen schafft, auf denen dem Besucher die Rolle eines Mitspielers zukommt.

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