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Kunst : Reinhold Würth kauft die Bilder der Fürstenbergs

In glücklichster Weise ist jetzt das Schicksal der Bildersammlung der Fürsten zu Fürstenberg besiegelt: Der im schwäbischen Künzelsau ansässige Industrielle Reinhold Würth hat der Adelsfamilie den Löwenanteil ihrer Kollektion abgekauft.

          In glücklichster Weise ist jetzt das Schicksal der Bildersammlung der Fürsten zu Fürstenberg besiegelt: Der im schwäbischen Künzelsau ansässige Industrielle Reinhold Würth hat der Adelsfamilie den Löwenanteil ihrer Kollektion abgekauft.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Das heißt, Würth erwarb diejenigen Tafeln, die nicht seit Mai 2002 in der Stuttgarter Staatsgalerie als Leihgaben ausgestellt sind - mit einer Ausnahme: Ihm gehört nun auch Lucas Cranachs phänomenale "Familie des Naturmenschen". Das 27 mal achtzehn Zentimeter kleine Buchentäfelchen ist auf der Liste des national wertvollen Kulturguts verzeichnet - was bedeutet, daß es Deutschland nicht verlassen darf - und befindet sich dementsprechend in Stuttgart.

          Keineswegs ist, was Würth nun gekauft hat, neben dem geliehenen Kernbestand im Museum geringer zu schätzen. Denn zu seinem Konvolut gehören zum Beispiel ein Damenbildnis des Hans Süss von Kulmbach und das großartige Porträt eines Herrn von Andreas Haider, außerdem zwei Kopien des siebzehnten Jahrhunderts nach Grünewald, deren eine das verschollene Bild einer Maria Magdalena vor dem gekreuzigten Christus im Gedächtnis festhält. Zuletzt hatte das Land Baden-Württemberg von den Fürstenbergs die zwölf Tafeln der berühmten "Grauen Passion" des Hans Holbein d. Ä. für rund dreizehn Millionen Euro erworben (F.A.Z. vom 19. September). Der allerjüngste badisch-schwäbische Deal nun ist Schlußstein einer ganzen Reihe von Verkäufen aus dem Donaueschinger Adelshaus.

          Enzyklopädischer Ansatz

          Die Fürstenbergsche Sammlung ist eine des neunzehnten Jahrhunderts, sie umfaßt Handschriften und Bücher, Kunstwerke und naturwissenschaftliche Stücke (die noch im Karlsbau hinter dem Donaueschinger Schloß bewahrt sind). Ihr im Grunde enzyklopädischer Ansatz spiegelt den Geist ihrer Entstehungszeit, das wiedergewonnene Interesse für die Produktion des Mittelalters, der Gotik und frühen Neuzeit. In die Sammlungen fanden viele Werke Eingang, die die Säkularisation aus ihrer Verwurzelung gerissen hatte; sie sind genuiner Besitz der Familie, deren Recht es entsprechend ist, sich davon zu trennen.

          Dieser Ausverkauf dauert schon seit gut zwanzig Jahren, wobei ihn - aus der Perspektive öffentlichen Interesses - zunehmend Fortune begleitet. Denn nachdem 1982 zwanzig illuminierte Handschriften in London versteigert und damit verstreut worden waren, konnte 1992 Baden-Württemberg für 48 Millionen Mark die verbliebenen mehr als tausend Handschriften der Fürstenberg-Bibliothek erwerben. Die Option des Landes auf die "Nibelungenlied"-Handschrift C" wurde für knapp zwanzig Millionen Mark im Frühjahr 2001 eingelöst zugunsten der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe (die sie ab 13. Dezember ausstellen wird).

          Dankenswertes Engagement

          Und der bislang letzte Akt war eben die Erwerbung der "Grauen Passion" für Stuttgart. Das Verdienst an dieser Erhaltung für Baden-Württemberg gebürt auch Christoph Graf Douglas, der von den Fürstenbergs mit der Veräußerung ihres Ensembles betraut ist. Douglas sieht seine Vermittlungsaufgabe als Auftrag zur Wahrung von gewachsenem Zusammenhang und Tradition. Für das nun von Würth übernommene, geschlossene Bilder-Konvolut gab es Kauflust im Ausland - umso dankenswerter dessen Engagement.

          Reinhold Würth hat für seinen prächtigen Bilderschatz eine Summe im zweistelligen Euro-Millionenbereich bezahlt. Der Fabrikant, Jahrgang 1935, der aus der Schraubenhandlung seines Vaters in den vergangenen fünfzig Jahren einen Umsatzriesen für Befestigungselemente geschaffen hat, kauft seit den sechziger Jahren Kunst. Seiner umfänglichen Sammlung hat er in Schwäbisch-Hall ein attraktives Haus gebaut. Er, der sich immer wieder wohltätig der Kunst zugewandt hat, ist nun dem Ehrentitel eines wahren Mäzenaten ein ganzes Stück nähergekommen. Seinem Bürgersinn wird es zu danken sein, wenn das Publikum die Fürstenberg-Bilder - gleichsam in der genealogischen Verlängerung ihrer Vorbesitzer - eines schönen Tages wieder geschlossen an einem Ort betrachten darf.

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