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Kunst macht Wahlkampf Demokratie in Rot und Blau

Die amerikanische Politik ist geographisch gespalten, in Nord und Süd, Blau und Rot. Und neuerdings richtet sich sogar die Kunst am Wahlkampf aus.

© Jesse Untracht-Oakner Vergrößern Spinnefeind: In der Installation von Jonathan Horowitz dürfen sich nicht einmal die Teppichkanten berühren

Ein roter Teppich und ein blauer wurden in der Eingangshalle des New Museum in New York ausgerollt. Dazwischen hängen zwei Fernsehmonitore, die zwei unterschiedliche, wenn nicht total gegensätzliche Nachrichtenprogramme ausstrahlen. Wer sich zu Rot hingezogen fühlt, wird wunschgemäß von Fox News bedient, wer auf Blau steht, bekommt MSNBC zu sehen und zu hören.

Weder künstlerisch noch erkenntnistheoretisch hat Jonathan Horowitz mit dieser Installation, die er „Your Land/My Land: Election ’12“ nennt, sehr viel Neues zu bieten. Amerika, es hat sich inzwischen herumgesprochen, zerfällt in zwei Teile, in einen republikanischen oder rechtskonservativen, der aparterweise die Farbe Rot bevorzugt, und einen demokratischen oder linksliberalen, der sich mit Blau zufriedengeben muss.

Dazugestellt hat Horowitz auch noch einen Computer, dessen Monitor ebenfalls farblich und politisch zweigeteilt ist und den Präsidentschaftskandidaten Obama und Romney in Form von Twitter- und Facebook-Kommentaren auf der Spur bleibt, aktuell und penibel ausgewogen. Warum darf dann aber das Porträt Obamas repräsentativ im Raum hängen, während das von Romney darunter am Boden lehnt? Damit, so Horowitz, wird nur das Amt des Präsidenten geehrt.

Seit Jahrzehnten dasselbe Bild

Macht Romney am 6.November das Rennen, wird Obama heruntergeholt, im New Museum wie in sechs anderen Museen in Los Angeles, St.Louis, Raleigh, Houston, Salt Lake City und Savannah, wo „Your Land/My Land“ über den Wahltag hinaus Station macht und die Besucher nicht nur zum Schauen und Staunen, sondern auch zum Reden, Streiten und Versöhnen anregen soll.

Schon vor vier Jahren hat Horowitz so die Wahl ins Museum geholt, und nichts deutet darauf hin, eine Veränderung der politischen Gegebenheiten könnte der Wiederholung der Kunstaktion im Jahr 2016 im Wege stehen. Das Land, wie der experimentelle Psychologe Steven Pinker gerade den Lesern der „New York Times“ noch einmal erklärte, biete seit Jahrzehnten dasselbe Bild: Südstaaten und westliche Wüsten- und Bergstaaten stimmten für Politiker, die sich für eine aggressive Militärmacht einsetzten, für Religion im öffentlichen Leben, Laissez-faire-Wirtschaftspolitik, privaten Besitz von Waffen und gelockerte Bedingungen, sie zu benutzen, für weniger Regulierungen und Steuern sowie eine Förderung der traditionellen Familie.

Wichtiger für nordöstliche und die meisten Küstenstaaten seien dagegen gute internationale Beziehungen, Säkularismus und Wissenschaft, Reglementierung von Waffenbesitz, kulturelle und sexuelle Freiheit und eine größere Rolle des Staats bei Umweltschutz und wirtschaftlicher Gleichberechtigung.

Zwiespalt der Kolonialzeit

Die Ursache solcher ideologischen und geographischen Cluster? Pinker leitet die oft seltsamen „Zweckkoalitionen“ aus grundverschiedenen Konzepten der menschlichen Natur her. Er verweist auf konservative Denker, die bei der politischen Rechten eine „tragische Vision“ des Menschen diagnostiziert haben, also seine unüberwindbare Begrenzung in Sachen der Moral, des Wissens und der Vernunft. So sei die immer drohende Gefahr, in die Barbarei zurückzufallen, nur durch den Respekt vor sexuellen und religiösen Traditionen zu bändigen.

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