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Kunst in der NS-Zeit Bilder aus dem Giftschrank

Im Nationalsozialismus wurde die „entartete Kunst“ beschlagnahmt, für konforme Werke floss viel Geld. Zwei Ausstellungen im Museum im Kulturspeicher Würzburg zeigen nun beides zusammen.

Im Obergeschoss das konkav gewölbte, verfremdete Gesicht eines Mannes, eine sich lasziv windende Tänzerin mit eckigen Körperformen und eine in sich gekehrte Schwangere mit ausgezehrten Zügen. Im Erdgeschoss kraftstrotzende, heroische Männer, idealisierte Mutterfiguren und intakte vorindustrielle Landschaften. Zwei Ausstellungen im Museum im Kulturspeicher in Würzburg bringen zusammen, was auf eigentümliche Weise zusammengehört: die sogenannte „entartete Kunst“ und die offizielle NS-Kunst.

Die Schau im ersten Stock des ehemaligen Getreidespeichers im alten Hafen von Würzburg präsentiert sechzehn Skulpturen, die 2010 bei archäologischen Grabungen in Berlin auf dem Gelände eines zukünftigen U-Bahnhofes vor dem Roten Rathaus gefunden worden sind. Seit dem letzten Jahr reisen sie in einer Wanderausstellung durch Deutschland. Es handelt sich um Werke, die von den Nationalsozialisten 1937 aus verschiedenen deutschen Museen als „entartete Kunst“ beschlagnahmt worden waren und bisher als verschollen galten - ein Sensationsfund also. Die Skulpturen waren während des Krieges in einem Haus in der Berliner Königsstraße gelagert, das unter anderem wahrscheinlich als Depot des Reichspropagandaministeriums diente und durch Bombenangriffe zerstört wurde.

Mit Brandspuren überzogen

Dass die Skulpturen jetzt in Würzburg gezeigt werden, hängt damit zusammen, dass eines der Werke, die „Schwangere“ aus Terrakotta, von der Würzburger Künstlerin Emy Roeder stammt. Die Figur wurde 1937 auf der Ausstellung „Entartete Kunst“ in München gezeigt, die als Gegenschau zur ersten „Großen Deutschen Kunstausstellung“ im Haus der Deutschen Kunst konzipiert war, wo bis 1944 jährlich Werke präsentiert wurden, die Hitlers Vorstellungen von „wahrer, ewig deutscher Kunst“ entsprechen sollten.

Die Schau in Würzburg zeigt die teilweise nur noch in Fragmenten erhaltenen und mit Brandspuren überzogenen Skulpturen auf quadratischen weißen Sockeln, einige davon hinter Glas. An den Wänden finden sich Zitate zu Kunst und Kultur im Nationalsozialismus. Im Eingangsbereich des Ausstellungsraums berichten zwei Informationsstände von der Entdeckung, den Werken und ihren Künstlern. Hier sind auch, leider viel zu klein, Fotografien der Skulpturen im Ursprungszustand zu sehen.

Denunziert, verhaftet, ermordet

Dass die Diffamierung von Werken oder auch nur von einem Werk als „entartet“ für einzelne Künstler durchaus sehr unterschiedliche Folgen haben konnte, zeigen die Biographien der Künstler des Berliner Skulpturenfundes: Otto Baum beispielsweise, der um 1930 die Bronze-Skulptur „Stehendes Mädchen“ schuf, durfte während der NS-Zeit als Porträtmaler arbeiten, Marg Moll, von der die Messingskulptur der Tänzerin stammt, konnte in Deutschland leben, aber nicht mehr ausstellen, Emy Roeder konnte zwar ebenfalls nicht in Deutschland, aber im faschistischen Italien arbeiten und ausstellen. Karl Knappe, von dem in Würzburg eine Frauenfigur mit Kind aus Bronze gezeigt wird, erhielt Berufsverbot als Hochschullehrer, Edwin Scharff, vertreten mit dem Porträtkopf einer Schauspielerin, wurde 1940 aus der Reichskammer der bildenden Kunst ausgeschlossen, eine Maßnahme, die auch ein Arbeitsverbot beinhaltete.

Otto Freundlich schließlich, von dem der 1925 entstandene schwarz glasierte Terrakotta-Kopf stammt, floh nach Frankreich und wurde dort, weil er Jude war, denunziert, verhaftet, nach Polen deportiert und im Konzentrationslager Lublin-Maidanek ermordet.

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Veröffentlicht: 18.03.2013, 22:36 Uhr

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Von Sandra Kegel

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