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Kunst in Altenburg : Kulturschatz vor der Erweckung

Der Freistaat Thüringen hat dem Lindenau-Museum in Altenburg eine Komplettsanierung zugesagt, die der Sammlung gerecht wird. Bild: dpa

Thüringen wagt sich an ein Wunderwerk: Altenburg liegt am Rande des Freistaats, aber sein Reichtum an Kunst gehört ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Daran wird jetzt gearbeitet.

          Der vorgestrige Sonntag war ein Tag, an dem sich Altenburg von seiner besten Seite zeigte. Im strahlenden Winterlicht funkelt das Residenzschloss der Dreißigtausend-Einwohner-Stadt, eine Dreiviertelstunde Fahrt südlich von Leipzig gelegen, wie ein Juwelendiadem auf seinem steilen Hügel. Es ist die größte Burganlage in weitem Umkreis, und gleich daneben, im Schlosspark, der sich über die sanfte Neigung des nordöstlichen Abhangs erstreckt, liegen weitere architektonische Preziosen: Teehaus und Orangerie, das Naturkundemuseum Mauritianum und vor allem ganz am Fuß des Hügels das Lindenau-Museum. Gemeinsam bildet dieses Ensemble in thüringischer Randlage einen Kulturberg, dessen Kunstbestand seinesgleichen sucht.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Von „Altenburger Trümpfen“ spricht das Stadtmarketing in Anspielung an die hiesige Skat-Tradition, mit „Mythos Altenburg“ liebäugelt Roland Krischke, der seit etwas mehr als einem Jahr als Direktor des Museums amtiert. Ob Trümpfe oder Mythos – die Rede von beidem verdankt sich wesentlich dem Besitz von Krischkes Haus und damit dessen Namensgeber, Bernhard August von Lindenau, 1779 auf dem Pohlhof, dem Altenburger Rittersitz seiner Familie, geboren und dort 1854 auch gestorben. Obwohl er in seinem Leben nicht viel herumgekommen ist, zählte Lindenau zu den Universalgelehrten jener Epoche. Als wohlhabender Erbe konnte er seinen Neigungen frönen und stand mit der geistigen Elite Deutschlands in stetem Austausch. Als junger Jurist leitete Lindenau die Sternwarte in Gotha, die den Herzögen von Sachsen-Altenburg-Gotha gehörte, später amtierte er auch als deren Minister, ehe er 1829 in den Dienst des sächsischen Kurfürsten trat, also im weitaus mächtigeren und reicheren Nachbarstaat.

          Eine Sammlung zur Geschmacksbildung

          Mit fast siebzig wurde Lindenau Abgeordneter im Paulskirchenparlament, wo er der politischen Emanzipation durch Volksbildung das Wort redete. Dafür baute er eine eigene Sammlung auf, die vier Schwerpunkte hatte: antike Objekte, Bilder der italienischen Frührenaissance, Repliken großer Meisterwerke der Malerei und Bildhauerkunst sowie eine große Bibliothek. All das sollte der Geschmacksbildung dienen, und schon vor seinem Tod vermachte er die Kollektion seiner Heimatstadt – unter der Bedingung, für sie ein Gebäude zu errichten, in dem Kunstschule und Museum zusammenfinden sollten. Dieser von Gottfried Semper konzipierte Bau wurde 1876 eröffnet. Das Museum beherbergt er bis heute.

          Trotz aller äußeren Pracht dieses Schatzhauses genügt es nicht mehr den modernen Anforderungen. Kurz nach der Wiedervereinigung wurde das Haus zwar renoviert, doch es war damals schon zu klein, selbst für eine Belegschaft, die heute nur noch 9,9 feste Personalstellen umfasst, damit aber eine Sammlung von Weltrang betreuen muss – zumal, was die italienische Malerei angeht. Der Jahresetat liegt bei einer Million Euro und wurde für 2018 endlich um zehn Prozent erhöht. Und der Freistaat Thüringen hat jetzt eine Komplettsanierung zugesagt.

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