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Kunst im Ministerium für Staatssicherheit Der Ort ist endlich wirklich erobert

22.06.2009 ·  Die Idee ist zwingend: In einer beeindruckenden Fleißarbeit hat Thomas Kilpper den Linoleumfußboden eines Saals im Ministerium für Staatssicherheit der DDR bearbeitet. Seine Kunst macht den Ort erstmals für die Öffentlichkeit begehbar.

Von Peter Richter
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Das Ministerium für Staatssicherheit der DDR hatte seinen Sitz in einem Gebäudekomplex zwischen Mariannen- und Normannenstraße in Lichtenberg, einer Gegend von Berlin, wo bis heute kaum eines Westdeutschen Fuß je hingerät, und wenn, dann nur selten und unwillig. Dieses Kastell aus Plattenbauten ist, als dunkles Machtzentrum, immer mal wieder zum Gegenstand der Literatur geworden, von Wolfgang Hilbig bis zu Thomas Brussig. Aber anders als der KGB, der mit der Ljubjanka nicht nur eine gefürchtete Adresse hatte, sondern gewissermaßen auch eine Fassade, ist die Stasi visuell weitgehend gesichtslos geblieben. Ikonisch geworden ist erst ihr Ende, die eroberten Aktenberge; und das am weitesten verbreitete Bild von der DDR- Staatssicherheit ist heute eigentlich der Anorak, den Ulrich Mühe in „Das Leben der anderen“ trägt.

Beigetragen hat dazu natürlich auch der entsorgungswütige Umgang mit negativ konnotierten Erinnerungsorten im wiedervereinigten Berlin. Gut, dass wenigstens das Stasi-Gefängnis in Hohenschönhausen zur Gedenkstätte wurde; so konnte dort nämlich, 1997, die bislang ambitionierteste künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema entstehen: das Video „Stasi City“ von Jane und Louise Wilson. Das Ministerium selbst wurde dagegen erst am Freitag zum ersten Mal für die Öffentlichkeit begehbar, durch eine vom Neuen Berliner Kunstverein organisierte sogenannte Intervention des aus Stuttgart stammenden und in Berlin lebenden Künstlers Thomas Kilpper.

Jetzt die Kunst durch das ganze Haus treiben

Kilpper hat da in einer beeindruckenden Fleißarbeit den Linoleumfußboden eines weitläufigen Saales bearbeitet - mit Linolschnitten eben, was natürlich eine absolut zwingende Idee ist, weil da alles zusammenkommt: das aus Schulgebäuden und Behörden bekannte, sozusagen volkspädagogische Material und eine Technik, die mit dem Holzschnitt verwandt ist, dem politischen Propagandamedium der Gutenberg-Ära; und das „Einschreiben“ durch den Künstler evoziert die Wandkratzereien in den Zellen der Inhaftierten. Vom Fußboden wurden dann Drucke abgenommen, die einen Stock höher ausgehängt sind. Dort wird die Sache dann leider auch etwas unscharf, denn Kilppers geschnitzte Bilder reichen über Mielke beim Sektempfang und Guillaume hinter Brandt bis weit in die Nazizeit, zum Herero-Aufstand in Afrika und zum Tod kolumbianischer Guerrilleros: Das soll größere Zusammenhänge herstellen, wird aber zu einem Bildtrailer für den History-Channel.

Das hätte gerne etwas spezifischer ausfallen können. Aber das Wichtige ist: Der Ort ist damit endlich wirklich erobert. Jetzt käme es darauf an, die Interventionen der Kunst durch das ganze Haus zu treiben, bis in die geheimsten Keller hinein. Das wäre allmählich mal fällig: Das MfS als Kulturhaus, als Club, als Gedenkstätte seiner selbst - und für die gescheiterten Versuche, diese Geschichte nach der Wende mit westlichem Businessflair zu übertünchen. Im Aufgang zu Kilppers Installation hängt noch das verblichene Schild für ein „Lichtenberger Congress Center“, das natürlich nicht Kongresszentrum heißen konnte. Sonst hätten es alle „KZ“ genannt.

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