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Künstlerin Petra Collins : Alle Mädchen hassen sich

  • -Aktualisiert am

Fotos, auf denen Frauen nicht elfenhaft rein wirken, sind häufig tabu. Und manche werden sogar zensiert. Die feministische Künstlerin Petra Collins will, dass Frauen endlich Körper haben dürfen.

          Petra Collins hatte sich in Unterhose abgelichtet und das Ergebnis auf Instagram gestellt: Jene Internetplattform, auf der man sein Leben in Schnappschüssen festhalten und mit der Welt teilen kann. Auf dem Foto sah man ihren Unterleib, eingepackt in ein kleines, grünes, leicht durchsichtiges Stück Stoff, ihren Bauch und den Ansatz ihrer Oberschenkel. Collins hatte das Bild mit dem Hashtag #bikini versehen, ein Etikett, unter dem sich bereits acht Millionen andere Bilder versammelt hatten. Ihres wäre gar nicht weiter aufgefallen. Wären da nicht ihre dunklen Schamhaare gewesen, die sich wie selbstverständlich um die Ränder der Unterhose kräuselten und eine Welle der Empörung auslösten. Instagram reagierte sofort und löschte den Account @petrafcollins.

          Die Künstlerin, die das „verstörende“ Bild gemacht und ins Internet gestellt hatte, wusste natürlich, was sie da tat. Die 21-Jährige nervt nämlich gern die blasierte Masse mit unbequemen Fotos. Petra Collins führt die sogenannte „New Feminism Wave“ in Amerika an, gemeinsam mit ihrer besten Freundin Tavi Gevinson, die mit elf ihren ersten Modeblog startete und heute das Online-Magazin „Rookie“ für Teenagermädchen leitet.

          Die neuen Feministinnen glauben nicht daran, dass Feminismus nur mit einem Gegenspieler funktioniert. Sie denken nicht in Entweder-oder-Kategorien. Sie bezweifeln, dass eine Frau zu sein immer gleich bedeuten muss, positioniert zu werden. Petra Collins glaubt nur sich selbst. Und daran, dass es okay ist, ein Mädchen zu sein. Das ist oft kindisch und zuckersüß, lebt aber meist von ganz scharfer Beobachtung, die sie liebevoll unverblümt und scheinbar blauäugig in ihren Bildern, Texten, Skulpturen, Videos und täglich auf Instagram verarbeitet.

          Intim, aber eigentlich total normal

          Petra Collins hat blonde Locken und grünblaue Augen. Sie ist zierlich, aber nicht klein. Ihre Haarpracht trennt sie mit einem Mittelscheitel, so dass die Locken lustig von der Seite abstehen. Meistens trägt sie Jeans mit Schlitzen kurz unter den Pobacken: helle, fast weiße Hosen, die knalleng sitzen und sehr hochgeschnitten sind. Dazu ein weißes, bauchfreies Top und Jeansjacke. Alles erinnert sehr an die Mode der neunziger Jahre, nur ist Collins schon einen Schritt weiter als ihre Vorbilder aus Teenager-Serien wie „Willkommen im Leben“ oder „Voll daneben, voll im Leben“. Die neunziger Jahre, vor allem die Jugendkultur, sind wichtig für das Selbstverständnis der Künstlerin, weil damals zum ersten Mal realistische Räume geschaffen wurden, die den Weg zum Erwachsenwerden in seiner ganzen Komplexität begriffen, ohne es zu beschönigen.

          „The Teenage Gaze“ hieß deswegen Collins’ erste bekannte Fotoserie. Man könnte die Bilder, die sie auf ihrer Website zeigt - von Schulmädchen in Kniestrümpfen, nackt in der Dusche der Turnhalle oder in Unterwäsche auf dem Bett im Kinderzimmer - schnell als klassische Dokumente des „Coming of Age“ abtun, wäre der Blick, weil von Frau auf Frau, nicht so rauh, gleichzeitig intim, zuweilen schamlos und eigentlich total normal. Es gibt nämlich überhaupt nichts Aufregendes zu sehen - außer einer Gruppe unterschiedlicher, heranwachsender Frauen, die miteinander Zeit verbringen. Aber das ist genau der Punkt. Collins entlarvt den auf ein Ideal versessenen Voyeurismus des Westens mit purem Realismus und extremer Klarsicht.

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