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Künstler Richard Prince : 90.000 Dollar für ein Instagram-Foto

Der Künstler Richard Prince stellt auf der Frieze Art Fair in New York großformatige Drucke von Instagrambildern aus und verkauft sie für viel Geld. Die Urheber hat er nicht gefragt. Darf der das?

          Es ist immer ein bisschen wohlfeil, sich über die Preise lustig zu machen, die Menschen für Kunst zu zahlen bereit sind. Es gibt anscheinend Sammler, die 90.000 Dollar für ein ausgedrucktes Instagrambild zahlen. Was das teure Instagrambild von anderen Instagrambildern unterscheidet, ist, dass der Künstler Richard Prince es ausgedruckt und, um wenigstens irgendwie eine persönliche Marke zu hinterlassen, mit einem fiktiven Kommentar versehen hat.

          Muss man das verstehen? Wir versuchen es: Bei Richard Prince gehört es zum Programm, sich die Werke anderer anzueignen. „Appropriation Art“ nennt man das, populär wurde sie in den späten Siebzigern – und wer diese Kunstrichtung verfolgt, verbringt ziemlich viel Zeit vor Gericht. Auch Richard Prince: Im Jahr 2008 hatte er Ärger mit einem Fotografen, dessen Bilder von Rastafarians auf Jamaika er ausschnittsweise in Collagen verarbeitete.

          Immer wieder machte er Schlagzeilen mit unveränderten Fotografien des Marlboro-Mannes. Eines aus dieser Serie, „Untitled (Cowboy)“, wurde bei Sotheby’s für 3,4 Millionen Dollar versteigert. Erst letztes Jahr zeigte Richard Prince in seiner Ausstellung „New Portraits“ in der New Yorker Gagosian Gallery Instagramfotos mehr oder weniger Prominenter wie Kate Moss oder Pamela Anderson, schön groß auf Leinwand gedruckt.

          „richardprince1234“ kommentiert sinnfrei

          Und nun sind es jüngst auf der Frieze Art Fair in New York weitere „New Portraits“, nämlich Instagram-Bilder eher unbekannter Menschen wie das der blauhaarigen Nutzerin und Mitinhaberin einer Kosmetikfirma namens „Doe Deere“, die mit einer Puppen-Doppelgängerin posiert. Nein, er habe sie nicht um Erlaubnis gebeten, schrieb sie auf ihrer Instagram-Seite, sie werde die Sache aber auch nicht weiter verfolgen.

          Ganz einfach ist es auch nicht, gegen eine solche Verwendung anzugehen, denn Richard Prince beruft sich auf die Doktrin des „Fair Use“, zu deutsch etwa „Angemessene Verwendung“. Sie erlaubt die Verwendung geschützten Materials zu Zwecken der Bildung und der Kunst, diese wird vor Gericht aber stets im Einzelfall abgewogen. Bisher hat sie Prince in den meisten Fällen vor einer Strafe bewahrt. Das Material muss allerdings verändert werden, eine einfache Übernahme ist nicht erlaubt. Daher hat es sich Prince zur Regel gemacht, den Text unter den Bildern nicht abzudrucken und stattdessen einen fiktiven Nutzerkommentar hinzuzufügen: Unter dem Kürzel „richardprince1234“ gibt er Satzfetzen ab, die auch für Internet-Verhältnisse erstaunlich sinnfrei sind.

          Nun entlädt sich im Internet ein mittelgroßer Sturm der Entrüstung um die Verwendung dieser Bilder. Ob Prince das darf, scheint allerdings eher keine rechtliche, sondern eine moralische Frage zu sein. 90.000 Dollar für den Ausdruck eines fremden Fotos zu verlangen ist dreist, aber zunächst einmal nicht verboten. So unschön man das finden mag: Dass einem die Bilder, die man ins Internet stellt, letztlich nicht mehr gehören, wird durch die „New Portraits“ noch einmal so richtig deutlich gemacht. Man kann Prince fast dankbar sein, dass er daran erinnert – bevor wir uns dann doch wieder eine Runde darüber aufregen, dass tatsächlich alle 37 Bilder zu diesem unfassbaren Preis verkauft wurden.

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