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Konrad Klapheck im Kunstpalast Düsseldorf : Der Ingenieur hat es schwer

Phänomenale Gemachtheit: Das Museum Kunstpalast in Düsseldorf widmet Konrad Klapheck eine gelungene Retrospektive.

          Konrad Klapheck, quicklebendig in seinem neunundsiebzigsten Lebensjahr, kommentiert sich am liebsten selbst, auch zu seiner aktuellen Düsseldorfer Ausstellung. Das macht er aber seit gut sechzig Jahren so. Und vor knapp fünf Jahrzehnten, da hatte die Kestner-Gesellschaft in Hannover dem gerade einunddreißig Jahre alten Maler schon eine Ausstellung besorgt, dekretiert er dazu: „Meine Ichbezogenheit muss rückhaltlos sein, damit meine Bilder allgemeingültig werden, in sich selbst findet man die Rätsel der Welt und ihre Lösung.“

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Halten zu Gnaden, Herr Klapheck, da widersprechen Sie sich selbst in Ihren frühen geistvollen „Notizen“, die jetzt im aufschlussreichen Katalogbuch wieder abgedruckt sind; denn - wie steht dort auch zu lesen: „Ich benutze die Dinge nicht als Symbole, sondern ich male sie, so gut ich kann, und lasse mich überraschen, was sie zu sagen haben. Am Ende müssen die Bilder klüger sein als ihr Schöpfer und seine Absichten übertreffen.“ Genauso ist das. Entweder ist also das Ich der Herr im Haus der Klapheckschen Kunst, oder die Kunst löst sich vom Willen des malenden Subjekts ab.

          Die Schreibmaschine, die Nähmaschine als - womöglich gar mütterliche - Geliebte und Zuchtmeisterin? Der Duschkopf als Diva, die Schuhspanner als grämliches Paar? Dass Mopeds der Erotomanie verdächtig sind, ist ja klar. Mit seinen Titeln und Kommentaren schürt Klapheck die habituelle Deutungsfreude vorsätzlich. Manch einer kann sich eine „Schwiegermutter“ schon gar nicht mehr anders denn als Dampfstrahlbügeleisen vorstellen; das umgangssprachliche Tertium ist dann der Drache.

          Dabei bringt es deutlich mehr, diese Geräte in ihrer Gemachtheit zu betrachten, Genauigkeit eben. Wie da einer wider den Stachel der verschriebenen Abstraktion löckt, wie sich da einer ans Konstruieren macht für Riesenformate. Wie sich ein zeitgenössischer Künstler und Anhänger von Machinationen die Farbigkeit der Renaissance anverwandelt, der Präzisionsmalerei eines Holbein nachstrebt, den Klapheck immer wieder als sein Vorbild nennt. Und wie sich das dann niederschlägt im unverwechselbaren Duktus. So kommt es, dass die frühen schwarzweißen „Typewriter“ Andy Warhols nachgerade zutraulich wirken im Verhältnis zu Klaphecks 1955 entstandenen „Continental“- Schreibmaschine.

          Wo Warhol das Ding zeigt, bildet Klapheck die Funktion des Dings ab, indem er ein Blatt Papier straff einspannt, und er gibt der „Continental“ eine sentimentalische Reminiszenz mit, ein Bildchen auf ihrem Maschinenkörper. Doch der Titel ist - noch - einfach „Schreibmaschine“. „Die gekränkte Braut“ heißt schon zwei Jahre später eine Nähmaschine älteren Modells, deren Korpus das Cameo einer nackten Frau ziert. Unwillkürlich denkt man an Duchamps „Die Braut von ihren Junggesellen nackt entblößt, sogar“: Es ist der Titel, der den Schlüsselreiz auslöst. Klaphecks Werke sind immer wieder für einen Post-Surrealismus hergenommen worden, das liegt auch an seiner frühen Förderung durch André Breton. Doch gerade bei diesem Maler scheint herzlich wenig aus dem ohnehin schwer verortbaren Unbewussten aufzusteigen. Dafür steht er auch als Zeichner mit den phänomenalen Konstruktionsplänen seiner Bilder, die eigenständige Arbeiten sind.

          Die Menschen, die seit etwa anderthalb Jahrzehnten in Klaphecks Werk erscheinen, sind gern nackt und meistens entweder auf Sex oder auf Jazzmusik versessen oder auf beides gleichzeitig, wobei die männlichen Musiker mitunter stark überfordert wirken von ihren Instrumenten. Diese jüngeren Bilder wirken so, als habe der Künstler im reiferen Alter seine eigene Kandare gelockert. Was zuvor camoufliert, verschlüsselt, unterdrückt - bestimmt nie verdrängt! - in seinen Maschinen spukte, füllt nun die prallen, ebenfalls irgendwie altmodisch anmutenden Leiber, die nicht zufällig an Fernand Légers Figurinen erinnern. Man könnte sagen, das Imaginäre bricht in die starre Materialordnung ein, nicht aus Versehen, sondern mit Vorsatz, kann sein: als eine Befreiung.

          Es ist Klapheck hoch anzurechnen, dass er nicht einfach weiter seine bewährten Geräte vorzeigt. Die Werke sind in Düsseldorf geschickt thematisch gehängt, sie konfrontieren den Künstler immer wieder mit sich selbst. So werden stilistische Entwicklungen sichtbar, die sonst leicht hinter der Dominanz der Sujets verschwinden; übrigens hat er keineswegs damit aufgehört, Maschinen zu malen. Dazwischen stehen Vitrinen, in denen Vorlagen für seine Bilder ausgebreitet sind, als wolle er sagen: Seht her, alles ist belegt. Dennoch bleiben sie gewiss Delikatessen für die ewigen Sinnsucher. Dabei ist Konrad Klapheck viel eher der amtierende malende Antihermeneut.

          Klapheck. Bilder und Zeichnungen. Bis zum 4. August im Museum Kunstpalast in Düsseldorf. Das Katalogbuch „Klapheck. Bilder und Texte“ im Hirmer Verlag, München, kostet 24,90 Euro.

          Quelle: F.A.Z.

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