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Kleopatra in der Bonner Kunsthalle : Die Königin der Könige

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Kaum eine historische Persönlichkeit wird bis heute so kontrovers wahrgenommen wie Ägyptens letzte Herrscherin. Die vielen Gestalten der Kleopatra lassen sich nun in der Bonner Kunsthalle bewundern.

          Kleopatra ist etwa so viel Ägypterin wie Elizabeth Taylor“, schreibt die Pulitzer-Preisträgerin Stacy Schiff in ihrer neuen Biographie. Wie zur Bestätigung fixiert auf dem Plakat der Cleopatra-Ausstellung in Bonns Bundeskunsthalle die Schauspielerin unter einer Geierhaube den Betrachter. Man tippt, erst recht beim Untertitel „Die ewige Diva“, sofort auf Andy Warhol. Drinnen entpuppt sich das Bild als ein erst im Jahr 2009 entstandenes Gemälde der Künstlerin BTOY (Andrea Michaelsson Alcoba) - die Diva Taylor und die Diva Kleopatra aktuell wie je.

          Es geht also weniger um die historische Person, Cleopatra VII. geboren 69 und gestorben 30 vor Christus, die letzte Königin der Ptolemäer-Dynastie und die letzte Herrscherin Ägyptens in der zweitausendjährigen Abfolge der Pharaonen. Im Zentrum stehen die inzwischen ebenfalls zweitausendjährigen Fiktionen, die, beginnend mit der römischen Geschichtsschreibung, die Welt faszinieren. Man hat Kleopatra wechselnd als gewissenlose Machtpolitikerin, mordende Intrigantin und schamlose Erotomanin, als ebenbürtige Gegnerin oder hilflosen Spielball römischer Imperatoren, als würdige Heldin oder feige Hure geschildert. Egal, wie spärlich die historisch belegten Nachrichten sind (und es sind verzweifelt wenige), ist eines klar: Von ihrem ersten Erscheinen auf der weltpolitischen Bühne an, nämlich seit der Heirat als Siebzehnjährige mit ihrem zehnjährigen Bruder Ptolemaios XIII., agierte Kleopatra entschlossen, nahm keine Niederlage hin, suchte nach jedem Erfolg neue Siege.

          Eine der gebildetsten Frauen ihrer Zeit

          In dieser Hinsicht ist BTOYS Taylor-Porträt Andy Warhols Bildnis überlegen: Der Oberpriester der Pop-Art verklärte 1963 Elizabeth Taylor zu dem, was sie ohnehin schon war - zur Ikone berückender Weiblichkeit, die neben männlicher Begierde durch ihren rätselhaft wehen Blick Beschützerinstinkte anstachelt. BTOY weckt nicht das Bedürfnis, die prunkende Geierhaube abzunehmen, um den darunter verborgenen Lockenkopf zu streicheln. Ihre Kleopatra trägt diese Krone, auf deren Scheitel ein Dutzend aufgeblähter Kobras züngelt, stolz und frei, blickt entschlossen und etwas verächtlich, so, als sei sie des ewigen kollektiven Kreisens um Vamp-Phantasien müde.

          Entschlossenheit spricht auch aus dem Kopf, den das Britische Museum ausgeliehen hat. Er ist eines von nur vier Bildnissen, die vermutlich das Aussehen Kleopatras wiedergeben. Zu sehen ist eine Griechin - die Ptolemäer waren Makedonen, Abkömmlinge eines Feldherren Alexanders des Großen - mit straff geflochtenen Haaren. Adlernase, große, tiefliegende Augen, hohe Wangenknochen, ein markantes Kinn: mit heutigen und antiken Vorstellungen von weiblicher Schönheit hat dies Gesicht wenig zu tun. Darüber zu staunen ist unsere Sache, die wir die Köpfe voll haben mit jenen Klischees der lasziven „Schönen vom Nil“, die erst lange nach Kleopatras Tod entstanden sind. Ihre Zeitgenossen rühmten oder fürchteten nicht ihr Aussehen, sondern ihr betörendes Wesen. Sie sei eine der gebildetsten Frauen ihrer Zeit gewesen, heißt es, bewandert in allen Wissenschaften und Künsten, sprachbegabt - sie beherrschte neun Sprachen-, geistreich, anmutig, charmant, humorvoll.

          Einundzwanzigjährig (dass sie bei der ersten Begegnung eine fünfzehnjährige Lolita gewesen sein soll, ist eine römische Verleumdung) bezauberte sie Caesar. Sieben Jahre später, inzwischen nicht nur die Witwe ihres ersten Brudergemahls, sondern auch die ihres jüngsten Bruders und Mutter des Caesarion, den sie Caesar geboren hatte - eroberte sie das Herz von Roms Superhelden Mark Anton. Ihm soll sie sich beim ersten Treffen als Göttin Isis präsentiert haben; für Ägypter eine vertraute, für Römer eine schockierende Rolle.

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