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Kinofilm „Zulu“ : Verbrechen im gescheiterten Staat

  • -Aktualisiert am

Jérôme Salles Thriller „Zulu“ zeigt, wie schwer das Erbe der Apartheid immer noch auf Südafrika lastet - mit reißerischer Erzählweise und einer zynischen Pointe.

          Die Abteilung, in der Kommissar Ali Sokhela arbeitet, trägt einen etwas eigentümlichen Titel: Er ist zuständig für „Serious and Violent Crimes“. Davon gibt es in Südafrika eine ganze Menge, jedenfalls suggeriert das der Film „Zulu“ von Jérôme Salle. Die Geschichte beginnt mit einer jungen Frau, die tot und verstümmelt aufgefunden wird. Es handelt sich um die Tochter eines bekannten Rugby-Spielers, der sofort eine Kampagne gegen die Polizei startet, weil es dieser nicht gelingt, die öffentliche Sicherheit aufrechtzuhalten.

          Drei Männer werden auf den heiklen Fall angesetzt: Ali Sokhela (Forest Whitaker), Brian Epkeen (Orlando Bloom) und Dan Fletcher (Conrad Kemp). Sie repräsentieren die Bevölkerungsanteile in dem Land am Kap, das zwar die Apartheid überwunden hat, nicht jedoch die sozialen Spannungen, von denen die Klassen- und Rassenverhältnisse nach wie vor geprägt sind. Sie repräsentieren auch unterschiedliche Formen von Ethos und Verstrickung in die Gewaltgeschichte des Landes.

          Ein grundsätzlicher Mangel an Zivilisation

          Ali lebt beinahe mönchisch, er will nichts anderes tun als professionell seinen Job. Brian säuft und hat jede Nacht eine andere Frau im Bett, aber wie es die Rollenverteilung klassischerweise vorsieht, ist er auch derjenige, der im entscheidenden Moment hellwach ist. Dan gehört der Dreierkonstellation nur bis zu dem ersten wirklich schockierenden Moment von „Zulu“ an, bis zu einem Gewaltausbruch, der deutlich über vergleichbare Szenen selbst in amerikanischen Filmen hinausgeht.

          Ein Roman von Caryl Ferey bildet die Grundlage für „Zulu“. Die gesamte Anlage der Geschichte deutet darauf hin, dass es hier um ein grundsätzliches Epos zu Südafrika geht, um eine Klammer zwischen der Zeit des Apartheidregimes und der Gesellschaft, die aus den Prozessen von „Wahrheit und Versöhnung“ hervorgegangen ist. Die Bestandsaufnahme könnte kaum pessimistischer sein. Denn die Ermittlungen der Abteilung für „ernsthafte und gewalttätige Verbrechen“ führen über das Drogenhändlermilieu hinaus zu einer Verschwörung, in der Molekularbiologie und (rassistische) Biopolitik dazu dienen sollen, die alten Verhältnisse wiederherzustellen.

          Das ist eine einigermaßen spekulative Pointe, die Jérôme Salle durch seine reißerische Erzählweise allerdings eher unfreiwillig entschärft. Er interessiert sich für die individuellen Wege seiner Protagonisten gerade so weit, dass er rasch wieder zu den Eskalationen zurückfindet, an denen ihm eigentlich gelegen ist. So entsteht gerade kein gesellschaftliches Panorama von Südafrika, das in dem Plot durchaus angelegt ist.

          Stattdessen ist „Zulu“ darauf aus, möglichst martialisch einen grundsätzlichen Mangel an Zivilisation aufzuzeigen. Salle zeigt einen „failed state“, wofür es sicher gute Gründe gibt. Aber die zynische Pointe des Films ist, dass auch hier noch die Star-Logik triumphiert, der zufolge es der weiße Held ist, der den gefallenen schwarzen raushauen muss. Und die Gewalt, die triumphiert, ist eine, an der sich der Film weidet.

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