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Karikaturist Karl Arnold : Wie kommt Hitlers Kopf auf die nackte Frau?

In der Weimarer Republik zeichnete er gegen den Nationalsozialismus an, im „Dritten Reich“ passte er sich an: Die Berlinische Galerie zeigt Einfallsreichtum und Brillanz des Karikaturisten Karl Arnold.

          Es ist ein Rätsel, warum Karl Arnold verschont wurde. Am 29. Januar 1933, einen Tag bevor Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde, hatte der Zeichner im Münchner Satirejournal „Simplicissimus“ eine Karikatur veröffentlicht, die den NSDAP-Führer als Klinkenputzer zeigte: Devot schüttelt er an der Haustür dem Zentrumspolitiker Franz von Papen die Hand, und rings umher schauen ihm weitere mögliche Koalitionspartner dabei zu, darunter Hugenberg als Chef der DNVP, ein Bolschewik für die KPD, ein Sozialdemokrat und der noch amtierende Reichskanzler Kurt von Schleicher sowieso. „Karte genügt, komme sofort!“ lautet der Text zur Zeichnung - und am Tag darauf war Hitler denn auch schon da.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Arnold hatte es vorausgesehen, seit Jahren bereits. Vorsicht hatte ihn das aber nicht gelehrt. Arnold, der 1883 geborene Fabrikantensohn aus Oberfranken, liebte sein Metier, und die Karikatur verlangt Wahrhaftigkeit. In der Berlinischen Galerie kann man sich jetzt nicht nur davon überzeugen, wie konsequent Arnold in den zwanziger und frühen dreißiger Jahren diesen Anspruch erfüllte, sondern man sieht auch einen Musterfall von grafischer Eleganz. Geschult an der puren Linienkunst seines „Simplicissimus“-Kollegen Olaf Gulbransson, fertigte Arnold Zeichnungen an, die schierer Federtanz auf dem Papier sind. So böse er inhaltlich sein konnte, so klar war er dabei als Zeichner. Sein Strich spiegelt das Selbstverständnis des satirischen Kommentators.

          Die Liebe zum lustig-verrückten Berlin

          Achtzig Originalzeichnungen zeigt die Berlinische Galerie, alle aus eigenem Bestand, und wen es wundert, dass dieses auf Berlin spezialisierte Museum so viele Arbeiten eines Münchner Zeichners ausstellt, dem sei gesagt, dass Arnolds einzige Buchpublikation den Titel „Berliner Bilder“ trägt. Der 1924 erschienene großformatige Band mit insgesamt achtundvierzig Zeichnungen stellte die Frucht von jährlichen jeweils mehrwöchigen Arbeitsaufenthalten Arnolds in der Reichshauptstadt dar. „Dort bin ich immer gern“, schrieb er 1923 scheinbar harmlos an den Zeichner Alfred Kubin, „die Stadt ist so lustig verrückt.“ Arnolds Humor im Umgang mit Berlin indes war ein sardonischer, das Metropolenleben, wie er es in den zuvor teilweise auch im „Simplicissimus“ als Serie abgedruckten „Berliner Bildern“ präsentiert, zügellos, zynisch und bigott.

          Einundzwanzig Zeichnungen zum Buch sind in Berlin zu sehen, mit nur einer Ausnahme alles 2003 in den Besitz des Museums gekommen, als ihm anonym ein großes Karl-Arnold-Konvolut gestiftet wurde, das in seiner Qualität einzigartig dasteht. Durch ergänzende Schenkungen der Familie von Arnold ist in der Berlinischen Galerie ein homogener Werkkomplex entstanden, der nun erstmals ausgestellt und durch eine geglückte Begleitpublikation erschlossen wird. In einem von zwei Räumen hängen die Arbeiten aus dem Umfeld der „Berliner Bilder“, im zweiten dann die Karikaturen aus den Jahren danach bis Januar 1933.

          Auf seltsame Weise unbehelligt

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