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Kabinettschau in Frankfurt : Der böse Mann zur Linken Christi

Doppelt fragmentierter Verbrecher auf Goldgrund: Aus der Werkstatt des Meisters von Flémalle, um 1430, Öl auf Eiche. Bild: Städel/Horst Ziegenfusz

Im Liebieghaus in Frankfurt hat kürzlich für Liebhaber der Malerei die Kabinettschau „In neuem Glanz“ eröffnet. Ein Schächer spielt dabei eine Schlüsselfigur.

          Die jüngst eröffnete Kabinettschau des Frankfurter Liebieghauses ist für Liebhaber der Malerei eine der wichtigsten Ausstellungen seit langem. Gezeigt wird nichts Geringeres als ein entscheidendes Puzzleteil der frühesten Ölmalerei überhaupt, der frühniederländischen nämlich, das wiederentdeckt werden muss. Im Zentrum steht der im Bildersturm zum Fragment zersägte böse Schächer, der neben Christus gekreuzigt wurde – und ihn nicht als Heiland erkannte. Vom Schächer ausgehend zieht sich eine Motivschnitzeljagd durch drei unterschiedliche Medien der Kunst: das gemalte Tafelbild, das der Ausstellung ihren Namen gibt, die Skulpturen des Rimini-Meisters mit dem gekreuzigten Verbrecher in Alabaster und filigrane Silberstiftzeichnungen, die ihn fast zärtlich aufs Papier bannen. Die Spurensuche läuft als roter Faden durch Leihgaben aus Museen in Cambridge, Liverpool und Münster.

          Stefan Trinks

          Redakteur im Feuilleton.

          Doch wem oder was sind die Kuratoren im Verbund mit den Restauratoren auf der Spur? Es geht eben um die Anfänge der Ölmalerei auf Holz im ersten Drittel des fünfzehnten Jahrhunderts – einer Malerei, die in ihrer Farbbrillanz und in ihren geheimnisvoll durchschimmernden Malschichten eine bis dahin ungekannte Strahlkraft entfaltete.

          Das bereits 1840 vom Städelschen Kunstinstitut angekaufte Fragment des Schächers war vor seiner in den vergangenen drei Jahren erfolgten Restaurierung so wenig strahlend, dass nur unbeirrbare Enthusiasten um seine verdeckten „inneren“ Qualitäten und damit die Sprengkraft des Bilds für die Kunstgeschichte wussten. Den Genter Altar, mit dem sich der Schächer malerisch unbedingt messen kann, kennen noch die meisten Kunstinteressierten, weil seine beiden Schöpfer Jan und Hubert van Eyck bis heute als Erfinder der Ölmalerei gefeiert werden. Der unter dem kunsthistorischen Notnamen firmierende „Meister von Flémalle“, der meist mit Robert Campin identifiziert wird, ist beinah nur Afficionados vertraut.

          Aus seiner Werkstatt dürfte das Frankfurter Bild stammen: Wobei die Betonung auf Werkstatt liegt, denn zur Entstehungszeit des Altars um 1430 war Robert Campin bereits fast sechzig Jahre alt, so dass – durch stilistische Vergleiche erhärtet – wohl Rogier van der Weyden den Hauptanteil an diesem Fragment hat; Rogier arbeitete von 1427 bis 1432 für Campin. Er zeichnet sich vor allem durch dreidimensional wirkende, körperliche Präsenz und gewagte kompositorische Verrenkungen aus.

          Das Leben weicht in Echtzeit aus dem Körper des Hingerichteten

          Man ist geneigt, Rogiers Fülle plastisch gemalter Details nicht als gemalt, vielmehr als „echt“ zu akzeptieren. So auch auf dem Frankfurter Fragment, das lediglich der obere Teil des rechten Flügels eines Klappaltars ist. Die aus einer getreuen, aber etwa zwei Generationen späteren Kopie wohl aus dem Brügger Juliansspital, ebenfalls in der Schau zu sehen, zu erschließende Kreuzabnahme in der Mitte fehlt – ebenso wie der gute Schächer zur Rechten Christi auf dem anderen Altarflügel. Allein in diesem nur 134 Zentimeter hohen Rest des einst fast doppelt so hohen, also imposant großen Altars stecken mehr staunenswerte Details als in den meisten vollständigen Bildern.

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