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Jubiläum Deutsches Ledermuseum : Alles gut, aber wo sind die Schrumpfköpfe geblieben?

Es ist wohltuend, dass vor allem im zweiten Raum der Sonderausstellung Objekte aus aller Welt nebeneinanderstehen dürfen, denn bisher war alles Außereuropäische ins Obergeschoss verbannt. Die Idee, die Geschichte europäischer und außereuropäischer Gebrauchsgüter getrennt zu erzählen, erscheint völlig überholt und soll bei der Neugestaltung des Museums aufgebrochen werden. Nun darf die Samurairüstung neben einem Fußball der Olympischen Sommerspiele von 1936 in Berlin stehen und ein Parka aus Seehunddarm von den Aleuten, eine Art Natur-Gore-Tex-Windjacke, neben der wirklich sehr wilden Tracht eines Saltners aus Tirol. Sie alle haben ihre Form durch jahrhundertelange Anwendung gefunden. Die Schrumpfköpfe allerdings, lange Zeit Teil der Sammlung, werden heute aus ethischen Gründen nicht mehr ausgestellt. Eine leere Vitrine weist auf diesen Umstand hin.

Andere dunkle Kapitel der Sammlungsgeschichte, etwa die Kollaboration im Dritten Reich, beleuchtet der umfangreiche Katalog, der zur Sonderausstellung erschienen ist. Und wie geht man mit der Kolonialgeschichte um? Momentan wird in der Cafeteria noch recht lapidar auf einen Krokodiljäger namens Theo Ripper verwiesen, der im Auftrag einer Offenbacher Gerberei die Nachfrage nach exotischem Handtaschenmaterial am Songwe-Fluss in Deutsch-Ostafrika befriedigte.

Empfangsbereit: Kofferradio Offenbach, 1951.
Empfangsbereit: Kofferradio Offenbach, 1951. : Bild: Michael Kretzer

Nicht nur die Auffassung darüber, was ein Museum und was Ausstellungen heute leisten müssen, hat sich seit 1981 grundlegend geändert. Auch die Technik ist fortgeschritten. Dank LED-Leuchten, die die Exponate nicht ausbleichen, muss heute kein Besucher mehr in dunklen Räumen nach Lichtschaltern tasten. Und mit multimedialer Technik lässt sich Materialgeschichte ganz anders erzählen als auf papiernen Schautafeln, wie die Installation „Linking Leather“ zeigt. Sie wurde von Studenten der Hochschule für Gestaltung entwickelt und soll in eine künftige Dauerausstellung integriert werden. Dazu gehört auch ein Fühltisch, auf dem die unterschiedlichen Lederarten betastet werden dürfen: rauhe Python, die weiche Fleischseite von Rindleder, echtes und falsches Krokodil sowie Pansenleder, gegerbter Rindermagen, der in Notzeiten verarbeitet wurde. Ein Mehrwert, über den sich vor allem Schülergruppen freuen.

Nach einer langen Schattenexistenz hat sich das Ledermuseum viel vorgenommen. Wer sich Zeit für die Sonderausstellungen und den Katalog nimmt, erkennt, wohin die Reise gehen soll. Die Richtung stimmt, nun müsse sich Inez Florschütz und ihr Team an die Umsetzung machen. Es wird Zeit, dass der große Schatz, die einzigartige Sammlung aus aller Welt, gehoben und angemessen zugänglich gemacht wird.

Wehrhaft: Samurai-Rüstung aus Japan, der Zeitpunkt der Herstellung ist unbekannt.
Wehrhaft: Samurai-Rüstung aus Japan, der Zeitpunkt der Herstellung ist unbekannt. : Bild: Michael Kretzer

Die Ausstellung „Leder. Welt. Geschichte“ ist noch bis 25. Februar 2018 zu sehen. Der empfehlenswerte Katalog „100 Jahre Deutsches Ledermuseum“ ist bei Kerber erschienen und kostet 40 Euro.

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