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Israel : Aufgeklärte Staatskunst

Warum auch nichtjüdische Menschen ein vitales Interesse am Überleben dieses Staates haben sollten: Die Berliner Ausstellung „Die Neuen Hebräer“ präsentiert „100 Jahre Kunst in Israel“.

          Ein hartes, klares Foto von entzückenden Zypressen; eine weiße Stadt im genau skalierten Modell; herber Kitsch aus Kunststoff, der an Monstergerümpel aus Hollywood erinnert; zwei clowneske Porträts von Soldaten, die ihr Maler mittels Eigensinn und Lässigkeit dem Thema Militarismus entrissen und mit schwuler Camp-Ästhetik aufgeladen hat - das alles arrangiert in hohen, bis auf wenige gewollt obskure Ecken gut ausgeleuchteten Räumen, nicht chronologisch, sondern nach Themen mit teils politischen, teils lyrischen Namen wie „Krieg“, „Zionismus“, „Tränenkrug“, „Alternativen“ oder „Heimat“: was sagt diese Kunst?

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Sie sagt: Wenn ich im einundzwanzigsten Jahrhundert denn schon leider notwendig ambivalente Staatskunst sein muß, um nicht Marktkunst, also Unterhaltung werden zu müssen, dann will ich wenigstens die Kunst eines Staates sein, der sich nie einfach im Glanz seiner bei mir bestellten Ästhetisierung sonnen kann, ohne sich zugleich unangenehme Fragen über seine moralische Legitimität und seine politischen Bestandsaussichten stellen zu müssen. - Der Staat heißt Israel.

          Ob Israel hundert Jahre alt wird?

          Die freie Kuratorin Doreet LeVitte Harten und ihr Partner Yigal Zalmona vom Israel Museum in Jerusalem, die gemeinsam das Konzept der Ausstellung „Die Neuen Hebräer - 100 Jahre Kunst in Israel“ verantworten, wissen natürlich, daß es diesen Staat nicht schon das im Untertitel benannte Jahrhundert lang gibt. Genau davon handeln viele der Werke, die sie ausgesucht haben; nicht nur die bewegend optimistischen Plakate aus der Gründungszeit.

          Ob Israel überhaupt hundert Jahre alt werden wird, hat vor kurzem der amerikanische Publizist Benjamin Schwarz im „Atlantic Monthly“ gefragt, in ziemlich düsterem Zusammenhang: „Die Geschichte zeigt, daß es für viele Probleme einfach keine Lösung gibt - eine Tatsache, die Amerikaner nicht begreifen können. Der etwa ein Jahrhundert währende palästinensisch-zionistische Konflikt ist die Geschichte zweier Völker, von denen jedes einen vernünftig begründeten Anspruch auf dasselbe Fleckchen Erde erhebt; beinahe jeder Aspekt dieser Gesichte legt den Gedanken nahe, daß diese Ansprüche letztlich - zum Schaden dieser Völker, ihrer Region und vielleicht der ganzen Welt - keinem Kompromiß zugänglich sind.“

          Unterschiedlich legitimierte Staaten

          Die Ausstellung, in der die von Schwarz treffend datierte Epoche des palästinensisch-zionistischen Konflikts als eine kulturgeschichtliche behandelt werden soll, wird in einem Land gezeigt, in dem man sich ein entwickeltes Bewußtsein davon wünschen darf, daß es in der Moderne Staaten auf sehr unterschiedlichen Legitimitätsniveaus gibt und gegeben hat. Die Vereinigten Staaten von Amerika zum Beispiel, als revolutionäre postkoloniale Republik entstanden, erlauben es ihren Bürgern selbst unter George W. Bush noch eher, sich wie demokratische Verfassungspatrioten zu verhalten, als fast alle arabischen Nationen den ihren.

          Daß die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik nicht Ergebnisse von Volkserhebungen gegen Hitler, sondern der pragmatischen Überlegung abgerungen waren, wonach man den Deutschen nach dem Krieg irgendeine Verwaltungsform anbieten mußte, damit sie die ihnen zugedachte Rolle im Systemkonflikt zwischen Ost und West spielen konnten, bestimmt den hiesigen Begriff von Politik und politischer Kultur bis heute, allen Versuchen von Regierenden in der Berliner Republik zum Trotz, dies mit mal mehr, mal weniger gelungenen Gesten und Inszenierungen von Geschichte und Gegenwart vergessen zu machen.

          Vorsichtig und sinnvoll

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