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Terror in Syrien und im Irak : Wenn Kulturgut zur Schießscheibe wird

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An der Wiege unserer Zivilisation, in Syrien und im Irak, werden uralte Religionsgemeinschaften und das künstlerische Welterbe durch die Kämpfer des „Islamischen Staates“ gezielt vernichtet. Wie konnte es dazu kommen?

          Sesshaftwerdung des Menschen, Monumentalbauten um 10 000 vor Christus, Domestizierung der Haustiere, Selektion unserer Getreidesorten, kunstvolle Keramiken aus dem 6. vorchristlichen Jahrtausend, Metallverarbeitung, komplexe Verwaltung im vierten Jahrtausend vor Christus, Stadtentwicklung, Schrifterfindung um 3300 vor Christus, erste Großreiche, Wissenschaften wie Mathematik und Astronomie, Literatur und Poesie im 3. bis 1. Jahrtausend vor Christus - viele Errungenschaften unserer Zivilisation entwickelten sich im Nahen Osten, in dessen syrischen und nordirakischen, teils auch in libanesischen und palästinensischen Regionen die Konfliktherde liegen, die derzeit die Weltnachrichten beherrschen.

          Die Gebiete, die aktuell besonders von Terror überzogen werden, bildeten ehemals das Kernland des Assyrischen Reichs, das im siebten und achten Jahrhundert vor Christus bis Palästina und Ägypten reichte, bekannte Könige wie Sanherib, Sargon II. oder Assurbanipal hervorbrachte und im Wesentlichen zwischen der Stadt Arbil im Osten, dem Euphrat im Westen, dem Grenzland zur Türkei und der Region um Takrit im Süden lag. Politische und kulturelle Bedeutung erlangte die Region wieder in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten, als zunächst die Parther mit den Römern, später die Sassaniden mit den Byzantinern um die Grenzverläufe rangen. In dieser Zeit traten dort in großer Zahl Menschen zum Judentum und, ab dem dritten Jahrhundert nach Christus, zum Christentum über.

          Bedeutende Zeitzeugen

          Urfa, Nusaybin, Mossul, Arbil und Takrit waren wichtige Zentren des östlichen Christentums. Bis heute ist in der Region ein reiches christliches Erbe erhalten in Gestalt aktiver Gemeinden - und in vielen frühchristlichen archäologischen Stätten. Mehrere jahrtausendealte Überlandstraßen verlaufen dort. Historisch bedeutend war die südlichste Route der Seidenstraße, die, von Osten kommend, über Mossul nach Aleppo führte. Oder die „Königsstraße“, die von Iran in das anatolische Hochland und weiter in den Westen verlief. Handel, Kulturaustausch und gesellschaftliche Vielfalt prägten die Region und bescherten den Städten auch nach der islamischen Eroberung um 640 über viele Jahrhunderte Wohlstand.

          Alle Perioden hinterließen Spuren ihrer Siedlungs- und Kulturtätigkeit, meist in Form von Siedlungshügeln, die über Jahrtausende aus verfallener Lehmziegelarchitektur entstanden. Bauwerke und Städte der Römerzeit, der Spätantike und des islamischen Mittelalters sind beeindruckend gut erhalten - das berühmte Palmyra zählt dazu, ebenso Resafa und Raqqa in Syrien oder Hatra und Mossul im Irak. Bis vor drei Jahren forschten mehr als hundert ausländische und Dutzende syrischer Ausgrabungsteams in Nordsyrien. Im Nordirak war dies seit den achtziger Jahren durch die vielen Kriege nur noch selten möglich; bekannt sind aber allein im Kernland Assyriens etwa 1800 archäologische Stätten.

          Raubgräber und Terrorgruppen Hand in Hand

          Die lokale Bevölkerung weiß um den Wert der Siedlungshügel. Zahlreich sind aktuelle Berichte über engagierte und gelungene Schutzmaßnahmen durch die offiziellen Wächter und die Anwohner. Doch ebenso häufig erhält man Informationen über gezielte Zerstörungen - mit Bulldozern, Hacken und Schaufeln rückt man den verborgenen Siedlungen zu Leibe und zerstört dabei auf der Suche nach Verkäuflichem sämtliche Architekturreste und Befundzusammenhänge.

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