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Interview mit Daniel Richter : „Die meisten Maler sind doof“

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Daniel Richter ist einer der Superstars der neueren deutschen Malerei. Im Interview spricht er über seinen linksautonomen Hintergrund im Umfeld der Hafenstraße, die Beziehung zwischen Punk und Kunst und die Strukturen an deutschen Kunsthochschulen.

          So ungemütlich malt sonst keiner. „Irrsinnig nervtötend“ nennt er seine Bilder manchmal selber. Spätestens seit damit sechsstellige Auktionsergebnisse erzielt werden, gilt: Daniel Richter ist unter den beiden Superstars der neueren deutschen Malerei derjenige, der nicht aus Leipzig kommt. Richter, geboren 1962 in Eutin, Schleswig-Holstein, wohnt in Hamburg und arbeitet in Berlin. Er hat einen linksautonomen Hintergrund im Umfeld der Hafenstraße (er sagt: Hasenstrafe) und ein Medium, das gerade linken Kritikern als reaktionär gilt.

          Über beides kann er viel erzählen. Und über alles andere auch. Richter spricht schnell. Denn es gibt viel zu besprechen, und es gibt noch viel zu tun. In der Hamburger Kunsthalle lässt er gerade die Einbauten aus dem Ungers-Bau reißen, um Anfang Mai genug Platz zu haben. Es wird seine erste Retrospektive. Das Gesamtwerk bis heute. Das letzte Bild für Hamburg steht noch unfertig im Atelier. Aber wo fängt das alles eigentlich an?

          Der früheste uns bekannte Daniel Richter wäre das erste Plattencover der Punkband „Angeschissen“ von 1987: Gilt das schon als zum Werk gehörig?

          Nee, das gehört zum Privatier, aber nicht zum Künstler. Ich möchte, wenn ich ein Plattencover gestalte, dass es als Cover funktioniert und nicht als Kunstwerk von Daniel Richter.

          Auf „Lenin“ von den Goldenen Zitronen kam das neulich aber beides zusammen: das Gemälde „Lonely Old Slogan“, wo eine genietete Lederjackenparole zum Sternenstaub wird, und auf der Rückseite dasselbe Bild auf der Vernissage, davor die Galeristen in aufgekratztester Schampuslaune.

          Ja, das ist dann die Verzahnung von Subkultur, Mainstream, Warenhaftigkeit, Reflexion über eine Geste . . . Aber ich bin auch froh, wenn das für Leute funktioniert, die das nicht als Kunst wahrnehmen.

          Wie ist das denn, wenn man als Maler, der zu Höchstpreisen gehandelt wird, auf die Art-Basel-Seite der Kunstwelt gehört, wo, anders als zum Beispiel auf den Kontinenten der Documenta-Kunst, lieber über Werte und Trends geredet wird als über sogenannte Inhalte, und schon gar nicht über politische.

          In Basel ist natürlich die Erscheinungsform von Kunst die wahrste, die warenhafteste. Und der ganze Betrieb wird, das hört sich jetzt doof an, aber ich finde, er wird: dekadenter. Wenn ich all diese hysterischen Gesichter sehe, die Männer und die Frauen, die immer aufs Klo gehen, als ob sie auf dem Catwalk sind, mit so einem verkrampften New-York-Gesichtsausdruck, und das Geschniefe und die Schühchen und das Wissen, was man anhaben muss, und das ganze Das-kann-man-jetzt-gar-nicht-mehr-machen-Ding . . .: Die Entinhaltlichung, die das mit sich bringt, die ist definitiv schlimmer geworden.

          Aber damit habe ich selbst eigentlich gar nicht so viel zu tun. Und man muss ja unter Vorbehalt reden: Das ist bestimmt alles besser, als nur Uhren zu sammeln, Kinder zu schänden, Autos zu kaufen; es ist allemal besser, wenn sich die Leute wie die Blöden für Kunst interessieren, auch wenn es erst mal nur als Wertanlage ist, weil es bedeutet, dass sie, wenn sie dabeibleiben, in fünf, sechs Jahren auch das Gute vom Schlechten unterscheiden können. Das liegt im Wesen einer jeden sorgfältigen Beschäftigung. Und ob sie jetzt aus den falschen oder aus den richtigen Gründen dazu kommen, das ist mir egal, weil ich das ja noch nicht mal bei den meisten Künstlern weiß, aus was für Gründen die Künstler geworden sind.

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