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Im Gespräch: Olafur Eliasson : Leuchtet Berlin?

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Einer der berühmtesten Gegenwartskünstler lebt seit 16 Jahren in der deutschen Hauptstadt: Ein Gespräch mit dem Dänen Olafur Eliasson, dessen Ausstellung im Gropius-Bau eben mit großem Besucherandrang eröffnet wurde, über seine Wahlheimat.

          Warum leben und arbeiten Sie eigentlich in Berlin, Herr Eliasson?

          Olafur Eliasson: Ich bin 1994 hierhergekommen, und das hatte auch ganz pragmatische Gründe. Berlin ist nicht allzu weit von Kopenhagen entfernt, und das Sprechen über Kunst war hier besser vernetzt. Und ich habe mich in dieser Stadt als Künstler sofort willkommen gefühlt. Ich musste nicht ein Kasperle spielen, wie das anderswo oft der Fall ist. In Berlin fand Kunst nicht in einer Parallelwelt statt, ich hatte das Gefühl, ich stehe nicht außerhalb der Gesellschaft, ich bin gleich auf irgendeine Art und Weise dabei.

          Sie sind mit 27 Jahren nach Berlin gekommen. Waren Sie nie in Gefahr, sich in den hiesigen Cafés und im Nachtleben zu verlieren?

          Ja, das kann hier eine Gefahr sein, aber mein Gefühl war eher: Es sind so unglaublich viele Künstler hier, dass das auch eine Art von Ehrgeiz fördert, wo jeder seine eigene Signatur gegenüber dem Nächsten verschärfen will. Die hohe Dichte der Künstler stärkt die individuelle Position.

          Berlin ist also die ideale Stadt für Künstler.

          Ja, das heißt es ja immer, alle reden ja ständig darüber, wie toll das hier ist, wie unglaublich speziell, aber es gibt schon auch Probleme: Man sagt, es gibt 60.000 Künstler in Berlin, davon sind 6000 professionell und aktiv, 600 von ihnen international, und wiederum 60 sind sehr, sehr etabliert. Das bedeutet, es gibt eine sehr große Zwischenschicht von Künstlern, etwas älter als die ganz junge Gruppe, die sich nicht etablieren können. Das sind Leute, die vielleicht 35 sind, schon zwei bis drei Einzelausstellungen hatten, aber die Stadt bietet ihnen keine Infrastruktur, die sie weiterbringen würde. Die Stadt ist in diesem Sinn um ihre Kunstwelt herum schlecht organisiert. Wenn du ganz jung bist und dich etablieren willst, ist es gut – und wenn du sehr etabliert bist, so wie ich, ist es auch gut. Die Kuratoren aus dem Ausland wollen immer nur die ganz jungen oder die sehr berühmten Künstler sehen. Aber für die Zwischenschicht ist es sehr schwierig, dabei sind da viele unglaublich gute Künstler dabei. Da gibt es eine hohe Masse an Qualität, von der die Stadt auch extrem viel zurückkriegen könnte. Aber die Stadt hat sich einfach lange Zeit nicht seiner jungen Kunst gewidmet.

          Glauben Sie, Ihre Arbeiten wären anders, wenn Sie beispielsweise in Paris leben würden?

          Ja natürlich, definitiv. Aber es wäre ein Fehler zu sagen, dass meine Arbeit nur von Berlin beeinflusst wird. Ich bin nicht nur von Berlin inspiriert, ich bin von Und-so-weiter-und-so-fort inspiriert. Man könnte sagen: Berlin lässt wegen seiner verlangsamten Entwicklung einige Verhandlungsspielräume zu. Die Stadt ist ja immer noch verhältnismäßig weich in ihrem Umgang mit sich selber. Das hat zwar der bisherige stadtplanerische Aufwand zum Teil sehr begrenzt. So ist jetzt zum Beispiel der Potsdamer Platz nicht mehr besonders verhandlungswillig, der besteht schon ziemlich hart auf sich selbst und seiner eigenen Signatur. Aber die Verdichtung der Räumlichkeiten ist immer noch offen genug, dass man sich hineinquetschen und sich Raum für sich selber erkämpfen kann. Öffentlichkeit ist ja keine leere Hülle, sondern unsere Idee von Öffentlichkeit muss von allen Seiten ständig gewartet und kritisiert werden, damit die Werte, die wir uns für Öffentlichkeit wünschen, darin auch vorkommen. Ich sehe noch großes Potential in dieser Stadt, in die nicht alle Intentionen schon hineingemeißelt sind.

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