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Ida Gerhardi in Oldenburg : Die Entdeckerin von Paris

  • -Aktualisiert am

So wie die anderen Malerinnen der Moderne wurde auch Ida Gerhardi aus dem Kanon gestrichen. Eine großartige Schau in Oldenburg will das ändern.

          Frauen malen schlechter als Männer. Diesen Satz würde kein Museumsdirektor sagen, noch weniger schreiben. Im Gegenteil. Ganz traurige Gesichter können einige Direktoren ziehen, wenn das Thema Künstlerinnen aufkommt, und fast nie endet ein solches Gespräch ohne tiefes Bedauern: Leider, heißt es dann, habe es früher nur wenige Künstlerinnen gegeben, sie durften ja nicht auf die Akademien (betroffenes Schweigen). Das wäre schlimm, aber (jetzt fast zornig) die Geschichte könne man doch nicht ändern!

          Nun, diese Behauptung ist falsch. Richtig ist, dass es weniger Frauen als Männer in der Kunstgeschichte gibt, und richtig ist auch, dass sie Akademieverbot hatten. Falsch ist aber, dass es nur so wenige Frauen gab, wie heute in Museen und Ausstellungen gezeigt werden. Die Frauen der Moderne, die damals mit den Männern ausstellten, werden erst jetzt aus dem Kanon gestrichen. Ein Beispiel? „1912 - Mission Moderne“, die aktuelle Schau des Wallraf-Richartz-Museums anlässlich des Jubiläums der Sonderbundausstellung in Köln. 1912 stellten Frauen mit aus, 2012 sind alle, und zwar restlos, verschwunden. Der Katalog verrät, dass es schwierig gewesen sei, einige Gemälde zu identifizieren. Es hätte viele Möglichkeiten gegeben, in der Ausstellung darauf hinzuweisen, in Köln nutzt man keine. Die Wiederaufführung der Revolution wird so zur Regression.

          Einer Silberader folgend

          Ärgerlich, oder? Wer sich nicht ärgern möchte, sondern freuen, der sollte nach Oldenburg fahren, ins Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte. Dort kann man Werke von, immerhin, zwei Künstlerinnen sehen, die in Köln fehlen: von Paula Modersohn-Becker und Ottilie W. Roederstein. Aber vor allem sind diese Malerinnen Teil einer wunderbaren Schau mit dem Titel „Ballrausch und Farbenpracht. Ida Gerhardi in Paris“. Zuvor wurde die Ausstellung in der Städtischen Galerie Lüdenscheid gezeigt, nun gastiert sie in veränderter Form in Oldenburg: fast achtzig Werke, überwiegend von der 1862 geborenen Malerin Gerhardi, die anderen von Künstlerinnen in ihrem Umfeld.

          Gut ist die Oldenburger Schau nicht nur, weil es viele gute Bilder zu sehen gibt - darunter auch sehr gute und ausgezeichnete. Gut ist sie auch deshalb, weil sie auf einen Schlag drei gängige Vorurteile widerlegt, die so verlässlich beim Thema Frauen und Kunst wiederkehren, als lebten wir noch immer 1905 (in diesem Jahr sorgte der Historienmaler Anton von Werner dafür, dass die Petition zur Aufnahme von Frauen an die Berliner Königliche Akademie der Künste abgelehnt wurde). Gut, also jetzt, mit Gerhardi gegen die Vorurteile.

          Erstes Vorurteil: Es gibt nur wenige Frauen in der Kunstgeschichte.

          Wie gesagt, früher waren es mehr als heute. Die Oldenburger Schau geht über diese Einsicht hinaus. Sie funktioniert wie eine Mine, in der man einer Silberader folgt, um auf eine weitere zu stoßen, und die einfache Regel lautet: Wo es eine Künstlerin gab, waren meist noch mehr. Ida Gerhardi ist dafür ein hervorragendes Beispiel. Geboren wurde sie in Westfalen, als Tochter eines Arztes, der starb, als Gerhardi noch ein Mädchen war. Sie besucht eine Höhere Töchterschule, erhält dort Zeichenunterricht und will Kunst studieren. Ihr Wunsch führt sie zuerst München, zur Damenakademie des Künstlerinnen-Vereins; 1891 geht sie nach Paris, an die private Académie Colarossi.

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