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Hubert de Givenchy Der königliche Schneider

20.02.2007 ·  Greta Garbo, Grace Kelly, Jackie Kennedy oder die Herzogin von Windsor haben seine Kleider getragen. Sein berühmtestes Modell aber war Audrey Hepburn: Dem Modeschöpfer Hubert de Givenchy zum achtzigsten Geburtstag.

Von Felicitas von Lovenberg
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In einer anderen Zeit wäre Hubert de Givenchy womöglich Bildhauer geworden, hätten seine in Stein gemeißelten Porträts die Kathedralen, Museen und Galerien geschmückt. In seiner Zeit - 1952 eröffnete Givenchy in Paris sein erstes eigenes Geschäft, 1953 richtete er Dependancen in Zürich, Rom und Buenos Aires ein, 1954 kleidete er Audrey Hepburn als „Sabrina“ ein, die ihn 1957 zu seinem ersten Parfum, dem unwiderstehlichen „L'Interdit“, inspirierte, in den siebziger und achtziger Jahren diversifizierte er das Unternehmen Société Givenchy-Couture, 1988 verkaufte er es an den Luxusgüterkonzern Louis-Vuitton-Moët-Hennessy, 1995 nahm er als alleiniger Modeschöpfer seinen Abschied - war er ebenfalls eine Art Bildhauer, und seine aus fließendem statt festem Material geschneiderten, persönlichkeitsunterstreichenden Roben und Kombinationen haben durch das Bespiel so berühmter Frauen wie Greta Garbo, Grace Kelly, Jackie Kennedy oder der Herzogin von Windsor Eingang gefunden in die Schränke der Modekenner, in die Museen und Fotogalerien, in das kollektive Gedächtnis des guten Geschmacks.

Einem Stoff Leben einzuhauchen, ihm Gestalt zu verleihen war die noble Inspiration von Givenchys Tun - und das Geheimnis seiner Kunst. Eine Linie zu betonen, die die Haltung unterstreicht wie der sich hebende Rocksaum einer Figur von Cellini oder Riemenschneider und anhand einer monochromen, gern kräftigen Farbe den Charakter der Trägerin herauszustellen, anstatt sie mit Dekorationen und Mustern zu überladen, verstand er wie kein anderer Modeschöpfer. Sinnbild dieser schnörkellosen Eleganz ist das strenge schwarze Etuikleid, das Audrey Hepburn in „Frühstück bei Tiffany“ (1961) trug: Bei einer Auktion im vergangenen Jahr wurde es zum teuersten Kleid aller Zeiten.

Unverkennbare Entwürfe

Menschen, die den Eindruck vermitteln, sie hätten es nicht nötig - sei „es“ ein Brotberuf, gesellschaftlicher Status oder einfach jeglicher Rummel um ihre Person -, ziehen unweigerlich Aufmerksamkeit auf sich und vergrößern dadurch noch die Kluft zwischen ihnen und dem sich selbst hinterherrennenden Rest der Welt. Die Faszination solcher Figuren wird umso größer, wenn nicht Dünkel oder Wurschtigkeit, sondern ein Selbstverständnis dahintersteht. Hubert de Givenchy, der heute seinen achtzigsten Geburtstag feiert, machte nie den Eindruck, als habe er die Mode selbst nötig - und umso nötiger hatte diese ihn. Die tiefe Sehnsucht nach Kleidung, die Lässigkeit und Angezogensein verbindet, wird in den aktuellen Kollektionen allenthalben deutlich, wo Trichterkragen und Etuikleider, weite Ärmel, weiße Blusen und knallige Farben von Kopf bis Fuß - unzulänglich - Anleihe zu nehmen versuchen bei Givenchys unverkennbaren Entwürfen.

Er fand eine im besten Sinn aristokratische Mischung aus Traditionsbewusstsein und der Freiheit, alles, was einmal war, gänzlich hinter sich zu lassen. Freiheit meinte bei Givenchy aber stets auch Bewegungs- und Gedankenfreiheit. Schulterpolster oder Einlagen, die einem Stoff oder der Silhouette der Trägerin Zwang antun, waren ihm ein Greuel. Das Handwerk lernte er bei Jacques Fath, Lucien Lelong, Robert Piguet und Elsa Schiaparelli, doch sein größter Lehrmeister war Cristóbal Balenciaga - der spanische Magier der Opulenz lehrte ihn, dass Ebenmaß und Schönheit in der Proportion liegen.

Hubert de Givenchy, dessen weißer Arbeitskittel, in dem er sich am Ende seiner Defilés stets verbeugte, nur ein Ausdruck seiner Bescheidenheit und Zurückhaltung war, hat den Respekt vor dem Eigenleben der Menschen und Dinge nicht nur in seinen Kollektionen bewahrt. Wie sehr er sich etwa auf das Einrichten von Häusern und das Anlegen von Gärten versteht, zeigten 1993 eine Auktion mit Teilen seiner erlesenen Sammlung von Möbeln und Kunstwerken des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts - und der „potager du Roi“, der Gemüsegarten Louis XIV. in Versailles, den Givenchy 1996 wiederbelebt hat. Seitdem indes der Grandseigneur, der auch zum „tailleur du Roi“ taugen würde, nicht mehr selbst für jeden Stoff und jeden Schnitt verantwortlich zeichnet, ist die Mode, die seinen Namen trägt, tot. Weder John Galliano noch Alexander McQueen noch Julien MacDonald konnten seine Nachfolge mehr als behaupten. Aus heißer Luft hat eben noch keiner Skulpturen geschaffen.

Quelle: F.A.Z., 20.02.2007, Nr. 43 / Seite 31
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