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Münzmuseum : Von Sparstrümpfen und Frauenrechten

  • -Aktualisiert am

Feinmechanik der Wertschöpfung: Historische Prägewerkstatt im Pariser Musée de la Monnaie. Bild: Gilles Rigoulet/hemis.fr/laif

Die Münze lebt: In Paris öffnet das Hôtel de la Monnaie einen neuen, spektakulären Gebäudekomplex. Ein Besuch lohnt sich.

          Die Briten haben alles falsch gemacht. Zwischen 1809 und 1975 befand sich die Royal Mint in einem Gebäudekomplex nahe dem Tower of London. Nach der Auslagerung der Produktion nach Wales wurde das Hauptgebäude der Königlichen Münzprägeanstalt, das monumental-antikisierende Johnson Smirke Building, in den 1980er Jahren außen entstellt und innen fast völlig zerstört. Auf der Hinterseite durch zwei maßstabslos massige Neubauten flankiert, beherbergte es nunmehr leerstehende Büros. Ein ambitiöses Renovationsprojekt will jetzt alle Gebäude auf dem gut zwei Hektar großen Grundstück auf den Stand des 21. Jahrhunderts bringen. Doch vermag der von Baulöwen getragene Plan nicht darüber hinwegzutäuschen, dass nichts vor Ort mehr an die einstige Bestimmung des Areals erinnern wird und das denkmalgeschützte Gebäude eine rein kommerzielle Bestimmung erhalten soll: Neben einem Restaurant und einer Bar wird es ausschließlich Büros beherbergen.

          Die Franzosen haben ihrerseits alles richtig gemacht. Ihre Münze hat viel gemein mit jener der Briten: Sie wurde in etwa der gleichen Zeit erbaut, sie liegt ebenfalls im Herzen der Hauptstadt, und das Gros der Produktion wurde auch hier in den 1970er Jahren in die Provinz ausgelagert. Jetzt konnte das „lebende Münz-Museum“ dem breiten Publikum erstmals zugänglich gemacht werden. „Lebend“ deshalb, weil vor Ort noch 288 Mitarbeiter tätig sind, die Sammlermünzen, Medaillen und Ähnliches herstellen – und dabei hinter Glas beobachtet werden können! Fassen wir es zusammen: Im Gegensatz zur Londoner Münze gehört jene in Paris nach wie vor dem Staat, ihre Bausubstanz und ihre Bestimmung wurden bewahrt, die kunsthistorisch bedeutendsten Interieurs können besichtigt werden, ein Museum präsentiert die Sammlung und Geschichte der Institution. Die Franzosen haben wirklich alles richtig gemacht.

          La Monnaie de Paris, das ist zunächst ein königlicher Repräsentationsbau in bester Lage. Die Münze liegt am linken Seineufer direkt neben dem Institut de France und fast gegenüber der Cour carrée des Louvre am andern Ende des Pont des Arts. Zugleich schlicht und erhaben, massiv und wohlproportioniert, stellt das 1769 bis 1775 durch den Architekten Jacques-Denis Antoine erbaute Hôtel de la Monnaie eines der frühesten Zeugnisse des Louis-XVI-Stils dar.

          Gut zwei Jahrhunderte lang war den Bewohnern wie Besuchern der Hauptstadt verborgen, was hinter dieser Fassade liegt. Erst die schrittweise Umnutzung des Komplexes seit 2009 machte das Areal zugänglich. Im Rahmen von Wechselausstellungen mit zeitgenössischer Kunst erhielten Besucher so erstmals Zutritt zur Ehrentreppe und zum großen Salon – zwei Prunkstücken des Hôtel de la Monnaie. 2015 bezog der Dreisternekoch Guy Savoy auf der Beletage eine Raumfolge westlich der Ausstellungssäle.

          Die Eröffnung eines neuen Münz-Museums macht jetzt einen weiteren Teil des Komplexes zugänglich. So führt der Weg zum Museumseingang über das spektakuläre Vestibül und den nicht minder eindrucksvollen halbkreisförmigen Ehrenhof. Damit nicht genug, wird bald ein Netz von Fußgängerwegen durch weitere Höfe, Passagen und Galerien hindurch das Areal mit dem umliegenden Viertel verbinden. So entsteht bis 2018 eine neue, frei zugängliche Promenade.

          Das Museum präsentiert auf zweitausend Quadratmetern ebenso viele Exponate. Zum Auftakt stellt ein enger, rabenschwarzer Raum die dem Innern der Erde entrissenen Grundstoffe vor, aus denen Münzen und Medaillen hergestellt werden. Jeweils eine Vitrine mit Texttafel liefert hier Anschauung und Informationen zu den Metallen und Legierungen Aluminium, Bronze, Eisen, Gold, Kupfer, Nickel, Platin, Silber, Zink und Zinn. Clou ist ein historisches Exemplar des Urmeters aus Platin.

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