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Holocaust-Mahnmal : Was soll man gegen tiefe Falten haben?

  • -Aktualisiert am

Risse über Risse: Die Beton-Stelen des Holocaust-Mahnmals in Berlin brauchen seit zwei Wochen Manschetten. Die dünnen Öffnungen sind allerdings kein neues Problem.

          Vor zwei Jahren hat der Architekt Peter Eisenman guten Beton mit weißem Trüffel verglichen, den nur Pragmatiker verschmähen: „Wenn Sie in ein Restaurant gehen und wollen weiße Trüffel, dann kostet es 100 Euro, und Sie sagen, ach, vielleicht brauche ich die ja nicht, und nehmen die günstigeren.“ Den Unterschied zwischen weißen und herkömmlichen Trüffeln schmecken Kenner sofort, der Unterschied zwischen gutem und schlechtem Beton ist zwar nach längerer Zeit, dann aber auch sofort sichtbar.

          Seit Jahren sind viele Stelen des von Peter Eisenman entworfenen Holocaust-Mahnmals in Berlin von Rissen durchzogen. Sie sind dünn, manche sogar nur haarfein. Aber sie ziehen sich durch den Beton wie Blitze. Eine kalkhaltige Flüssigkeit dringt nach außen und rinnt in langen, hässlichen Bächen nach unten. Dass die Stelen, gemessen an Eisenmans Trüffel-Vergleich, nur Nullachtfünfzehn-Qualität aufweisen, ist evident. Doch dass sie Manschetten brauchen, um nicht auseinanderzufallen, ist neu: Seit rund zwei Wochen werden zwei von zentimeterbreiten Eisenringen umklammert.

          Thermische Spannung, Hitze und Frost - alles unvermeidlich

          “Die Manschetten sind nur probeweise und Teil des Gutachtens“, sagt die Sprecherin der „Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas“. Seit 2009 lässt die Stiftung gerichtlich klären, was die Gründe für die Schäden sind, wer verantwortlich ist und wie die Mängel beseitigt werden können. Die ersten Risse traten bereits ein Jahr nach der Eröffnung des Mahnmals 2005 auf. Wie viele Stelen betroffen sind, ist unklar. Es kursieren Zahlen zwischen 1900 und 2300 der insgesamt 2711 Stelen. „Diese Stützmaßnahme wird nur bei Stelen eingesetzt, die einsturzgefährdet sind“, sagt die Sprecherin. Wie viele noch solche Manschetten benötigten, dürfe sie nicht sagen.

          Zwei korsettierte Stelen sind nicht viel. Da man aber annehmen darf, dass fast alle aus demselben Beton gefertigt wurden, ist es nur eine Frage der Zeit, bis weitere hinzukommen.

          “Davon gehe ich aus“, sagt Joachim Schulz, Lehrbeauftragter an der Beuth Hochschule für Technik Berlin und Gutachter von Betonschäden für die Industrie- und Handelskammer. Schon 2008 hatte er für die Zeitschrift „Cicero“ das Holocaust-Mahnmal und dessen Risse eingeschätzt. Thermische Spannung, Hitze, eindringendes Wasser und Frost - all das werde sie unvermeidlich machen. „Es kann jetzt nur darum gehen, die Rissbreite zu beschränken“, sagt er. „Auf lange Sicht sind solche Manschetten der einzige Weg, das Mahnmal vor dem Einsturz zu bewahren.“

          Ob die Risse auf falsche Sparsamkeit, Ausführungs- oder Planungsfehler zurückgehen, wird das Gericht klären. Noch ist nicht abzusehen, wann das Verfahren abgeschlossen ist, die Sanierung beginnt und wie diese erfolgt. Peter Eisenman, diesmal für eine Stellungnahme nicht erreichbar, hat sich 2010 geäußert: Einem Dementi ( „Ich habe keine Risse gesehen, der Beton sieht fabelhaft aus“) folgte der Vergleich mit menschlichem Altern: „Wir haben Falten in unseren Gesichtern. Was ist so schlimm an den Rissen?“

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