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Holbein-Madonna Deutschlands teuerstes Kunstwerk

Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat der schwäbische Unternehmer Reinhold Würth die Schutzmantelmadonna von Hans Holbein gekauft. Eines der bedeutendsten Altmeistergemälde der Welt bleibt für eine Rekordsumme in Deutschland.

© Florian Manz Vergrößern Diese Himmelskönigin ist wahrhaftig teuer: die Schutzmantelmadonna des Hans Holbein, gemalt 1526 bis 1528

Die Holbein-Madonna ist verkauft. Heute hat der deutsche Unternehmer Reinhold Würth den Vertrag unterzeichnet, der ihn zum Eigentümer eines der schönsten und bedeutendsten Altmeistergemälde der Welt macht. Damit endet ein jahrelanges Ringen um das Meisterwerk von Hans Holbein dem Jüngeren, der darauf zwischen 1526 und 1528 neben der Jungfrau mit dem Kind die Familie des Basler Bürgermeisters Jakob Meyer „zum Hasen“ dargestellt hat. Die Schutzmantelmadonna, die im Rang neben Raffaels „Sixtina“ in Dresden steht, hängt derzeit als Leihgabe im Frankfurter Städel, während des aktuellen Umbaus als Herzstück der Schau „Chronologie der Bilder“.

Seit 2002 war die Verkaufsabsicht des Adelshauses Hessen, dessen Hausstiftung das Gemälde gehört, bekannt, und seither wurden Verhandlungen geführt mit dem Ziel, das Bild, das zuvor im Schlossmuseum Darmstadt beheimatet war, für das Land Hessen zu erhalten. Zuletzt konnte ein Konsortium um Max Hollein, den Direktor des Städels, vierzig Millionen Euro aus öffentlichen und privaten Mitteln für die Madonna anbieten.

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Das reichte der Erbengemeinschaft, nämlich Donatus Prinz von Hessen und seinen drei Geschwistern, nicht. Um die festgefahrene Situation zu beenden, versuchte in den vergangenen zwei Monaten der Kunstvermittler Christoph Graf Douglas, der für das Adelshaus Hessen agierte, eine öffentlich-private Partnerschaft für den Erwerb der Madonna zustande zu bringen. Es war die Idee von Douglas, den schwäbischen Großindustriellen und Kunstsammler mit dem Städel in ein gemeinsames Boot zu holen, um die finanzielle Lücke zu füllen.

Holbein-B2 © dpa Vergrößern Er hat die Holbein-Madonna gekauft: Reinhold Würth, hier in dem von ihm finanzierten Kunstmuseum im elsässischen Erstein

Die Haltung der hessischen Landesregierung

Ehe eine solche Partnerschaft – mit all ihren Implikationen für beide Seiten – ausverhandelt war, entschloss sich Reinhold Würth jedoch, im Alleingang der Vorstellung der Erbengemeinschaft weitestgehend entgegenzukommen. Der Kaufpreis, auf den man sich schließlich einigte, wird nicht bekanntgemacht. So viel ist sicher: Es handelt sich mit weitem Abstand um die höchste Summe, die jemals in Deutschland für ein Kunstwerk bezahlt wurde, und weltweit um den zweithöchsten Preis, der je für einen Alten Meister bekannt wurde – nach Rubens’ „Bethlehemitischem Kindermord“, den der kanadische Medienmogul David Thomson für 45 Millionen Pfund (damals gut siebzig Millionen Euro) 2002 in London ersteigerte. Erst in der vergangenen Woche wurde, wieder in London, mit dem Zuschlag bei 23,8 Millionen Pfund (26,4 Millionen Euro) eine Venedig-Vedute von Francesco Guardi kurzzeitig zum zweitteuersten Altmeister. Es ist zu vermuten, dass der Preis für die Holbein-Madonna im Bereich des Doppelten dieser Summe liegt.

Freilich ist es zutiefst bedauerlich, dass dieses singuläre Werk nicht in den Besitz der Öffentlichkeit übergeht. Frankfurt wäre zweifelsohne der geeignete Ort für die Madonna gewesen, womöglich im Wechsel mit Darmstadt. Dabei spielte gewiss auch die Haltung der hessischen Landesregierung eine Rolle, die zu keinem weiteren finanziellen Entgegenkommen bereit war, um Hollein den Ankauf für das Städel zu ermöglichen. Das kann man angesichts der ökonomischen Lage verständlich finden, aber auch für kurzsichtig halten.

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