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Bezahlbares Wohnen in Berlin : Im Labor der Metropolen von morgen

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Das Haus passt sich seinen Bewohnern und ihren wandelbaren Lebensumständen an: Wohnung in der Flottwell Zwei. Bild: Andrew Alberts

Wie man herausfindet, was ein Haus zum offenen Haus macht: Die Berliner Architekten Heide & von Beckerath verändern mit ihren bezahlbaren Wohnbauten unser Bild vom Stadtleben.

          Wer mit der Straßenbahn vom Rosenthaler Platz über die Landsberger Allee, die hier einst Leninallee hieß, in Richtung Osten fährt, der erkennt schon an den Menschen, die an den Haltestellen ein- und aussteigen, dass er sich allmählich hinausbewegt aus der jungen, prosperierenden, hippen Mitte Berlins. Im Ortsteil Fennpfuhl angekommen, gelangt man über die Paul-Zobel-Straße in einen unwirtlichen Hof, an allen vier Seiten umsäumt von hohen, abweisenden Plattenbauten. Noch vor rund einem Monat war es hier gemütlich-schläfrig. Ein freundlicher alter Herr mühte sich, von seiner Tochter gestützt, die Straße entlang, eine Frau führte ihren Yorkshire-Terrier spazieren in einer kleinen Grünanlage, in der verwaist eine Schaukel darauf wartete, gebraucht zu werden. Doch mittlerweile ist es vorbei mit der beschaulichen Ruhe, die Gegenwart ist auf großen Bauwagen lautstark hineingerollt in die Siedlung.

          Manchmal muss man weit fahren, um eine Architektur zu entdecken, die wirklich neu ist. Manchmal sind es gerade die unscheinbaren Orte, an denen im Kleinen erprobt wird, wie ein vielfältiges, lebendiges Stadtleben jenseits von überteuerten, wärmedämmverputzten Bettenburgen, jenseits der ganzen Stararchitektur und der überholten Wohnkonzepte vielleicht doch noch gelingen kann: so wie hier. Auf viertausend Quadratmetern Brachland wird neuer, verhältnismäßig günstiger Wohnraum geschaffen, den Deutschland, den Berlin dringend braucht.

          Die Howoge, eine von sechs städtischen Wohnungsbaugesellschaften, lässt im Hof zwei achtgeschossige Mietshäuser mit rund siebzig Wohnungen errichten, von denen ein Drittel als staatlich geförderter Wohnraum dienen soll, mit Einstiegsmieten ab 6,50 Euro pro Quadratmeter und durchschnittlich zehn Euro im frei finanzierten Teil. Generalplaner ist das Berliner Architekturbüro Heide & von Beckerath, dessen Partner Tim Heide und Verena von Beckerath ihre Mission formulieren, als wollten sie der Mainstream-Architektur deutscher Groß-und Mittelstädte den Kampf ansagen: „Wir versuchen immer mit dem Minimum zu arbeiten. Nicht mit dem Meisten und Größten. Es geht uns darum, wie man mit wenig Raum und unter beschränkten Umständen Großzügigkeit erreichen kann.“

          Experimente am Konzept des offenen Hauses

          Wohl aus diesem Grund nahm die Architekturtheoretikerin Florentine Sack einige der von Heide & von Beckerath bereits realisierten Projekte in ihr zwar spirituell unterfüttertes, aber dennoch wegweisendes Buch „Open House 2“ auf, das soeben im Jovis Verlag erschien und in dem sie Gestaltungskriterien für eine Architektur der Zukunft vorschlägt. Wenn wir die Zentren unserer Großstädte nicht zu abweisenden Gated Communitys und begehbaren Rendite-Maschinerien verwandeln wollen, in denen alles, was sie ausmachen sollte, keinen Platz hat – Buntheit, Durchmischung, Begegnung, Kreativität, Freiheit –, dann braucht es mehr offene Häuser. Was aber macht ein Haus zum offenen Haus?

          Immer schön flexibel bleiben: Raumhohe Schiebeelemente funktionieren zugleich als Türen und Wände.

          Machen wir uns auf die Suche. Beginnen wir bei einem anderen Berliner Projekt am Gleisdreieck, südlich des Potsdamer Platzes: Hier steht auf einem kleinen Grundstück mitten in einem aus dem Boden gestampften Neubaugebiet ein anderes Haus der Berliner Architekten, ein Projekt einer Bauherrengemeinschaft. Das achtgeschossige Gebäude von 2011 markiert den Beginn einer Entwicklung, die mit vielen Konstanten bis in das noch zu realisierende Projekt in Lichtenberg führt und in deren Verlauf die Architekten mit einfachen, aber wohldurchdachten Mitteln immer wieder am Konzept des offenen Hauses experimentierten.

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