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Hamburger Kunsthalle : Ein Königreich für einen Palazzo

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Von heute an schreitet man die großzügige Marmortreppe hinauf: die Hamburger Kunsthalle in neuem alten Glanz. Bild: dpa

Auf nach Hamburg: Nach umfangreicher Sanierung ist die Kunsthalle wieder geöffnet. Mitreißende Gemälde machen dieses Museum einzigartig.

          Wer an diesem Wochenende die wiedereröffnete Hamburger Kunsthalle betritt, steht plötzlich inmitten der Pracht des Gründungsbaus. „Plötzlich“, weil dieser Eingang fast hundert Jahre nicht mehr benutzt worden ist. Der erste legendäre Kunsthallendirektor Alfred Lichtwark persönlich hatte zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts den Haupteingang des Museums Richtung Bahnhof verlegt, dem heutigen Hauptbahnhof, eine Anbindung, die ihm großstädtischer, mondäner, moderner erschien. Dafür ließ er zudem einen Erweiterungsbau errichten. Der Nachteil war jedoch, dass sich die Besucher seitdem durch dunkle Gänge und Räume schlängeln mussten, bis sie bei der Kunst ankamen.

          Von heute an betritt man das Museum durch eine gläserne Drehtür und schreitet die alte großzügige Marmortreppe hoch, flankiert von bunten Pilastern, geschnitzten Dekors und vergoldeten Stuckornamenten. Die Wände wurden gelb gestrichen, freigelegt ist nun auch der geometrisch gemusterte wunderschöne Terrazzoboden. Wovon die Hamburger Bürgerschaft träumte, als sie sich 1869 endlich dieses öffentliche Museum schenkte, kann wieder besichtigt werden: Man wünschte sich einen Palazzo! Die Mimikry an das Fürstliche und Festliche war Ausdruck des Bürgerstolzes, der Selbstermächtigung. Die schmuckreiche Fassade griff den Stil der italienischen Renaissance auf, und die Lage des Kunstmuseums war mit Bedacht gewählt: Vom Eingang aus ließ sich auf die Alster blicken, was wieder der Fall ist, nur dass vor zwanzig Jahren als Gegenüber die Galerie der Gegenwart für die zeitgenössische Kunst hinzugekommen ist, die ein Tunnel mit dem Altbau verbindet.

          Die Atmosphäre ist wohnlicher geworden

          Anlässlich der Sanierung und Neugestaltung des Museums, die eine Spende von 15 Millionen Euro der Dorit und Alexander Otto-Stiftung möglich machte, ist auch die Sammlung neu gehängt worden. Gleich im ersten Raum setzt der Kunsthallendirektor Hubertus Gaßner auf Kontraste: Der schwelgerische Aufgang führt direkt zum White Cube der Moderne, zu den bunten und lichten Abstraktionen von Sam Francis, Hans Arp oder Ernst Wilhelm Nay. Dieser heitere Empfang erinnert auch daran, dass der Purismus der Moderne am schönsten als Gegensatz wirkt. Allein kann er so eintönig sein wie der Historismus zuckrig. Dass der fast zehn Meter breite „Einzug Kaiser Karls V. in Antwerpen“ von Hans Makart, der wegen seiner Größe nicht bewegt werden kann, hinter einer Gipswand verschwunden ist, werden die wenigsten bedauern.

          Der Kuppelsaal schimmert in raffinierter Beleuchtung.

          Was hat sich noch verändert? Es gibt die Neuerungen, die nicht ins Auge springen, aber dringend notwendig waren: ein modernes Belichtungssystem, eines für die Belüftung der Bilder, außerdem mehr Ausstellungsplatz, es hängen etwa hundert Gemälde mehr als zuvor. Die Alten Meister betrachten die Besucher nun von einem geräucherten Eichenparkett aus, die Wände sind dunkelblau, in weiteren Sälen auch hellgrau oder dottergelb. Die Hängung, die durch siebenhundert Jahre Kunstgeschichte führt, ist chronologisch, wobei innerhalb dieser Abfolge thematische Räume geschaffen wurden Die Atmosphäre ist wohnlicher geworden, wozu die schweren Sitzbänke mit ihren dicken Löwentatzen passen, die Karl Friedrich Schinkel einst entwarf und die nachgegossen worden sind.

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