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Documenta in Kassel : Der Chor der Kuratoren

Adam Szymczyk (r.), der künstlerischer Leiter der Documenta 14, mit den Kuratoren der Ausstellung auf der Bühne in Kassel Bild: dpa

Den künstlerischen Leiter der Documenta, Adam Szymczyk, kennt inzwischen jeder. Aber wer zieht im Hintergrund die Strippen? Ein Gruppenporträt.

          In den letzten Jahren schienen Kuratoren von Großausstellungen eine Rolle zu übernehmen, die bislang Schriftstellern und Philosophen zukam: die des öffentlichen Intellektuellen, von dem gültige Aussagen zum Zustand der Welt und den Themen von morgen erwartet werden. So kommt es, dass die Documenta 14 bisher vor allem das Gesicht ihres künstlerischen Leiters Adam Szymczyk trägt, obwohl dieser im Vergleich zu seiner Vorgängerin Carolyn Christov-Bakargiev wie ein Bartleby wirkt, der lieber nicht vor die Mikrofone und Kameras tritt.

          Kolja Reichert

          Redakteur im Feuilleton.

          Tatsächlich weist einiges darauf hin, dass der 1970 geborene, in der Warschauer Kunstszene der achtziger Jahre sozialisierte Kunsthistoriker, der zuvor die Kunsthalle Basel leitete, in seiner Doppeldocumenta weit weniger bestimmt hat, als man denken mag. Seine folgenreichste Geste war, neben der Entscheidung, die Weltkunstschau in Athen beginnen zu lassen, die Einberufung eines Teams höchst unterschiedlicher Kuratoren, die alle ihre eigenen Interessen und Handschriften mitbrachten.

          Aufbrechen, wie man in Gesellschaft zu leben lernt

          Da ist der Belgier Dieter Roelstraete, der sich als Kunstkritiker und als Kurator des Antwerpener Museums für zeitgenössische Kunst einen Namen machte, bevor er am Chicagoer Museum für zeitgenössische Kunst etwa die große Ausstellung von Kerry James Marshall im letzten Jahr mitorganisierte. Er verließ Chicago zusammen mit seiner ebenfalls ins Documenta-Team berufenen Frau Monika Szewczyk, die zuvor Kuratorin am David Logan Center for the Arts war. Wirkt Szymczyk wie der Bassist einer Indierock-Formation, so erinnert Roelstraete, zwei Meter hoch, langhaarig und bekannt für rasante Vorträge, an den Gitarre spielende Frontmann einer Schweinerock-Band.

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          Roelstraete hat dafür gekämpft, den Nachlass Cornelius Gurlitts in der Neuen Galerie in Kassel zu zeigen, was Kulturstaatsministerin Monika Grütters offenbar nicht geheuer war. Raubkunst und Restitution wurden in Roelstraetes Hand umso mehr zu zentralen Themen dieser Documenta, etwa mit Maria Eichhorns Arbeit für Kassel. Und da ist Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, 1977 in Kamerun geboren, eine zentrale Stimme im deutschen postkolonialen Diskurs und Gründer des Berliner Ausstellungsraums Savvy Contemporary, der ein politisches Programm mit vielen afrikanischen Positionen zeigt. Ndikung hat den Maler El Hadji Sy eingeladen, eine zentrale Figur der senegalesischen Kunstszene, und den vierzigjährigen, in Berlin lebenden Emeka Ogboh aus Nigeria, der in Kassel ein selbstgebrautes Schwarzbier vorstellt. Außerdem verantwortet Ndikung die Ausweitung der Documenta auf zahlreiche Klangkunst- und Hörspielproduktionen, die auf Radiosendern auf der ganzen Welt laufen – diese Woche auf RURUradio im indonesischen Jakarta.

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