15.07.2008 · Wieder einmal ist der Londoner Graffitti-Künstler Banksy enttarnt worden. Schon im Mai 2007, im November 2007 und Anfang des Jahres war das passiert, und jedesmal war es ein anderer. Diesmal ist es ein eher brav wirkender Herr im blauen Hemd.
Von Niklas MaakDas Ungeheuer von Loch Ness hat einen Nachfolger; er heißt Banksy. Wie das Seeungeheuer hat ihn noch niemand gesehen, aber viele sehen in immer kürzeren Abständen jemanden, den sie mit Sicherheit für ihn halten. Banksy ist, im Gegensatz zu Nessie, noch keine fünfzig Jahre alt; er treibt sein Umwesen in London, ist der wohl berühmteste Sprayer der Stadt, wurde durch phantasievolle, anarchische Graffitti bekannt und hatte bald auf dem internationalen Kunstmarkt eine Fangemeinde, zu der auch Brad Pitt und Angelina Jolie gehören.
Dass keiner den Sprayer je zu Gesicht bekam, dass seine Kunstwerke rechtlich immer noch als Vandalismus gelten, gibt der Sache den Kick, den der gelangweilte Kunstmarkt so liebt. Im November 2007 spielte das Londoner Auktionshaus Bonhams eine halbe Million Pfund für zehn Lose des sogenannten Guerrilla-Künstlers ein. Ein echter Renegat, ein Robin Hood der Stadtpoetisierung, einer, der nicht auf Vernissagen Champagner wegkübelt und den Leuten mit seinen Theorien auf die Nerven geht, wo gibt es das noch! Alle lieben Banksy, auch, weil man ihn nicht treffen kann.
Als besserer er gerade einen Lackschaden an seinem Auto aus
Weil das aber so ist, weiß man auch nicht, wie er aussieht - und deshalb gibt es verschiedene Theorien, wer hinter „Banksy“ steckt. Unter Journalisten ist es jetzt zum Sport geworden, Banksys Identität zu ermitteln. Der echte Banksy wurde im Mai 2007, im November 2007, Anfang des Jahres und vor ein paar Tagen gesehen, und jedes Mal war es ein anderer. Letztes Jahr im November sah man einen jungen dunkelhaarigen Mann, der einen Topf gelber Farbe in der Hand hielt und mit dickem Pinsel auf die Mauer eines Eckhauses der Pollard Street im Ostlondoner Bezirk Tower Hamlets malte. Aber wer war der zweite Mann im Bild? Ein Assistent? Sah man am Ende hier zwei Trittbrettfahrer? Oder ist „Banksy“ eine Kunstfigur, der Tarnname für ein Sprayerkollektiv?
Das jüngste Foto, das angeblich Banksys Identität lüftet, zeigt einen lachenden, ansonsten eher brav wirkenden Herren im blauen Hemd mit einer Spraydose, der eher aussieht, als bessere er gerade an seinem Auto einen Lackschaden aus. Die nicht für übertriebene Seriosität bekannte „Mail on Sunday“ behauptet,er sei vierunddreißig Jahre alt und heiße Robin Gunningham. Alle jagen Banksy, und mit schöner Regelmäßigkeit füllt das „Wir haben ihn!“ sämtliche sich auftuenden Sommerlöcher von Großbritannien: Mal wird einer gesehen, mal einer verhaftet, dann, was ein Wunder, tauchen neue Banksy-Werke auf, und das Spiel geht von vorn los.
Bis zum nächsten echten Banksy also an dieser Stelle von uns ein kleiner Tipp: Wenn Ihnen im Sommer langweilig ist, wenn Sie mal mit Foto in der britischen Presse auftauchen wollen, um ihren Partner zu beeindrucken: Fahren Sie nach London, kaufen Sie sich eine Schablone und eine Spraydose, bleiben sie drei Minuten an einer Backsteinwand sitzen. Schon sind sie der echte Banksy. Oder mit Warhol gesagt: Everybody can be Banksy for five minutes.
Mysteriöse Besucher aus dem Jenseits
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 15.07.2008, 20:37 Uhr