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Veröffentlicht: 25.05.2013, 11:55 Uhr

Gotthard Graubner ist tot Der Farbmagier

Gotthard Graubner erklärte die Farbe zum Gegenstand seiner Kunst. Jetzt ist der bedeutende Maler im Alter von 82 Jahren gestorben.

© Barbara Klemm Gotthard Graubner ist tot. Der Farbmagier starb am 24. Mai im Alter von 82 Jahren.

Gotthard Graubner erkannte man sofort. Er trug Hut und Anzug mit Weste und Taschenuhr an einer langen Kette – in den Farben seiner Arbeiten. Sein langer grauer Bart gehörte zu ihm, dem besonnenen, ruhigen Mann, der sein Werk kaum kommentierte, ihm lieber die Wirkung überließ. Seine Erscheinung versetzt in ein Jahrhundert, als der Mythos vom Künstlergenie noch genau so aussah, als Rodin mit dreckigem Kittel an seinen Skulpturen arbeitete und Manet Berthe Morisot porträtierte.

Gotthard Graubner © dpa Vergrößern Gotthard Graubner, wie man ihn kannte mit Hut, Anzug, Weste in seiner Ausstellung „Farbraumkörper und Arbeiten auf Papier 1984-2004“ im März 2006 in Bremen.

Die Bilder von Gotthard Graubner sind dennoch sehr in unserer Gegenwart verankert. Sie begegneten uns im Alltag - meist, ohne dass wir es bemerken. Sie tauchen hinter Bundeskanzlerin Angela Merkel auf oder umrahmen andere gewichtige Politiker. Im Jahr 1988 schuf Gotthard Graubner für den Großen Saal im Amtssitz des Bundespräsidenten, im Berliner Schloss Bellevue, zwei große Kissenbilder. Vor den gigantischen Bildern werden Minister ernannt und Entscheidungen verkündet. Im Hintergrund leuchtet Graubners Violett. Seine Werke sind an solchen Schauplätzen Kulisse - und doch nicht dekorativ. Sie führen ein Eigenleben etwa als bemalte Schaumstoffkissen, von seinem Riesenpinsel in Farbe getaucht. Ihre Farbstofflichkeit ist sinnlich, atmet, pulsiert, wird nie Tapete.

Der Professor mit dem Hut

Gotthard Graubner wurde am 13. Juni 1930 in Erlbach im Vogtland geboren. Er gehört zu jener Künstlergeneration, die nach ihrem Studium, vom Düsseldorfer Galeristen Alfred Schmela entdeckt wurde. Damals herrschte das Informel im vereinbarten Kunstgeschmack der Kenner. Graubner aber entdeckte früh die Monochromie für sich und umgibt seither den Betrachter mit seinem einzigartigen Farbschleier. Während er seine Kunst nach ihrem eigenen Gesetz weiterentwickelt, wird er Professor, unterrichtet in den sechziger Jahren in Hamburg, von den siebziger Jahren an auch in Düsseldorf. Und arbeitet  unermüdlich weiter, produktiv bis zum Ende, unterwegs in Sehweisen wie auf Reisen. Am 24. Mai ist Gotthard Graubner im Alter von 82 Jahren gestorben.

Quelle: F.A.Z.net

 

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