Home
http://www.faz.net/-gsa-79ddp
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Bibliothek

Gotthard Graubner ist tot Der Farbmagier

Gotthard Graubner erklärte die Farbe zum Gegenstand seiner Kunst. Jetzt ist der bedeutende Maler im Alter von 82 Jahren gestorben.

© Barbara Klemm Vergrößern Gotthard Graubner ist tot. Der Farbmagier starb am 24. Mai im Alter von 82 Jahren.

Gotthard Graubner erkannte man sofort. Er trug Hut und Anzug mit Weste und Taschenuhr an einer langen Kette – in den Farben seiner Arbeiten. Sein langer grauer Bart gehörte zu ihm, dem besonnenen, ruhigen Mann, der sein Werk kaum kommentierte, ihm lieber die Wirkung überließ. Seine Erscheinung versetzt in ein Jahrhundert, als der Mythos vom Künstlergenie noch genau so aussah, als Rodin mit dreckigem Kittel an seinen Skulpturen arbeitete und Manet Berthe Morisot porträtierte.

Gotthard Graubner © dpa Vergrößern Gotthard Graubner, wie man ihn kannte mit Hut, Anzug, Weste in seiner Ausstellung „Farbraumkörper und Arbeiten auf Papier 1984-2004“ im März 2006 in Bremen.

Swantje Karich Folgen:      

Die Bilder von Gotthard Graubner sind dennoch sehr in unserer Gegenwart verankert. Sie begegneten uns im Alltag - meist, ohne dass wir es bemerken. Sie tauchen hinter Bundeskanzlerin Angela Merkel auf oder umrahmen andere gewichtige Politiker. Im Jahr 1988 schuf Gotthard Graubner für den Großen Saal im Amtssitz des Bundespräsidenten, im Berliner Schloss Bellevue, zwei große Kissenbilder. Vor den gigantischen Bildern werden Minister ernannt und Entscheidungen verkündet. Im Hintergrund leuchtet Graubners Violett. Seine Werke sind an solchen Schauplätzen Kulisse - und doch nicht dekorativ. Sie führen ein Eigenleben etwa als bemalte Schaumstoffkissen, von seinem Riesenpinsel in Farbe getaucht. Ihre Farbstofflichkeit ist sinnlich, atmet, pulsiert, wird nie Tapete.

Der Professor mit dem Hut

Gotthard Graubner wurde am 13. Juni 1930 in Erlbach im Vogtland geboren. Er gehört zu jener Künstlergeneration, die nach ihrem Studium, vom Düsseldorfer Galeristen Alfred Schmela entdeckt wurde. Damals herrschte das Informel im vereinbarten Kunstgeschmack der Kenner. Graubner aber entdeckte früh die Monochromie für sich und umgibt seither den Betrachter mit seinem einzigartigen Farbschleier. Während er seine Kunst nach ihrem eigenen Gesetz weiterentwickelt, wird er Professor, unterrichtet in den sechziger Jahren in Hamburg, von den siebziger Jahren an auch in Düsseldorf. Und arbeitet  unermüdlich weiter, produktiv bis zum Ende, unterwegs in Sehweisen wie auf Reisen. Am 24. Mai ist Gotthard Graubner im Alter von 82 Jahren gestorben.

Quelle: F.A.Z.net

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Installationen im Städelmuseum In der Handlung liegt die Kunst

Einst aus der Städelschule geworfen, jetzt mit einer Schau im Garten des Städel-Museums geehrt: ein Gespräch mit Franz Erhard Walther. Mehr

16.09.2014, 09:30 Uhr | Rhein-Main
Trauer um Gabriel García Márquez

Die Welt trauert um Gabriel García Márquez. Der kolumbianische Schriftsteller ist im Alter von 87 Jahren in seinem Haus in Mexiko-Stadt gestorben. Mehr

18.04.2014, 18:01 Uhr | Feuilleton
Ralf Bendix ist tot Der Boogie des Babysitters

Ein Jazzer, der zum Produzenten wurde: Wie erst jetzt bekannt wurde, ist Ralf Bendix am 1. September im Alter von neunzig Jahren verstorben. Mehr

14.09.2014, 15:17 Uhr | Feuilleton
Ehemals dickster Mann der Welt ist tot

Mit 597 Kilogramm war der Mexikaner Manuel Uribe einst der dickste Mann der Welt, jetzt ist er im Alter von nur 48 Jahren gestorben. Mehr

27.05.2014, 20:45 Uhr | Gesellschaft
Günter Schwanhäußer Textmarker-Erfinder gestorben

Anfang der 70er Jahre hat Günter Schwanhäußer den neongelben Leuchtmarkierer erfunden. Jetzt ist er im Alter von 86 Jahren gestorben. Mehr

15.09.2014, 17:02 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 25.05.2013, 11:55 Uhr

Vom Kater der Kelten

Von Gina Thomas, Edinburgh

Die exaltierte Stimmung auf Edinburghs Straßen wurde nach der Niederlage der Separatisten von reichlich Alkohol begleitet. Schottland bleibt britisch, locker lassen werden aber werden seine Bürger inicht. Mehr