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Görings Sammlung Kunsträubermarschall

Ganze 4200 Datensätze: Hermann Görings Kunstsammlung steht nun im Netz. Dazu wurden alle inzwischen bekannten Vorgeschichten und Quellen ausgewertet.

© picture alliance/Artcolor Ein Geschenk der deutschen Luftwaffe: Cranachs „Quellnymphe“

Die Legenden um die Kunstsammlung von Hermann Göring, Hitlers Stellvertreter, sind weitgehend dekonstruiert. Trotzdem sind der Verbleib einiger Kunstwerke und ihre wahre Herkunft bis heute nicht aufgeklärt. Diese Blindstellen weiter zu entschlüsseln ist eine der Möglichkeiten der neuen Bilddatenbank, die das Deutsche Historische Museum jetzt ins Netz gestellt hat. Sie könnte helfen, dort aufgeführten Kunstbesitz zu identifizieren, der bis heute nicht als Zwangsverkauf oder Raubgut erkannt worden ist.

Regina Mönch Folgen:

Es ist nicht die erste Datenbank dieser Art, die das DHM zusammengestellt hat und pflegen wird. Auch sie dokumentiert den ungeheuerlichen Kunstraub der Nationalsozialisten, zeichnet die verschlungenen Wege dieses Beutezuges nach - hier am Beispiel des mit beachtlicher krimineller Energie sammelnden Hermann Göring - und macht damit auch die NS-Kulturpolitik einer größeren Öffentlichkeit und der Provenienzforschung zugänglich.

Gemälde, Skulpturen, Möbel und Kunsthandwerk

Wie schon für die Datenbank zum sogenannten Führermuseum Linz und für die Archivalien der Alliierten aus dem Central Collecting Point München zeichnen die Kunsthistorikerinnen Monika Flacke (DHM) und Angelika Enderlein (Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen) und der Historiker Hanns Christian Löhr auch für die Bilddatenbank der Göring-Sammlung verantwortlich. Sie basiert nicht auf eigener Provenienzforschung, sondern wertet alle inzwischen bekannten Vorgeschichten und Quellen aus; dazu gehören auch die des Bundesarchivs, der Datenbank der Jewish Claims Conference, des Geheimen Preußischen Staatsarchivs sowie die in den letzten Jahren dazu erschienene Fachliteratur.

20157201 © Artothek Vergrößern Von einem jüdischen Kunsthändler erworben: Cranachs „Lucretia“

Auf über 4200 Datensätzen finden sich Angaben zu den geraubten, erpressten, aber auch gekauften Kunstwerken des Reichsmarschalls, die er seit Ende der zwanziger Jahre bis 1945 anhäufte für seine nie realisierte „Norddeutsche Galerie“ in Carinhall. Die Datenbank enthält nur die Historie der Kunstwerke, die Göring privat besaß, nicht aber Gemälde, die er als preußischer Ministerpräsident beschlagnahmte und in den internationalen Kunsthandel gab. Einen großen Teil seiner Sammlung, zu der neben Gemälden auch Skulpturen, Möbel, Tapisserien und Kunsthandwerk gehörten, ließ Göring gegen Kriegsende nach Bayern schaffen. Dort wurde einiges privat geplündert - auch noch ein offenes Kapitel der Restitution. Das meiste aber wurde von den Alliierten sichergestellt und - so man die rechtmäßigen Eigentümer fand - schon bald restituiert. Konnten diese nicht festgestellt werden, gaben die Alliierten die Kunstwerke schließlich in die Treuhand-Verwaltung der Bundesrepublik.

Nüchterne Fakten aus rechtloser Zeit

Oder sie kamen in jene Länder zurück, aus denen sie geraubt worden waren. Nicht immer war dort das Interesse an der Wiedergutmachung überwältigend, wie der unsägliche Streit zwischen den Erben des jüdischen Kunsthändlers Goudstikker und den Niederlanden zeigte, der erst vor wenigen Jahren unbefriedigend beigelegt wurde. Göring hatte sich 1940 auch die kostbare Sammlung Goudstikker angeeignet und später 167 Altmeisterbilder daraus für einen Vermeer eingetauscht. Dass der Vermeer falsch, die Alten Meister jedoch echt waren, erfuhr er erst vor dem Nürnberger Gerichtshof.

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Eine Datenbank wie diese verzichtet auf moralische Kommentare und skandalträchtige Vermutungen, sie versammelt nüchterne Fakten aus rechtloser Zeit, die ihren Schrecken auf eigene Art entfalten. Zudem enthüllt sie noch einmal, dass dieser unmäßige Sammler auch viel Zweit- und Drittklassiges anhäufte, um sein „Museum“ zu füllen. Und dass er kein Mittel scheute, um sich in den Besitz von Werken zu bringen, die seine Gier entfacht hatten; nicht einmal deutsche Museen waren vor seinen Privatinteressen geschützt. Dass er sich dabei anderer krimineller Organisationen bediente und der über die fragwürdige Herkunft sehr wohl informierte Kunsthandel an der Sammelwut gut verdiente, ist zwar bekannt. In welchem Maße Göring solches durch den Kunsthandel weitergereichte „Fluchtgut“ bedrängter Juden erwarb, wird die Forschung noch länger beschäftigen.

Quelle: F.A.Z.

 
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