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Gespräch mit Gerhard Richter : Man kann Auschwitz nicht abmalen

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Auf jeden Fall, ja. Es war ja auch eine wirkliche Auseinandersetzung. Es hat sich mit den vielen kleinen Widerständen entwickelt, so dass ich meine Position immer wieder zu bedenken und zu verteidigen hatte. Es kam aber auch schon vor, dass wir ein Jahr nicht mehr miteinander gesprochen haben, weil wir uns so zerstritten hatten. Das tat der Sache aber keinen Abbruch.

Nach Buchloh geht es in Ihrer Kunst, und gerade auch jetzt in der „Birkenau“-Serie, um ein Weitermachen – im Wissen, dass Malerei als Abbild eigentlich nicht mehr möglich ist. Er kritisiert Anselm Kiefer, auch Boltanski. Ihnen hingegen gelinge es, in einem ständigen Durcharbeiten der Möglichkeit von Malerei glaubhaft weiterzumachen. Ist das eine Figur, mit der Sie etwas anfangen können?

Ja, durchaus. Es wäre natürlich wunderbar, wenn ich in dieser Bemühung nicht völlig falsch liegen würde. Ein heikles Thema.

Das finden wir nicht. Weshalb?

Manchmal kommen eben doch Zweifel, ob ich vielleicht nicht auf verlorenem Posten stehe, weil so eine Malerei ganz unzeitgemäß ist.

Auf verlorenem Posten? Das wäre uns zu Ihnen nicht als Erstes eingefallen.

Ja. Wenn ich die Auktionsergebnisse sehe, stehe ich zwar ziemlich vorn, aber das ist nicht wirklich tröstlich. Sie schmeicheln anfangs natürlich, aber dann machen sie nur Angst, das immer größere Volumen, die Masse an Schrott, die unmoralisch, unsinnig hohen Preise, das ist nur noch erschreckend.

Sie wissen doch wahrscheinlich, wie diese Preise gemacht werden. Das muss einen ja dann nicht mehr so beeindrucken.

Ich weiß es nicht, und ich kann mir es auch nicht vorstellen, denn irgendwelche Leute zahlen es ja dann wirklich. Ich denke, es ist eher eine Art Wahn, der die Leute erfasst – dafür sind wir ja generell sehr empfänglich.

Malerei ist eine sehr alte Kulturtechnik, eine grundlegende Form der Welterschließung. Es scheint doch unwahrscheinlich, dass damit Schluss sein sollte. Wo es einen Stift oder auch nur Sand gibt, wird gemalt. Das führen auch die eigenen Kinder vor.

Das stimmt natürlich ganz und gar, und es ist auch das, was wirklich tröstet, dass es nicht nur eine Kinderbeschäftigung ist, sondern zu uns gehört als Eigenschaft, die wir brauchen und pflegen und für die wir Kriterien entwickeln – die aber immer mehr verloren gehen.

Wann gingen die Kriterien verloren?

Abgesehen von der großen Krise der Malerei, die ja schon vor mehr als hundert Jahren begann, wurde mir der Verfall von Kriterien erst in den achtziger Jahren deutlich, Transavanguardia und die Jungen Wilden waren „in“, und an der Frankfurter Städelschule, wo ich damals Gastlehrer war, gab es eine Professur für Kochkunst, ich weiß den Namen nicht mehr...

Die Professur hatte Peter Kubelka.

... ja. Und da kritisierte ich in meiner Malklasse eine Studienarbeit. Normalerweise bedenkt ein Student, bedenkt eigentlich jeder, eine Kritik an seiner Arbeit und fragt sich, was daran wahr sein könnte. Aber hier bekam ich zur Antwort: „Nein, mir gefällt das, was ich da gemalt habe.“

Mit der Unzeitgemäßheit Ihrer Kunst meinen Sie, dass es keine malerische Position der letzten zwanzig Jahre gibt, die Sie interessiert hat.

Die letzte Position, die mich wirklich beeindruckt hat, war Minimal Art und Konzeptkunst. Das ist zwar schon fünfzig Jahre her und hatte zwar viel mit Kunst zu tun, aber kaum was mit Malerei.

Das heißt doch, dass Sie sich selbst zum letzten Maler ernennen?

Nein, das keinesfalls! Noch gibt es ja doch viele Beispiele, also Menschen, die Malerei lieben, denen sie etwas bedeutet, als Betrachter, als Sammler, als Hersteller und als Theoretiker. Zur Zeit werden sie nur sehr übertönt von dem schreiend lauten Markt. (Kurzes Schweigen). Kekse?

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