08.02.2013 · Warum stellten unsere Vorfahren so häufig Frauen dar? Für wen wurden diese Werke gemacht? Eine spektakuläre Schau in London gibt neue Antworten.
Von Julia VossRichtlinien für Lesermeinungen
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Echt Schade so willkuerlich gezwungene Interpretationen vorzustellen als waeren sie handfeste Entdeckungen
Diese Diskussion hier ist daneben
Frau Voss ist nicht dafuer verantwortlich zu machen, dass die Ausstellungsorganisatoren des Britischen Museums eine wenig nachvollziehbare und von wenigen empirisch pruefbaren Fakten unterstuetzte steile Hypothese aufgestellt haben zur Funktion dieser Figuren und dass diese dann benutzt wird, um eine traditionelle Benennung rueckgaengig zu machen. Der zeitgeschichtliche Kontext der Benennung als 'Venus von ...' ist im heutigen Klima nicht mehr nachzuvollziehen, aber 'Venus' als solche hat keine pejorative Konnotation, man wollte damit Idole von Weiblichkeit benennen. Wie diese zeitgeschichtlich gefaerbt und bewertet sind, das aendert(e) sich, zu Recht. Sicher ist wohl, dass diese Figuren in prae-agrarischer Zeit entstanden, alles andere zur Funktion oder zu figurativen Details erscheint bisher wilde Spekulation. Fuer den Interessierten dieser Zeit sei der spektakulaere Herzog-Film 'Die Hoehle der verlorenen Traeume' empfohlen.
Schade dass so eine interessante Ausstellung offenbar nur im
Zusammenhang mit diesem höchst zeitgeistigen ideologischen
Feminismus zu haben ist! Frau Voss wird an diesem unsympathischen Ton,
in dem ihr Artikel bei mir (wie auch offensichtlich bei vielen anderen
Lesern) ankommt, noch nicht einmal wirklich schuld sein - sie gibt
einfach die Tendenz wieder, die die Verantwortlichen in die Ausstellung
eingetragen haben. Und trotzdem ist manches ideologische Postulat eben
einfach sachlich falsch, wie man es z.B. an den Ausführungen von
Herrn Hällebecker zur »Vénus Hottentote« leicht
nachvollziehen kann.
Für mein Gefühl schlägt der wirklichkeitsverweigernde
Dogmatismus der FeministInnen selbst den der Katholischen Kirche um Längen...
»eine Brille (…) die (…) offensichtlich mehr verzerrte als schärfte«
Der Begriff »Venus« für vorzeitl. Frauenfigurinen wurde
1864 von Marquis de Vibraye geprägt. Die Tatsache der Nacktheit mag
bei der Benennung eine Rolle gespielt haben.
Der Name »Venus« war aber eben nicht nur der der Göttin
der Liebe, sondern auch die latinisierte Form der vorchristlichen
Göttinnen unserer Breiten, wie der keltischen Brigid, der
nordischen Jörd, der Gestalt der Berchta (vgl. auch »Frau
Venus« der mittelalterlichen Tannhäuser-Sage) –
allesamt Sinnbilder der fruchtbaren Urmutter, der Erdmutter.
Interessant ist die Geschichte der »Vénus Hottentote«
insbesondere in Hinblick auf den Feminismus, führt diese doch
zurück zu dessen ideologischem Born – der Entwertung von
Weiblichkeit zur »Femininitätskultur«, der
Parallelisierung dieser zu Dritte-Welt-Kulturen und dem gemeinsamen
Feindbild des »weißen Mannes«.
Die Behauptung, die Bezeichn. »Venus« für
mütterliche Frauenfigurinen sei v.a. auf die
»V.Hottentote« zurückzuführen, erscheint mir daher
rein ideologischer Natur.
Welch tieferer gesellschaftspolitischer Sinn ...
... mag sich eigentlich hinter der Tatsache verbergen, daß Bild 3 auf dem Kopf steht?
Sie sind auf die Idee gekommen, den einfühlsamen, verständig
argumentierenden Text von Frau Voss, als "schwadronierendes
feministisches Gutmenschentum" zu denunzieren -- und sehen Sie, da
bin ich auf die Idee gekommen, Sie für einen von der Sorte zu
halten, die man in einem solchen Forum nicht bei Namen nennen darf,
weil grobe Charakterisierungen nicht gedruckt werden, auch wenn sie den
Nagel auf den Kopf treffen.
Im Übrigen sollten Sie Andere nicht einfach duzen, der
Kolonialismus ist auch im Innern vorbei.
Schon drollig wie hier unbeweisbare und spekulative Thesen über die Funktionalität von Frauenskulpturen in der eiszeitlichen Vorgeschchichte für das schwadronierende feministische Gutmenschentum instrumentalisiert werden. Euch Feuilletonisten ist auch jeder Anlaß recht, Hauptsache die Ideologie läßt sich unterbringen.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 08.02.2013 13:31 UhrInsofern
...nicht objektiver als die frauenverachtende Welt von vor 200 Jahren. Wohl wahr, es wird der Ton unserer Zeit getroffen. Allerdings will dieser Artikel auch keinen Anspruch an die Wahrheit stellen, sonst wäre er anders geschrieben! Man muss diesen Artikel vielleicht mehr als eine Gegendarstellung betrachten. Diese ist durchaus wichtig, auch wenn nicht unbedingt wahr.