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Frauenbund in der Kunst : Mutige Verwirklichung weltfremder Pläne

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Vermutlich letzte Schenkung des Frauenbunds: Im Jahr 1921 erhielt die Hamburger Kunsthalle Otto Muellers Gemälde „Mädchen im Grünen“. Bild: Picture-Alliance

Vor hundert Jahren modernisierten erstmals Schenkungen eines Zusammenschlusses bürgerlichen Frauen die Museen in Deutschland: Auf den Spuren des „Frauenbunds zur Förderung der deutschen bildeten Kunst“.

          Der „Kampf um die Moderne“, durch den die ersten Werke der Impressionisten und Expressionisten in Deutschland noch während des Kaiserreichs Einzug in die Museen hielten, ist bislang ausschließlich als heroischer Kampf von Männern beschrieben worden: Alfred Lichtwark in Hamburg, Hugo von Tschudi in Berlin und München, Friedrich Deneken in Krefeld, Gustav Pauli in Bremen und Max Sauerlandt in Halle. Karl Ernst Osthaus war vermögend genug, sich für seine Folkwang-Sammlung in Hagen ein eigenes Museum zu schaffen, in dem er keiner Ankaufskommission Rechenschaft ablegen musste. Warum aber ist die Öffnung der Museen für die Moderne eine Geschichte von Männern? Sie ist es schlicht – weil es den Beruf der Museumsdirektorin noch nicht gab.

          Umso faszinierender ist die Geschichte des „Frauenbunds zur Förderung deutscher bildenden Kunst“, gegründet im Juni 1916, während Millionen Männer im Ersten Weltkrieg waren – und mit der erklärten Absicht, die Museen zu reformieren, indem die Mitglieder den öffentlichen Sammlungen Werke der jüngsten Kunst als Geschenk zukommen ließen. Zu den Gründerinnen zählten die Hamburger Kunsthistorikerin und begeisterte Brücke-Sammlerin Rosa Schapire, die Sammlerin Martha Rauert und Freifrau Selma von der Heydt in (Wuppertal-)Elberfeld, die mit ihrem Mann August von der Heydt eine bedeutende Kollektion moderner Kunst aufgebaut hatte. Zur geschäftsführenden Vorsitzenden wurde die bestens vernetzte Dichterin, Künstlergattin und Muse Ida Dehmel gewählt.

          Der „Kampf um die Moderne“ war ins Stocken geraten

          „Der Frauenbund bezweckt die Ehrung und Förderung deutscher bildender Künstler der Gegenwart“, hieß es in der 1916 verabschiedeten Satzung: „Er wünscht Brücken zu schlagen zwischen Schaffenden, Genießenden und Museen. Insbesondere stellt er sich die Aufgabe, der Kunst unserer Zeit die öffentlichen Galerien zu erschließen.“ Dieser Satz und der feste Vorsatz, das Ziel durch Ankäufe zu erreichen, „die den Museen als Geschenk des Frauenbundes überwiesen werden“, demonstriert den Anspruch der selbstbewussten Gründerinnen: Wenn die Museen sich nicht von selbst der Gegenwartskunst öffneten, dann würde der tatkräftige Frauenclub eben nachhelfen!

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          Tatsächlich war der „Kampf um die Moderne“ ins Stocken geraten: Hugo von Tschudi, der – gegen den Geschmack des Kaisers – den Ankauf französischer Impressionisten für die Berliner Nationalgalerie durchgesetzt hatte, war bereits 1911 gestorben. Auch Alfred Lichtwark, der die Hamburger Kunsthalle für die Moderne geöffnet hatte, lebte nicht mehr. Sein Nachfolger Gustav Pauli, der als Kunsthallendirektor 1914 von Bremen, wo er für van Gogh gestritten hatte, nach Hamburg gewechselt war, tat sich mit der jüngsten Kunst schwer und lehnte Erwerbungen von Werken der Expressionisten ab. Friedrich Deneken, der schon 1907 ein Gemälde von Claude Monet für das Krefelder Kaiser Wilhelm Museum erworben hatte, war in seine Schranken gewiesen worden und musste geloben, künftig auf Ausstellungen und Ankäufe von „fremdländischen und modernen Bildern“ zu verzichten. Max Sauerlandt, der für Halle 1913 das erste Bild Emil Noldes für ein öffentliches Museum in Deutschland erworben hatte, war im Krieg.

          Für Museumsdirektoren unmögliche Künstler

          Rosa Schapire, Ida Dehmel und Martha Rauert warben fleißig weitere Mitstreiterinnen. Nach zwei Jahren zählte der Frauenbund sechshundert Mitglieder – darunter übrigens auch vereinzelt Männer. Ortsgruppen hatten sich in Berlin, Bremen, Dresden, Elberfeld, Essen, Hagen, Heidelberg, Köln und Mannheim gegründet: Lotte von Mendelssohn-Bartholdy in Berlin, die Ärztin Margarete Stegmann in Dresden, die Anwaltsgattin Helene Buschmann in Hagen oder Ada Deichmann, geborene von Schnitzler, in Köln leiteten die Sektionen, Vorträge wurden veranstaltet und mit Jahresgaben für die Mitgliedschaft geworben.

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