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Frauen in der Reformation : Diese Herzogin kämpfte für die Freiheit

Eine Ausstellung auf Schloss Rochlitz präsentiert die starken Frauen der Reformation. Und erklärt, wieso ihre Macht nur von kurzer Dauer war.

          Schloss Rochlitz in Sachsen liegt wehrhaft über dem Ufer der Mulde – dicke Türme, hohe Mauern, eine veritable Burg. Die brauchte man auch, denn hier wurde die Reformation verteidigt, 1547 im Schmalkaldischen Krieg. Drinnen dagegen sind prunkvolle Räume erhalten – riesige Säle, bemalte Decken, eine echte Residenz. Auch die brauchte man, von 1537 bis 1547. Hier regierte und hier verteidigte damals eine Frau.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Sie hieß, nach ihrem kleinen Herzogtum, Elisabeth von Rochlitz, und sie war die einzige Frau im Schmalkaldischen Bund, dem 1531 geschlossenen Pakt der protestantischen Reichsfürsten gegen Karl V., den katholischen Kaiser. Wobei Elisabeth dem Bund später beigetreten ist, denn Herzogin von Rochlitz wurde sie erst 1537 durch den frühen Tod ihres Mannes, des sächsisch-albertinischen Thronfolgers Johann. Für diesen Fall war vorgesorgt: Als die beiden noch im Kindesalter einander versprochen wurden, hatte man einen Ehevertrag angefertigt, der im Falle des früheren Todes von Johann für Elisabeth die Herrschaft über Rochlitz vorsah, um ihre Witwenversorgung zu sichern. Herrschaft hieß aber auch Regierungsgewalt. Sofort nach Durchsetzung ihrer Ansprüche führte Elisabeth in dem kleinen Gebiet die Reformation ein – mitten im damals noch katholischen Teil Sachsens, der den Albertinern gehörte.

          Elisabeths Lebenslauf ist einer der ungewöhnlichsten, die man sich denken kann: eine Frau, die im großen politischen und religiösen Machtspiel mitmischte, aus eigenem Entschluss die Lehre Luthers angenommen und sie am Dresdner Hof gegen den Widerstand von Herzog Georg dem Bärtigen, ihrem Schwiegervater, verteidigt hatte. Eine starke Frau. Und nicht die einzige, die nun den Anlass für eine Ausstellung bietet, die auf ihrer ehemaligen Residenz in Rochlitz ausgerichtet wird und den Titel „Eine starke Frauengeschichte“ trägt.

          Die Strafe der unterdrückten Frau

          Die Schau findet im Rahmen der 2008 begonnenen Luther-Dekade statt, die ins Reformationsjubiläum von 2017 mündet. Doch ihr Thema ragt aus der Vielzahl der Veranstaltungen heraus: die Rolle der Frauen im großen Glaubenskonflikt. Auf Schloss Rochlitz wird gezeigt, dass diese Rolle groß war, zumindest in den ersten Jahrzehnten der Reformation, ehe die Frauen als Akteure wieder verschwanden, als wäre nichts gewesen. Warum das so war, das versuchen die Kuratoren André Thieme, Simona Schellenberger und Dirk Welich zu erklären.

          Das tun sie bei allem Materialreichtum einer dreihundert historische Objekte und etliche weitere Reproduktionen umfassenden Ausstellung mit wohltuend populären Mitteln. Es gibt kleine Trickfilme, die in verschiedene Themen einführen, und zum Entree werden in der Tafelstube von Schloss Rochlitz Objekte aus der Zeit der Reformation zusammengebracht mit aktuellen Kunstwerken und Installationen, die sich dem Geschlechterverhältnis widmen.

          Da stehen etwa Fotos der Femen-Proteste neben einer hinreißenden Cranach-Zeichnung, die wohl 1537 entstand und Frauen zeigt, die hilflose Kleriker mit Dreschflegeln verprügeln. Der Inhalt dieses in zwei Fragmenten überlieferten Blatts – Berlin lieh seine Hälfte aus, Nürnberg verweigerte sich, so dass ein Teil in Faksimile zu sehen ist – ist rätselhaft. Die Ausstellung deutet es als Strafe der sonst unterdrückten Frauen für unsittliche katholische Kirchenmänner. Allerdings war Cranach geschäftstüchtig genug, um beide Seiten im Konfessionsstreit mit Bildpropaganda zu beliefern, also könnte das Motiv auch als Warnung vor dem neuen Selbstbewusstsein der Frauen verstanden werden, das die alte Ordnung der Dinge gefährdete.

          Viel unnutz gewesch

          Denn die Ausstellung zeigt vorbildlich, wie groß die Verunsicherung damals bei den Männern war. In Werkgruppen werden vier neue Bilderfindungen der Reformationszeit präsentiert, die alle vom veränderten Rollenbild der Geschlechter künden: Mit Judith wird eine alttestamentarische Figur populär, die einem Herrscher den Kopf abschnitt – auf sie sollten sich sowohl die nach einem erfolglosen Attentatsversuch auf einen Bischof 1534 gefolterte und hingerichtete Wiedertäuferin Hille Feicken als auch die erfolgreiche protestantische Publizistin Argula von Grumbach berufen.

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