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Frankfurts neuer Campus : Poelzig trifft Raffael

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Seit 2001 ist Frankfurts Universität stolze Nutzerin des IG-Farben-Gebäudes von Hans Poelzig. Nun erweist sich der neue Campus als ebenbürtig, dessen erster Bauabschnitt gerade fertiggestellt wurde. Man assoziiert moderne Renaissance.

          Es hatte etwas Erhebendes, als im Jahr 2001 Frankfurts Universität das ehemalige IG-Farben-Gebäude von Hans Poelzig bezog: Einen „Palast des Geldes“ hatte Theodor Heuss im Jahr 1929 das Monument genannt, das mit seinen konkaven Travertinfassaden wie eine Stadtkrone aufragte – und nun war die Triumpharchitektur eines Konzerns zum Palast des Geistes geworden.

          Die Genugtuung aber wog nur teilweise die Bedenken auf, dass dieser Umzug den Weggang aus einem dichten, studentisch vitalen Stadtteil bedeutete. Poelzigs Bau dagegen steht in einem riesigen Park, dessen Abgeschiedenheit sich noch verstärkt hatte, als 1945 dort das Hauptquartier der amerikanischen Streitkräfte in Europa eingerichtet worden war. Magistrat und Universitätsleitung aber versicherten, gerade diese – in den Vereinigten Staaten bevorzugte und bewährte – Randlage biete beste Chancen für einen vorbildlichen Campus, eine Unistadt in der Stadt.

          Intimer Gegenakzent zum grandiosen Hauptbau

          Der Gesamtbebauungsplan des Architekten Ferdinand Heide, hervorgegangen 2002 aus einem Wettbewerb, verhieß denn auch Einmaliges: eine Ansammlung von Bauten, Plätzen und Straßen, die zwar nicht größenmäßig, aber in ihrer Herausforderung an die Gestaltungskraft Jahrhundertaufgaben wie dem Bau der Retortenstädte Brasilia oder Chandigarh gleichkommt. Neununddreißig Hektar sind zu bebauen, dreihunderttausend Quadratmeter für rund 25.000 Studenten, geplante Fertigstellung im Jahr 2014 mit der Eröffnung der Zentralbibliothek.

          Heute feiert man den ersten Bauabschnitt, der das kommende Ganze erkennen lässt. Sein Hauptmerkmal ist die achsiale Ausrichtung, vorgegeben von Poelzigs Ensemble. Ihr folgend, werden die Institute, Hörsäle, Seminare und Studentenwohnungen beiderseits einer Mittelachse gereiht, deren Auftakt als intimer Gegenakzent zum grandiosen Hauptbau ein terrassierter, eleganter Flachdachpavillon Poelzigs bildet, ehemals Casino, heute Mensa.

          Massivität und Transparenz

          An sie schließen nun ein Erweiterungsbau und das Hörsaalzentrum Ferdinand Heides an. Signifikante Zweite Moderne zeigt der erste Blick, gut proportionierte Kuben, raffiniert angeordnete Glasflächen und Eingänge, alles in reizvoller Schwebe zwischen Massivität und Transparenz. Der zweite Blick lässt erkennen, dass Heide für die Fassaden den edlen, farblich zwischen Honig und Kork changierenden Travertin aufgriff, dem schon Hans Poelzigs Bauten ihre expressive Wirkung verdankten. Auch die übrigen Neubauten, der für die Rechts- und Wirtschaftswissenschaften (Thomas Müller und Ivan Reimann) und das (im inzwischen wohl unvermeidlichen Englisch benamte) „House of Finance“ von Jan Kleihues und Norbert Hensel, bieten steinerne, präzis austarierte Lochfassaden.

          Pfeiler und Rechteckfenster, schnörkellose Simse, Laibungen und Quaderritzungen, streng rechtwinklige Höfe, Freitreppen, Fontänen (eine verniedlichend „Pusteblume“ genannte kommt aus dem alten Universitätsviertel) und Bassins – alles führt Poelzigs klassische Moderne fort, aber wandelt deren ernstes Pathos in heitere Gelassenheit. Man assoziiert moderne Renaissance. Vielleicht hat Jan Kleihues deshalb den Marmorboden seines Foyers dem auf Raffaels „Schule von Athen“ nachgebildet. Über die innere Tauglichkeit sagt dies vorläufig so wenig aus wie die Helle und Weitläufigkeit sämtlicher Innenarchitekturen. Als perfekte Lehrgebäude werden sie sich erst nach längerem Betrieb beweisen.

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