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Burkina Fasos Dürre in London : Schutz und Schirm

Der neue Pavillon der Serpentine Gallery in London stammt von dem in Burkina Faso geborenen Deutschen Francis Kérés. Bild: AFP

Der in Burkina Faso geborene deutsche Architekt Francis Kéré hat in diesem Jahr den Pavillon der Serpentine Gallery gebaut. In der kunstvoll arrangierten Natur von Kensington Gardens ist sein Auftritt so bescheiden wie souverän.

          Francis Kérés scheinbar so schlichter Pavillon auf der Wiese vor der Londoner Serpentine Gallery trägt alle Merkmale seiner ethisch untergründeten Architektur. Damit trifft er gerade jetzt einen Nerv, wo die britische Wohlstandsgesellschaft ihre Werte unter dem Eindruck des Hochhausbrands in der bloß drei Kilometer entfernten Wohnsiedlung in Nord-Kensington überdenkt.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Seit der Jahrtausendwende versucht die Serpentine Gallery, das Bewusstsein für die zeitgenössische Architektur zu steigern, indem sie jedes Jahr einen temporären Pavillon bei einem international renommierten Architekten in Auftrag gibt, der bisher noch nicht in Großbritannien gebaut hat. Der aus Burkina Faso stammende, in Berlin lebende Kéré ist der erste in Afrika geborene Architekt der Reihe, die mit Zaha Hadid begann. Indem er afrikanische Tradition mit moderner Bautechnik verschmilzt, hat er ein Stück Kultur aus der Dürre Burkina Fasos in die satte Londoner Parklandschaft verpflanzt.

          Das Pavillon-Dach soll an die Krone eines Baumes erinnern, unter der sich in afrikanischen Dörfern die Gemeinschaft versammelt.

          Mikrokosmos des Denkens

          Wenn Kéré seinen Pavillon als Mikrokosmos bezeichnet, meint er die soziale Funktion des Baus, der während seines viermonatigen Bestehens Parkbesuchern Schutz vor Regen und Sonne bietet, ein Café beherbergt und im Rahmen des sommerlichen Kulturprogramms der Galerie auch als Forum für den Austausch von Ideen genutzt wird. Kérés ellipsoides Bauwerk lässt sich aber auch als Mikrokosmos seines Denkens und Vorgehens deuten: Es demonstriert auf kleinem Raum die ökologischen und an der Gemeinschaft orientierten Prinzipien, die seiner Architektur zugrunde liegen.

          Der Pavillon soll als Schutzraum, aber auch als Treffpunkt fungieren.

          Kéré verleiht der Funktion des Pavillons als Begegnungsstätte metaphorisch Ausdruck, indem deren Struktur den schattenspendenden Baum beschwört, der in seiner Heimat den Mittelpunkt des Dorfgeschehens bildet. Diese Idee setzt er mit einem schirmartig aufgefächerten Dach über vier freistehenden Wänden aus geschwungenem indigoblau gefärbtem Holz um. Gittermasten um einen etwas aus dem Zentrum versetzten, ebenfalls ellipsoiden Hohlraum verkörpern den Baumstamm. Sie tragen den mit einer transparenten Schicht abgedichteten Baldachin aus feingliedrigem Stahl. Die Unterseite ist mit einem Holzlamellenrost aus dreieckigen Paneelen gedeckt, die Schattenmuster werfen, wie wenn flirrendes Licht durch eine Baumkrone einfällt. Ein Oculus über dem Hohlraum steigert das Licht-und-Schatten-Spiel. Bei Regen stürzt das Wasser durch diese trichterartige Öffnung zwischen den Gittermasten hinunter in ein Sammelbecken unter dem Kies, von wo es zur Bewässerung des Parks weitergeleitet wird.

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          Mit diesem zentralen Gebilde will Francis Kéré die Bedeutung von Wasser als Grundvoraussetzung des Lebens veranschaulichen, wie denn überhaupt die Verwendung von natürlichen Ressourcen im Kern von Kérés Philosophie des Bauens steht. Davon zeugen auch die vier Öffnungen zwischen der abwechselnd nach innen und nach außen gewölbten Holzumhüllung, die zur Luftzirkulation in dem mit Hockern aus geschnitztem Zedernholz möblierten Innern beitragen.

          Der in Burkina Faso geborene deutsche Architekt Francis Kérés vor der blauen Fassade seines Pavillons. In Afrika wird diese Farbe 
zu besonderen Anlässen getragen.

          Keine Ziegel, dafür Holzstäbe

          Am liebsten hätte Kéré die Wände des Pavillons – unter Einbeziehung der Gemeinschaft – mit an Ort und Stelle gefertigten Ziegeln herstellen lassen, wie er das bei seinen sozialen Projekten zu tun pflegt. Das hätten die Baubehörden jedoch nicht zugelassen. Stattdessen hat der Architekt Blöcke aus Holzstäben in der durchweg leitmotivisch angewandten Form eines Dreiecks verwendet. Sie sind in einem gelochten Fischgrätmuster verlegt, das an afrikanische Textilien erinnert. Durch die Zwischenräume erhascht der Besucher tagsüber immer wieder Blicke auf den Himmel und das Grün der Bäume. Bei Dunkelheit soll das durchscheinende Licht eine Signalwirkung haben, wie in Kérés Heimat, in der Bewohner auf einen erhobenen Aussichtspunkt steigen, um auszumachen, wo Licht brennt: Denn dort, wo Strom ein knappes Gut ist, weist das Licht auf eine Festivität hin, der man sich zugesellen will.

          Die Grundschule von Gando in Burkina Faso wurde ebenfalls von Francis Kérés erbaut.

          Auch mit dem Indigoblau schafft Kéré Anklänge an die Bräuche seiner Heimat. In seinem Dorf in Burkina Faso tragen die Bewohner bei besonderen Anlässen diese Farbe. Und als einen besonderen Anlass betrachtet Francis Kéré seinen Londoner Auftritt. Man kann ihm nur beipflichten. Sein Pavillon tritt in einen souveränen Dialog mit der inszenierten Natur von Kensington Gardens und besticht durch Bescheidenheit, Raffinement und Integrität.

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