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Riesige Fotografie-Sammlung : Das muss die Welt gesehen haben!

Schwarz-Weiß Fotografie von Herbert George Ponting (1871 - 1935). Bild: Victoria und Albert Museum

Das britische Science Museum wollte seine Fotogafie-Sammlung nicht mehr. Zweiundzwanzig Lastwagenladungen ist sie schwer – und umfasst 270.000 Bilder. Das Victoria & Albert Museum übernahm sie und zeigt nun den großen Schatz.

          Ein vermeintlicher „Akt des Kulturvandalismus“ hat sich, wie die frisch enthüllten Fotogalerien zeigen, für das Londoner Victoria & Albert Museum als Glücksfall erwiesen. Als das Science Museum vor zwei Jahren beschloss, sich von der umfangreichen Sammlung der 1853 gegründeten Royal Photographic Society (RPS) zu trennen, die es im Nationalmuseum für Fotografie, Film und Fernsehen in Bradford betreute, ging ein Aufschrei durch das Land.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          David Hockney, Martin Parr, Mike Leigh und zahlreiche andere Figuren aus dem Kulturleben verurteilten den Schritt, nicht zuletzt, weil er London wieder zum Nachteil des Nordens begünstigte. Unter dem Druck der Etatkürzungen erklärte das Science Museum jedoch, es wolle sich auf seine Kernaufgabe der Darstellung von Forschung und Industrie konzentrieren. Es hieß, dass das Museum in Bradford sich fortan der Wissenschaft und Kultur von Licht und Klang widme. Die Kunst der Fotografie passte nicht mehr ins Konzept.

          Auf diese Weise kam das V&A mit einem Schlag in den Besitz von 270.000 Fotografien, 6000 fotografischen Ausrüstungsgegenständen, 26.000 Publikationen und umfangreichem Archivmaterial, die in 22 Lastwagenladungen nach London transportiert wurden. Die unverhoffte Akquisition hat den Bestand an Fotografien auf etwa 800.000 Werke gebracht. Sie gab den Impuls für eine beträchtliche Erweiterung der bislang für das Medium zur Verfügung gestellten Ausstellungsfläche im Haus.

          Die Fotografie und das Victoria & Albert Museum sind mehr oder weniger Altersgenossen. Zwar ist es dem französischen Privatgelehrten Joseph Nicéphore Niépce bereits in den zwanziger Jahren des achtzehnten Jahrhunderts gelungen, mit Asphalt und Lavendelöl ein haltbares Abbild der Wirklichkeit zu erzeugen, doch gilt die offizielle Ankündigung der Erfindung der Daguerreotypie am 19. August 1839 als das Geburtsdatum der Fotografie. Dreizehn Jahre später ging das Victoria & Albert Museum, das damals noch South Kensington Museum hieß, aus der großen Weltausstellung von 1851 hervor. Diese hatte nicht nur europäische und amerikanische Lichtbilder in noch nie dagewesenem Umfang präsentiert, sondern war selbst fotografisch dokumentiert worden.

          Ausgestellt im Museum: Schwarz-weiß Fotografie „Bath One“ von Mary McCartney.

          Mit dem Amateurfotografen Henry Cole als erstem Direktor gehörte das V&A unter den Museen zu den Vorkämpfern, die das auch von seinem Initiator Prinz Albert geförderte neue Medium als eigenständige Gattung anerkannten und von Anfang an sowohl als Lehrmittel wie als Kunstform sammelten. Auf dieses frühe Engagement nimmt die Auswahl der etwa 600 Exponate in der Eröffnungsschau „Collecting Photography: From Daguerrotype to Digital“ wiederholt Bezug, sei es mit Werken von Julia Margaret Cameron, die schon 1865 hier ausstellte, mit den von Henry Cole zur Dokumentierung und Reproduktion der Sammlung beauftragten Aufnahmen oder mit Eadweard Muybridges vom Museum unterstützten Bewegungsstudien von Tieren.

          Trotz der Bedeutung, die der Fotografie im V&A beigemessen wurde, bekam sie erst 1998 einen permanenten Ausstellungsraum. Dreizehn Jahre später folgte eine weitere Beförderung mit dem Einzug in ein Segment der langen, zweigeteilten Galerien, die in der Viktorianischen Ära als Schaukasten für Arbeiten aus den vom Museum betreuten staatlichen Kunstschulen dienten. Dabei wäre es wohl vorerst geblieben, hätte das Science Museum eben nicht beschlossen, die Sammlung der Royal Photographic Society abzustoßen. Nun hat die Fotografie die andere Hälfte der ehemaligen National Competition Gallery in Besitz genommen.

          Jüngster Tempel für alte Fotografien: Die Ausstellung „Collecting Photography“ gibt mit sechshundert Arbeiten einen ersten Einblick in das kaum überschaubare Konvolut der Neuzugänge.

          Allein die erste Phase des Erweiterungsprojektes stellt mit den drei von dem Architekten David Kohn gestalteten und, für das Auge unsichtbar, klimatisch optimierten Galerien mehr als eine Verdoppelung des Raumes dar. Für das Jahr 2022 sind im Rahmen des 2001 lancierten „FuturePlan“ zur Wiederherstellung und Erneuerung des ursprünglichen Baugewerbes durch führende zeitgenössische Architekten vier weitere Galerien in Aussicht gestellt. Der gesamte Komplex wird zu einem ambitionierten Zentrum der Fotografie werden.

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