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Fotografie Die Wüste Gobi lebt

24.05.2010 ·  Schaut auf diese Städte: Die Foto-Agentur Ostkreuz hat zum zwanzigjährigen Jubiläum ihres Bestehens ihre Mitglieder in alle Welt geschickt. Die Ergebnisse sind jetzt in Berlin zu bestaunen.

Von Regina Mönch
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Die Agentur Ostkreuz gibt es so lange wie das wieder geeinte Deutschland, zwanzig Jahre. Von den sieben Gründern, die zu den besten Fotokünstlern der damals gerade verblichenen DDR gehörten, sind nicht mehr alle dabei, neue wurden aufgenommen. Achtzehn Fotografen gehören jetzt zum Kollektiv, das im Jubiläumsjahr eine gemeinsame Arbeit im Postfuhramt bei „C/O Berlin“ ausstellt: Städte in der ganzen Welt, gesehen auf jeweils eigene Art, komplex und differenziert, intensive Reportagen und kunstvolle Essays über Anfang, Werden und Vergehen, Ordnung und Chaos.

Ihren Fotografien stellen die Autoren jeweils einen kurzen Text voran, die Anmoderation ihrer Bildgeschichten, die erklärt, warum sie gerade dorthin gefahren sind, nach Florenz oder Manila, nach Ordos oder Dubai, auch warum sie mal das Unbelebte betonen, mal die Menschen, die sie trafen.

Orte, um die Zivilisation voranzutreiben

Die Ausstellung entfaltet die Stadt als Lebensraum der meisten Menschen dieser Welt, als wild wachsende Armutsviertel, deren Plan nur seine vielen Bewohner kennen oder als gewesenen Menschenort wie Prypjat/Tschernobyl, den die Reaktorkatastrophe unbewohnbar gemacht hat, als Kopfgeburt von Mächtigen wie Dubai, doch vor allem als Orte, die sich Menschen schufen, um die Zivilisation voranzutreiben - auch wenn sich das Rad mancherorts schon wieder rückwärts dreht.

Dawin Meckel etwa fuhr nach Detroit, in die Autostadt im Niedergang, die sich von innen her aufzulösen scheint, von dort, wo die Autos gebaut wurden und ihre meist schwarzen Arbeiter lebten. Wer noch da ist, wohnt zwischen Brachen und heruntergekommenen Häuserblocks, „wie nach einer Naturkatastrophe“, schreibt Meckel, die sie zwar überlebten, aber der die Menschen nicht entkommen, weil sie zu arm sind. Menschenleer bleibt Thomas Meyers Dubai; ein künstlicher Ort, den man von Parkhaus zu Parkhaus durchmisst, der alles bietet zum Leben, nur sieht man es nicht; eine Stadt als Gehäuse anonymer Bewohner.

Die strengen Blicke der Vorstadtmädchen

Eine andere Stadt im Entstehen, auch an den Rand einer Wüste gestellt, der Gobi, ist Ordos in der Inneren Mongolei. Es gibt erste Straßen mit Häusern und andere, die noch werden. Wo das sein wird, zeigt ein weißer Kreidepfeil in der Steppe. Immerhin: Ein mit Rohstoffen reich gewordener Mäzen hat schon einmal ein Museum in die Wüste gestellt - die Kunst als Pionier der Stadtwerdung. Maurice Weiss begleitet die Erbauer, Wanderarbeiter, eine Gärtnerin, Männer, die in einem Skilift über die flache Steppe schaukeln, zur nächsten Baustelle. Man sieht leere Kreuzungen, deren Straßen alle noch ins Nirgendwo führen, aber hier sollen dereinst fünf Millionen Chinesen leben, und das kann man sich für das noch embryonale Ordos eher vorstellen als im perfekten Dubai.

Ute und Werner Mahler, zwei Ostkreuz-Gründer, sind an die gesichtslosen Ränder der Städte gereist und haben mit einer alten Plattenkamera strengblickende Mädchen fotografiert, „Monalisen“ der Vorstädte mit Träumen vom Leben, die sie nicht preisgeben. Sibylle Bergemann ist zu Hause geblieben, in Berlin, das sie zart, intim, seltsam, hart und anonym großstädtisch zeigt in einer meisterhaften Serie. Zur Ausstellung ist ein fulminanter, sorgfältig edierter Katalog erschienen, eine spannende Welt-Stadt-Geschichte in siebzehn Kapiteln.

Die Stadt. Vom Werden und Vergehen: Eine Ausstellung der Agentur Ostkreuz, Galerie C/O Postfuhramt, Berlin; bis 4. Juli. Der Katalog ist im Hatje Cantz Verlag erschienen und kostet 39,80 Euro

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1953, Feuilletonkorrespondentin in Berlin.

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