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Enwezors Pläne für München Das Haus öffnen

 ·  Seit vergangenem Herbst leitet Okwui Enwezor das Münchner Haus der Kunst. Zunächst will er sich um die Identität seiner Institution kümmern.

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Okwui Enwezor lacht gern und kräftig. Vom Fälschungsskandal um Wolfgang Beltracchi habe er noch gar nichts gehört, gibt er amüsiert zu. Der Ausstellungsmacher ist ein Weltenbummler. Auch die vergangenen Monate tingelte er durch mehrere Kontinente. Am letzten Wochenende zeigte er sich in Berlin bei dem von ihm kuratierten „transnationalen und multidisziplinären Festival“ Meeting Points 6 im Haus der Kulturen der Welt mit Künstlern aus den arabischen Ländern. Jetzt aber will er sich endlich seiner Hauptaufgabe widmen: dem Münchner Haus der Kunst, dessen Leiter er seit Herbst 2011 ist. Dort wartet man schon ungeduldig auf eine Ansage des Ausstellungsmachers, der sogar in der Kunstpreisjury des ukrainischen Oligarchen Victor Pinchuk saß.

Es sei keine spontane Entscheidung gewesen, von New York ausgerechnet nach München zu kommen, ans Haus der Kunst, jenes Monumentalgebäude, das die Nationalsozialisten im Juli 1937 mit der ersten „Großen Deutschen Kunstausstellung“ eröffneten. „Ich musste erst darüber nachdenken.“ Jetzt aber sei er sich seiner Sache sicher. Okwui Enwezor ist bereits seit Herbst 2011 offiziell dort.

Politik und Kunst in Symbiose

Wer erwartet hatte, dass er sich mit dem Blick des Jetset-Kurators aus der Vogelperspektive von den Vereinigten Staaten, Afrika und Europa dem Haus annähern würde, wird überrascht. Er widmet sich bislang der Corporate Identity: „Ich will das Haus elastischer machen“, nennt das der 49 Jahre alte gebürtige Nigerianer; er wolle das Museum nicht mit Objekten und Materialien füllen, schon gar nicht mit monographischen Ausstellungen. Von denen halte er nicht viel, sagt er, sondern bevorzuge Ideen, Fragen und Vorschläge.

Wie soll das aussehen? Seine Lieblingsworte sind: Begegnung und Austausch. Das kennen wir schon von seiner Documenta 2002, die aus fünf (Diskussions-)Plattformen bestand: „Demokratie als unvollendeter Prozess“ in Wien und Berlin, „Experimente mit der Wahrheit“ in Indien, „Créolité und Kreolisierung“ auf St. Lucia, „Unter Belagerung“ in Lagos. Erst Plattform fünf war die eigentliche Documenta in Kassel. Die Verbindung von Politik und Kunst ist sein kuratorisches Thema. Das könnte höchst spannend werden, besonders in München.

Er wünscht sich ein reflexives Museum

Doch er wird wenig konkret: Er wolle die Architektur nicht bekämpfen, sondern nutzen, sagt er, also das Gebäude zunächst freilegen. Bislang sei dessen Monumentalität durch einen großen Vorhang im Foyer verdeckt worden. Man habe sich immer noch für die Architektur geschämt, obwohl schon seit 1995 die Auseinandersetzung immer weiter vorangetrieben worden sei. Man müsse zur Schlüsselrolle dieses Ortes stehen. Eindringlich berichtet er: Im Jahr 1937 präsentierte die Pariser Weltausstellung ein Modell des „Hauses der Deutschen Kunst“ im deutschen Pavillon. Auch Okwui Enwezor hat die Schlüsselrolle des Gebäudes im Nationalsozialismus erkannt, will noch weiter gehen und die ursprüngliche Baustruktur, das weite, offene Foyer, wieder präsentieren, den Blick auf den Englischen Garten öffnen - vielleicht, wenn es die Mittel irgendwann zulassen, auch das große Flachdach nutzen. Die Fassade sei eines der wichtigsten Präsentationsflächen. Hinter Bäumen versteckt, wäre das Museum kaum zu sehen.

Seine erste Ausstellung aber eröffnet er erst im Herbst und „markiert“ damit ein historisches Datum: Vor 75 Jahren, im Juli 1937, fand die berüchtigte Eröffnung statt. Enwezors Ausstellungsdebüt soll die Entwicklung des Hauses im internationalen Zusammenhang nachzeichnen. Sie verdeutliche „exemplarisch, was er unter einem reflexiven Museum verstehe, der zeitgenössischen Kunst verpflichtet zu sein und gleichzeitig die historische Dimension des Zeitgenössischen zu untersuchen und zu übermitteln“. Das klingt schon mal gut. Vorher wird Okwui Enwezor aber noch „La Triennale“ im Pariser Palais Tokyo kuratieren. Dann aber wird es im Herbst vielleicht endlich richtig losgehen. Hoffentlich.

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