Die künstlerische Leiterin der Documenta 13, Carolyn Christov-Bakargiev, erwartet zur Kunstausstellung im Sommer rund 750.000 Besucher in Kassel. Sie sei glücklich, wenn sie die Zahl der vergangenen Ausstellung erreiche, sagte die Amerikanerin an diesem Mittwoch vor hunderten Journalisten. Zudem wurde die bis dahin streng geheime Künstlerliste der weltweit bedeutendsten Ausstellung für zeitgenössische Kunst präsentiert.
Die „Weltkunstschau“ öffnet am Samstag für das Publikum und dauert genau 100 Tage. Nicht alle Teilnehmer seien Künstler, betonte Christov-Bakargiev, was sie ausstellten, „mag Kunst sein oder nicht“.
Fast 300 Namen umfasst die Liste, darunter auch Tote, Nicht-Künstler und Mitarbeiter des Kuratorenteams. Zu den wenigen bekannten Namen zählen Rosemarie Trockel, die 1997 auf der Documenta ein „Haus für Schweine und Menschen“ errichtet hatte, und der südafrikanische Maler und Filmkünstler William Kentridge. Aufgeführt sind auch Personen, die als „Saatgut-Aktivistin“ oder „Berater Biologie“ bezeichnet werden, sowie „baktrische Prinzessinnen“ (Baktrien ist eine Region im Norden Afgahnistans). Auch Tote sind darunter wie der Computer-Pionier Konrad Zuse (1910-1995) oder der Pfarrer und Apfelzüchter Korbinian Aigner (1885-1966).
Innerhalb Kassels wurde das Documenta-Gelände so ausgeweitet wie nie zuvor. Neben Museumsräumen und einem Park wird Kunst an vielen neuen, alltäglichen Orten wie einem Kino oder einem Bahnhof zu sehen sein. Zudem wird es auch drei Außenstandorte geben: die afghanische Hauptstadt Kabul, Kairo in Ägypten und der kanadische Nationalpark Banff (Alberta). Geplant sind dort unter anderem Seminare und Vorlesungen, in Kabul soll es auch eine Ausstellung und ein Filmprogramm geben.
Angeblich Interventionen gegen andere Ausstellungen
Parallel zur Eröffnungspressekonferenz hat eine Gruppe von Künstlern gegen angebliche Zensur bei der weltgrößten Kunstausstellung demonstriert. „Noch nie hat die künstlerische Leitung einer Documenta so viel Einfluss genommen, dass bestimmte Kunst verschwindet“, sagte die Künstlerin Siglinde Kallnbach mit Blick auf die Kontroverse um eine Ausstellung des Bildhauers Stephan Balkenhol in einer Kirche in der Kasseler Innenstadt. Dieser hatte berichtet, die Documenta-Leitung habe von ihm einen Rückzug gefordert. Die Ausstellung wurde dennoch am vergangenen Wochenende eröffnet.
Es sei erwiesen, dass die Documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev auch bewirkt habe, dass eine Ausstellung des Künstlers Gregor Schneider in Kassel abgesagt wurde, sagte Kallnbach. Das sei der Documenta unwürdig und eine Blamage für deren Leiterin.
RÄTSELHAFT!
Markus Bruckner (MMXII)
- 06.06.2012, 23:18 Uhr
Grüss Gott, Herr Zuse...
Eckart Härter (Leser3000)
- 06.06.2012, 17:02 Uhr
documenta privatisieren!
Joachim Arnold (arnie39)
- 06.06.2012, 16:27 Uhr