Home
http://www.faz.net/-gsa-75pl6
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Sachbücher des Jahres

Die neue Bibliotheca Hertziana Trichter aus Licht, Schatzhaus der Bücher

Aus einer Stiftung von Henriette Hertz ging die legendäre kunsthistorische Bibliotheca Hertziana in Rom hervor. Nun hat sie einen wunderbaren Neubau bekommen.

© Andreas Muh Vergrößern Bibliotheken sind Räume ungeselliger Sozialität: Der Neubau der Hertziana von Juan Navarro Baldeweg.

Von der Straße aus ist der spektakulärste Neubau der Stadt nicht zu sehen. Doch wenn sich morgen zur Einweihungsfeier die Pforten der Bibliotheca Hertziana öffnen, kann das Publikum - Forschungsministerin Schavan und ihr italienischer Kollege Profumo vorweg - einen Meilenstein moderner Baukunst bewundern. In zehn mühseligen Jahren hat der spanische Architekt Juan Navarro Baldeweg das Kunststück fertiggebracht, in einem kleinen, ummauerten, nicht fundamentierbaren Grundstück voller römischer Ruinen einen eleganten Bücherturm für eines der bedeutendsten kunsthistorischen Forschungsinstitute der Welt unterzubringen. Bezahlt haben die zwanzig Millionen Euro Kosten zu zwei Dritteln die öffentliche Hand, zu einem Drittel Förderer aus der deutschen Industrie. Das allein ist zum Feiern Grund genug in einem Land, dessen Hauptstadt mit Vorzeigebauten Probleme hat.

Dirk Schümer Folgen:  

Mitten im historischen Herzen der Ewigen Stadt haben sich der Architekt und der römische Bauleiter Enrico Da Gai und die fast ausnahmslos italienischen Handwerker von der technischen Unmöglichkeit des Baus keineswegs entmutigen, sondern zu einem Meisterwerk inspirieren lassen. Übers ganze Gesicht strahlend weist Da Gai darauf hin, dass ein Bau im historischen Rom an sich eine „missione impossibile“ sei. Doch das Raumwunder gelang. Wie ein Terrassengarten für Bücher treppt sich der Bau rund um einen trichterförmigen Lichthof bis in die lichte Höhe der Belvederes und Dachgärten. Dass hier die legendäre Bibliothek des römischen Max-Planck-Instituts mit einer Viertelmillion Büchern lagert, ist dem Materialmix aus weiß getünchtem Backstein, Glas und Stahl nicht im mindesten anzumerken.

Auf Mikropfählen aus Beton

Und ein Terrassengarten, wenn auch ganz anderer Art, war hier ursprünglich auch angelegt. Bei den Fundamentierungen stieß man nämlich auf das Nymphäum - also die gemauerten Rabatten - in denen der römische Feldherr und Feinschmecker Lucius Licinius Lucullus um 60 vor Christus seine Freizeit genoss. Sogar irdene Anzuchttöpfe für die lukullischen Gewürzkräuter fanden sich tief im Erdreich. Die Aussicht auf die damals schon imposante Metropole Roma ist inzwischen etwas verbaut, aber immer noch atemberaubend. Und Navarro Baldeweg hat dafür gesorgt, dass die Forscher von ihren hoch schwebenden Arbeitstischen über Kuppeln und Dächern Roms den Blick schweifen und sich inspirieren lassen können.

Das entscheidende Statik-Problem wurde durch die innovative Technik von knapp zweihundert Mikropfählen aus Beton gelöst. Dass diese Halterungen, die ein wenig an venezianische Holzfundamente erinnern, am Ende in sage und schreibe fünfzig Metern Tiefe verankert wurden, kostete den Bau noch einmal mindestens ein Jahr. Nun steigt die Geschäftsführende Direktorin Elisabeth Kieven vorbei an Feuerschutztüren und Kompaktregalen neun Meter in die Tiefe, drückt auf eine Fernbedienung und öffnet so am Panzerglas eine Markise, hinter der sich antike Mosaikenreste und eine dicke Exedra aus der römischen Kaiserzeit verbergen. Hier unten befinden sich auch die Stahlseile, an denen der erdbebensichere Bau förmlich festgezurrt wurde - und unfassbar hängt das letzte Kellergeschoss ein paar Millimeter über den römischen Ruinen an den Pfählen.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Spanien Zwischen Größe und Größenwahn

Asturien ist die Keimzelle der spanischen Nation, kämpft heute aber mit den Folgen des industriellen Niedergangs. Das schreckt viele Touristen ab - die so eine Region von wundersamer Vielfalt verpassen. Mehr Von Volker Mehnert

15.12.2014, 18:24 Uhr | Reise
Parkinson Verständnis durch Zitter-Simulation

Eine britische Theatergruppe hat ein interaktives Gerät entwickelt, mit dem man in die Rolle eines Parkinson-Patienten schlüpfen kann. Die Installation wird ums Handgelenk geschnallt und erzeugt Schwingungen von sechs Hertz. Mehr

08.12.2014, 10:32 Uhr | Wissen
Hartmut Leppin Leibniz-Preis für Frankfurter Althistoriker

Der mit 2,5 Millionen Euro dotierte Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis geht dieses Mal an Hartmut Leppin. Er hat seit 2001 in Frankfurt eine Professur für Alte Geschichte inne. Mehr Von Eva-Maria Magel

10.12.2014, 17:44 Uhr | Rhein-Main
Restaurant spezialisiert sich auf Spinnen-Tacos

Menschen, die sich vor Spinnentieren fürchten, sind in diesem kleinen Restaurant in Mexiko Stadt schlecht aufgehoben. Denn das La Cocinita de San Juan hat sich darauf spezialisiert, Tacos mit Spinnentieren anzubieten. Und zwar mit richtig wilden Exemplaren, wie Besitzer Pedro Felipe Hernandez betont. Mehr

15.09.2014, 11:02 Uhr | Gesellschaft
Lichttherapie Lampe an!

Vor mehr als 30 Jahren entwickelten Ärzte die Idee, trübe Stimmung mit Licht zu behandeln. Heute wissen sie immer genauer, welchen Einfluss Licht auf den Hormonhaushalt hat. Mehr Von Julia Lauer

15.12.2014, 10:33 Uhr | Stil
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 13.01.2013, 15:28 Uhr

German, please

Von Michael Hanfeld

Wird die Deutsche Welle bald ausschließlich auf Englisch senden? Alle schütteln den Kopf. Peter Limbourg gibt genügend Grund für viele Fragen - aber auch für eine Antwort: Die Deutsche Welle spricht die Sprache des Geldes. Mehr 1

Umfrage

Wie hat Ihnen die letzte „Wetten, dass..?“-Sendung gefallen?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.