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Die neue Bibliotheca Hertziana Trichter aus Licht, Schatzhaus der Bücher

Aus einer Stiftung von Henriette Hertz ging die legendäre kunsthistorische Bibliotheca Hertziana in Rom hervor. Nun hat sie einen wunderbaren Neubau bekommen.

© Andreas Muh Vergrößern Bibliotheken sind Räume ungeselliger Sozialität: Der Neubau der Hertziana von Juan Navarro Baldeweg.

Von der Straße aus ist der spektakulärste Neubau der Stadt nicht zu sehen. Doch wenn sich morgen zur Einweihungsfeier die Pforten der Bibliotheca Hertziana öffnen, kann das Publikum - Forschungsministerin Schavan und ihr italienischer Kollege Profumo vorweg - einen Meilenstein moderner Baukunst bewundern. In zehn mühseligen Jahren hat der spanische Architekt Juan Navarro Baldeweg das Kunststück fertiggebracht, in einem kleinen, ummauerten, nicht fundamentierbaren Grundstück voller römischer Ruinen einen eleganten Bücherturm für eines der bedeutendsten kunsthistorischen Forschungsinstitute der Welt unterzubringen. Bezahlt haben die zwanzig Millionen Euro Kosten zu zwei Dritteln die öffentliche Hand, zu einem Drittel Förderer aus der deutschen Industrie. Das allein ist zum Feiern Grund genug in einem Land, dessen Hauptstadt mit Vorzeigebauten Probleme hat.

Mitten im historischen Herzen der Ewigen Stadt haben sich der Architekt und der römische Bauleiter Enrico Da Gai und die fast ausnahmslos italienischen Handwerker von der technischen Unmöglichkeit des Baus keineswegs entmutigen, sondern zu einem Meisterwerk inspirieren lassen. Übers ganze Gesicht strahlend weist Da Gai darauf hin, dass ein Bau im historischen Rom an sich eine „missione impossibile“ sei. Doch das Raumwunder gelang. Wie ein Terrassengarten für Bücher treppt sich der Bau rund um einen trichterförmigen Lichthof bis in die lichte Höhe der Belvederes und Dachgärten. Dass hier die legendäre Bibliothek des römischen Max-Planck-Instituts mit einer Viertelmillion Büchern lagert, ist dem Materialmix aus weiß getünchtem Backstein, Glas und Stahl nicht im mindesten anzumerken.

Auf Mikropfählen aus Beton

Und ein Terrassengarten, wenn auch ganz anderer Art, war hier ursprünglich auch angelegt. Bei den Fundamentierungen stieß man nämlich auf das Nymphäum - also die gemauerten Rabatten - in denen der römische Feldherr und Feinschmecker Lucius Licinius Lucullus um 60 vor Christus seine Freizeit genoss. Sogar irdene Anzuchttöpfe für die lukullischen Gewürzkräuter fanden sich tief im Erdreich. Die Aussicht auf die damals schon imposante Metropole Roma ist inzwischen etwas verbaut, aber immer noch atemberaubend. Und Navarro Baldeweg hat dafür gesorgt, dass die Forscher von ihren hoch schwebenden Arbeitstischen über Kuppeln und Dächern Roms den Blick schweifen und sich inspirieren lassen können.

Das entscheidende Statik-Problem wurde durch die innovative Technik von knapp zweihundert Mikropfählen aus Beton gelöst. Dass diese Halterungen, die ein wenig an venezianische Holzfundamente erinnern, am Ende in sage und schreibe fünfzig Metern Tiefe verankert wurden, kostete den Bau noch einmal mindestens ein Jahr. Nun steigt die Geschäftsführende Direktorin Elisabeth Kieven vorbei an Feuerschutztüren und Kompaktregalen neun Meter in die Tiefe, drückt auf eine Fernbedienung und öffnet so am Panzerglas eine Markise, hinter der sich antike Mosaikenreste und eine dicke Exedra aus der römischen Kaiserzeit verbergen. Hier unten befinden sich auch die Stahlseile, an denen der erdbebensichere Bau förmlich festgezurrt wurde - und unfassbar hängt das letzte Kellergeschoss ein paar Millimeter über den römischen Ruinen an den Pfählen.

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