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Kunstsammler Cornelius Gurlitt : Unordnung und spätes Leid

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Was sagt diese Unordnung über Cornelius Gurlitt aus? Der Blick in einen Raum seines Salzburger Hauses legt nahe, dass er sein Leben kaum noch im Griff hatte. Bild: privat

An diesem Donnerstag präsentiert die Taskforce Schwabinger Kunstfund ihre Ergebnisse. Für Cornelius Gurlitt kommen sie zu spät. Vieles spricht dafür, dass der Kunstsammler ein heillos überfordertes Bauernopfer von Justiz und Politik war.

          Als kürzlich über den Fall Gurlitt im bayerischen Landtag gesprochen wurde, vor dem Ausschuss für Wissenschaft und Kunst, und wieder einmal die Fortschritte bei der Aufklärung Thema waren, da fiel auf einmal ein erstaunlicher Satz. Dieser stammte von Sepp Dürr, für die Grünen im Landtag, der bekannt dafür ist, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Statt auf Raubkunst kam er im Landtag vor allem auf die „sehr dubiose Aktion der Staatsanwaltschaft“ zu sprechen, später auf das „Märchen von der Raubkunstsammlung“. Gegenüber dieser Zeitung sagte Dürr: „Der groß aufgeblasene Raubkunstfund ist wie Stevensons ,Schatzinsel‘ inszeniert worden, um davon abzulenken, dass alle Register der schlechten Staatskunst gezogen worden sind.“ Die Staatsanwaltschaft habe die Öffentlichkeit davon überzeugen wollen, dass die Beschlagnahme von Gurlitts Bildern damals einem guten Zweck gedient habe.

          Märchen? Stevensons „Schatzinsel“? An diesem Donnerstag stellt die „Taskforce Schwabinger Kunstfund“ ihren Abschlussbericht in Berlin vor. 46 Monate sind dann nach der Beschlagnahme der Sammlung durch die Staatsanwaltschaft in der Münchner Wohnung vergangen, 25 Monate seit Einrichtung der „Taskforce Schwabinger Kunst“ durch die Bundesregierung und den Freistaat Bayern. Fast zwei Millionen Euro wurden für die Taskforce ausgegeben, die Kulturstaatsministerin Monika Grütters stockte den Etat für Provenienzrecherche auf sechs Millionen Euro auf und hat ein Zentrum für Kulturgutverluste in Magdeburg gegründet.

          Wie tief steckt der Teufel im Detail?

          Gleich zu Beginn des Skandals warnte Guido Westerwelle, der damalige Außenminister, auf Reisen in Indien, vor einem Ansehensverlust für Deutschland und nannte Transparenz das „Gebot der Stunde“ nannte. Der bayerische Justizminister Winfried Bausback verlangte eine „Lex Gurlitt“, mit der die Verjährungsfristen für NS-Raubkunst ausgesetzt werden sollte. Weltweit sind mehrere Tausend Artikel zum Thema erschienen, fünf Werke aus Gurlitts Sammlung wurden bisher von der Taskforce als NS-Raubkunst identifiziert, zwei davon an die Erben restituiert. Von dem Verdacht, es handele sich um eine der größten Raubkunstsammlungen in der Geschichte der Bundesrepublik, ist wenig geblieben.

          Der Fall Gurlitt ist einer, bei dem der Teufel im Detail steckt. Das wissen die Mitglieder der Taskforce, vor allem auch jene Provenienzforscher, deren Namen nicht öffentlich sind und die versuchen, die Herkunft der Bilder, die Vorbesitzer, die Netzwerke der Händler und die Verkaufswege zu recherchieren. Vieles davon wird sich nicht mit letzter Bestimmtheit klären lassen, auch wenn das in den vergangenen Monaten Anlass für scharfe Kritik war.

          Der Teufel könnte aber noch viel tiefer im Detail stecken und mit Vorfällen verbunden sein, die zunächst zweitrangig erscheinen. Wenn etwa dieses Wochenende im Berliner Renaissance Theater wieder das Stück „Entartete Kunst. Der Fall Cornelius Gurlitt“ aufgeführt wird, das im Oktober Premiere hatte (F.A.Z. vom 6. Oktober 2015), dann trifft das Publikum zunächst auf einen Gurlitt, der sich in vielen Hinsichten mit dem Bild deckt, das sich auch in der Berichterstattung bisher findet.

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