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„De l’Allemagne“ im Louvre : Aus tiefem Tal zu Riefenstahl

Was für ein Bild von Deutschland entwirft die Ausstellung „De l’Allemagne, 1800-1939. Von Friedrich zu Beckmann“ im Pariser Louvre – und warum?

          Zu den wenigen Dingen, die in Paris gerade von einer Annäherung im merklich abgekühlten deutsch-französischen Verhältnis künden, gehören in dieser Woche die Cover der Zeitungen, die am Kiosk vor der Pariser Metrostation Palais Royal ausliegen: Auf dem Titel der „Zeit“ schaut einen Hitler an, auf dem Cover des französischen „Le Point“ guckt ebenfalls Hitler in die Ferne, die Titelthemen dort sind „Der Führer und die Frauen“ sowie, ebenfalls mit Hitlers Gesicht illustriert, „Der Aufstieg der Neonazis in Griechenland“. Nicht weit dahinter, an der Fassade des Louvre, wirbt ein großes Transparent für die Ausstellung „De l’Allemagne, 1800- 1939. De Friedrich à Beckmann“. Die Ausstellung ist eine deutsch-französische Kooperation. Sie wurde, unter der Schirmherrschaft der Bundeskanzlerin Merkel und des Staatspräsidenten Hollande, vom Deutschen Forum für Kunstgeschichte in Paris konzipiert und vom Louvre inszeniert - aber nichts ist gerade einfach zwischen Deutschland und Frankreich.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Schon bevor die Schau eröffnet wurde, war zu hören, dass es größere Auseinandersetzungen zwischen den Kunsthistorikern des Forums und dem Direktor des Louvre, Henri Loyrette, darüber gab, wohin die Erzählung von der deutschen Kunst, die man hier entwarf, führen und wie man sie inszenieren sollte. Mitarbeiter des Forums berichten, dass sie, als die Ausstellung aufgebaut wurde, keinen Zutritt zum Louvre erhielten und, als sie doch hineindurften, erstaunt bis entsetzt waren, was aus ihrer Schau geworden war - nämlich die Bildergeschichte eines abgründigen, von starken dunklen Kräften gebeutelten Landes, das über die Romantik, die bizarren Welten Böcklins und einen grünstichigen Expressionismus hindurch mehr oder weniger geradlinig auf den Nationalsozialismus zusteuerte.

          In Frankreich selten zu sehende Kunst

          „Schon die Unterteilung der deutschen Kunst in eine apollinische und eine dionysische Richtung stammt nicht von uns und ist meines Erachtens nicht hilfreich“, sagt Andreas Beyer, Direktor des Forums; sie sei vom Louvre ohne Rücksprache vorgenommen worden. Es geht hier also um mehr als den üblichen langweiligen Krach unter Kuratoren: Der Louvre, so der Vorwurf, habe aus dem Material, das das deutsche Forum lieferte, seine eigene Geschichte Deutschlands gebastelt - und diese Geschichte bestätigt alle Klischees des romantisch-fremden, gefährlich dunklen Nachbarlandes.

          Die rund zweihundert Werke umfassende Ausstellung unterteilt sich grob in drei Kapitel. Mit dem ersten wollten die Kunsthistoriker des Forums einen Einblick in die in Frankreich selten zu sehende Kunst der deutschen Romantik geben und zeigen, wie sich von 1800 an auch in der Kunst ein Nationalgefühl konstituierte - vor allem dort, wo die antikisierenden Ideallandschaften der deutschen Klassik, die die Weite mediterraner Landschaften beschwören, abgelöst werden von den Landschaften eines Caspar David Friedrich, die eine wildere, erhaben-undurchdringliche, unbändig-maßlose Natur ins Bild setzen. In reißend tiefen Tälern und einsamen Wäldern zeigt sich eine Kraft der Natur, gegen die ein paar Burgruinen, Kirchen, Kreuze und andere menschliche Anstrengungen nichts vermögen, was nicht bloß im Sinne einer melancholisch-immersiven Vanitasästhetik gelesen werden muss, sondern man auch als Allegorie einer Befreiung von alten Besetzungen interpretieren kann.

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